Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Höllgrotten bei Baar, CH


Bei Baar, einem kleinen Städtchen zwischen dem Züricher und dem Vierwaldstättersee, liegt eine kleine Höhle, in einer Gegen, wo man kaum Höhlen vermuten würde. Ist ja auch kein Wunder. Sie ist keine der klassischen Karsthöhlen, sondern gehört zum Typ der Primärhöhlen, ist also zusammen mit dem höhlenbildenden Gestein entstanden. Sie ist eine Tuffhöhle. Das von oben kommende Wasser ist sehr kalkhaltig und verlor diesen Stoff wieder, als es den Hang über die vielen Pflanzen usw. rann. Da gibt es dann so auffallend vorstehende Felsklötze an den Talhängen. Das Gestein ist vergleichsweise leicht und gut bearbeitbar, weshalb es schon früh als gutes Baumaterial erkannt wurde. Beim Abbau dieses Gesteins stieß man schon früh auf die Höhlen, die dann seit 1890 für die Öffentlichkeit zugänglich waren.

Die Höhlen sind auch heute noch ein Schmuckstück. In ein paar Höhlenteilen kann man Formen heute sehen, die meist dem Menschen unzugänglich sind, weil sie unter Wasser gebildet wurden und dort sich eine ganz eigene Formenwelt entwickelt. Lediglich in der Höhle von Toirano in Ligurien habe ich ähnliches schon gesehen. Sinter gibt es dort in Überfülle und das in bemerkenswertesten Formen. Da ist eine Art Halbball in einem Wasserbecken, das "Krokodil", das man vielleicht besser "Penis" nennen sollte, weil der übersinterte, schräg gestellte Baumstamm heute so aussieht, als habe man ihm die Vorhaut zurückgezogen. Und da ist eine außergewöhnlich lange Baumwurzel. Sie soll von einem Bergahorn stammen und ist bestimmt 5 m lang. Vor den schädlichen Zugriffen der Besucher ist sie durch ein hohes Gitter geschützt, so daß der optische Eindruck sehr behindert ist. Und an dieser Wurzel gibt es grünliche Triebe, so ähnlich wie Blätter, die im Licht der Schauhöhlenlampen wohl nur ein kärgliches Dasein fristen.

Das Lorzetal unterhalb der Höhle
Ein Beitrag zu "Karst und Küche"
Der Tuffklotz, in dem die Höhle liegt
Der untere Eingang
Gleich zu Beginn ein Höhepunkt:

Unterwassersinter

Blick zum Boden
Die "Schildkröte"
 
In der oberen Höhle
 

 

Literatur:

Aellen, V., Strinati, P. Die Höhlen Europas, BLV Verlagsgesellschaft München Bern Wien 1977

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