Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Maximiliansgrotte in der Martinswand


Unter der Katasternummer 1252/1 ist die Maximiliansgrotte im Tiroler Höhlenkataster im Bereich Solstein längst erfaßt. Der Eingang liegt auf 768 m Seehöhe in der politschen Gemeinde Zirl. " 1 1 T =" steht da noch, was heißt, daß es sich um eine Höhle mit einer Länge bis 49 m handelt, um eine Trockenhöhle und daß sie "zwar informatiiv befahren, noch nicht vermessen" sei.

Sie sei die "bekannteste Tiroler Höhle", so Dr. Herbert Kunstscher. Die Halbhöhle sei 26 m breit und 19 m hoch. Besonders bekannt wurde sie durch ein Jagdabenteuer des Kaisers Maximilian (1459-1519). Schriftlich überliefert ist das Narrativ in dem 1517 erschienenen Buch "Theuerdank", das noch zu Lebzeiten Herrschers erschienen ist. Der Kaiser habe sich bei der Jagd verstiegen. Zum Dank für seine Rettung habe er die Aufstellung eines Kreuzes und zwei Heiligenfiguren in der Höhle veranlaßt. 
Die Geschichte wurde immer mehr dramatisiert, zwei Tage und zwei Nächte habe der Kaiser dort ausgeharrt. Weil eine Rettung unmöglich schien, wurde am Fuß des Berges eine Messe gelesen, wozu viele Menschen aus der Umgebung gekommen seien. Schließlich sei die Rettung durch einen als Jäger verkleideten Engel passiert.

Viele haben sich dazu geäußert, auch Goethe. Von dem heißt es: "Zu dem Platze, wo Kaiser Maximilian sich verstiegen haben soll, getraute ich mich wohl ohne Engel hin und her zu kommen." Und bei Erdmannsdorf heißt es zweifelnd an dem Wahrheitsgehalt der Geschichte: "Es ist siche, daß viele Einheimische ohne große Schwierigkeiten zu diesem Orte gelangen können." (Erdmannsdorf 87)

1884 legte man einen Steig zur Höhle an, seit 1986 führte ein ausgesetzter Klettersteig hin. 2015 wurde ein neuer Weg angelegt, sehr gut abgesichert, so daß der Weg nun als "schöner kurzer Ausflug für Groß und Klein" angepriesen wird.

Es gibt viele künstlerische Darstellungen dieses Ereignisses und der Höhle

1546 Martinsbühel mit Befestigungsanlagen (mit Martinshöhle), Stich von E. Scheel  
1548 Stich von Scheel  
1649 Kupferstich von M. Merian  
1765 Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf passiert die Stelle und erwähnt die Geschichte in seinem Reisebericht Weiss 87
1832 Die Martinswand bei Innsbruck, Josef Schönherr, altaquarellierte Aquatinta  Sammlung Frank Stuttgart
1840 Führung zur Martinsgrotte, Zeichnung von F. Wolf  
1860 Kaiser Maximilian I. in der Martinswand, Moritz von Schwind, Öl auf Holz Oberes Belvedere, Wien, aus dem Kunsthistorischen Museum, Wien
1936 Großes Kreuz und Statue des davor knieenden Kaisers von den Bildhauer Johann Obleiter in der Höhle errichtet
  Kaiser Maximilian's Rettung in der Martinswand Fresko Innerkofler Straße

Literatur:

Kuntscher, Dr. Herbert Tiroler Höhlen in Sage und Volksmeinung
Rauch, Christian Adliger Alpin Gourmet - In den Revieren von Kaiser Max, DAV Panorama 5/2018, S. 24f.
Schneider, Peter Die Höhle in der Martinswand, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, 8, 1986, Frankfurt a.M. 1987, 67-75
Srbik, Robert Ritter von Höhlen bei Innsbruck in Sage und Geschichte, Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Karstforschung, 1949, Doppelheft 3/4, S. 1-6
Weiss, Thomas, hrsg. von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff - Kunsthistorisches Journal einer fürstlichen Bildungsreise nach Italien 1765/66, Kataloge und Schriften der Kulturstiftung Dessau Wörlitz, Band 12, Deutsche Kunstverlag München Berlin 2001

 

 

Links:

https://www.almenrausch.at/touren/suchergebnisse/tourdetails/tour/kaiser-max-grotte-von-zirl2986.html

https://tirol.orf.at/radio/stories/2713569/

https://www.tirol-infos.at/innsbruck/kaiser-max-grotte.html

Landschaft und Höhlen in Tirol, A

 


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