Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Karnerhöhle, A


Groß ist viel und Klein ist wenig. Gilt nicht dieser Satz als Faustregel überall in unser Gesellschaft. Also sind auch große, in diesem Zusammenhang wohl besser längere, Höhlen besser als kleine bzw. kürzere Höhlen. Die Karnerhöhle in Niederösterreich ist nur eine sehr kleine, wirklich kurze Höhle, aber sie hat doch ihre Bedeutung für sich, die sie mir doch bedeutsamer erscheinen läßt, als so manches lange Loch, das hauptsächlich aus der Aneinanderreihung des Immergleichen besteht. If you have seen one (part) you have seen them all...

Hier ist es anders. Die Höhle hat ganze 9 m Länge, ist bis zu 6 m breit und mehrere Meter hoch. Um hin zu kommen, muß man hinter der Kirche am Schloßberg in Pitten/Niederösterreich zur Felswand gehen. Dort ist dann bereits das mit einem Gittertor verschlossene Portal zu sehen. Geht das Tor, kann man über den gut erhaltenen Steinfußboden den Höhlenraum betreten. Im Mittelalter war es als Kirchenraum ausgestaltet, worauf der Altar hindeutet. An den Wänden sind noch einzelne Reste der Malereien erhalten. Am anderen Ende stehen Meßgeräte einer seismographischen Station, wo die Erschütterungen der Erde gemessen werden. Einen ganz besonderen Charakter bekommt dieser kleine Raum, weil man in als einen "Karner" benutzt, d.h. an den Seitenwänden sind zwei Reihen von Knochen und Schädeln aufgereiht, die wohl vom Friedhof draußen stammen.

Alles weist hier irgendwie auf die Vergänglichkeit hin. Die kürzeste Lebenszeit hier haben wir Menschen. Die Fresken an den Wänden stammen immerhin schon aus dem 11. Jahrhundert, aber warten wir halt noch ein paar Jahrhunderte, dann werden auch sie endgültig das Zeitliche gesegnet haben. Únd auch diese Höhle, wie alle anderen, ist nicht für die Ewigkeit da. Da mag man noch soviel "Höhlenschutz", wie man will, betreiben, im Grunde ist das alles nicht mal das Zucken mit einer Wimper der Natur. Nicht nur, daß sich durch chemische Vorgänge, die recht langsam ablaufen mögen, aber halt doch wirksam sind, irgendwann alles wieder aufgelöst haben wird, die Erdbeben machen noch deutlicher, wie schnell vielleicht alles dem Zerfall irgendwann preisgegeben ist.

Dann sollten wir es doch vielleicht so halten, wie es in einem Schlager geheißen hat: "Marmorstein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht...".

 

 
 
 

Literatur:

Fink, Max, Hartmann, Helga und Wilhelm Die Höhlen Niederösterreichs, Band 1, Südöstliches Niederösterreich und Randgebiete, Wien 1979
Bouchal, R., Wirth, J. Österreichs faszinierende Höhlenwelt, Pichler-Verlag, Wien 2000
Fink, Max H. Lokale Erdbebenstation in der Karnerhöhle bei Pitten, DIE HÖHLE 2-1977, S. 65

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