Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Melchsee-Frutt, CH
Im schweizerischen Kanton Obwalden liegt in 1.920 m Seehöhe der Weiler mit diesem Namen auf einer Hochalp am Melchsee. Melchsee-Frutt kann vom Talort Stöckalp aus ganzjährig durch eine Gondelbahn erreicht werden. Im Sommer kann man auf einer einspurigen Straße mit wechselweisem Verkehr mit dem Auto hinauffahren. Der Weiler besteht aus mehreren Hotels, Gasthöfen und Ferienwohnungen. Mittels einer Luftseilbahn kann man noch höher hinauffahren auf den 2.160 m hohen Bonistock. Auf der anderen Seite des Sees kann man mit einem Sessellift oder mehreren Schleppliften insbesondere im Winter die leichten bis mittelschweren baumlosen Hänge zum Skifahren nützen.
Aus der Sicht eines Geologen handelt es sich bei dieser Region um einen "glazial überprägten, autogen und allogen gespiesenen Karst mit grossen, aktiven und inaktiven Höhlensystemen". Eine Schuppe von Quintnerkalk (Malm) liegt auf wasserdichten Mergeln der Erzegg-Formation (Oxfordien) auf und ist mit 30 Grad Richtung Melchtal geneigt. Die Schrattenkalkplatte ist mehrfach zerbrochen, wodurch eine gute Grundlage für die Höhlenbildung vorhanden ist. Mehr als 50 km Höhlengänge sind inzwischen erforscht in mehr als 150 bekannten Höhlen.
Nicht weit vom Abfluß des Melchsees liegt die
auffälligste Höhle der Region, das Stäubiloch. Im Jahre 1904
stellte der Hotelier und Oberrichter Albert Reinhard-Bucher einen
Konzessionsantrag für den Bau und Betrieb einer
Wasserkraftanlage für 50 Jahre. Das Wasser des damals noch nicht
aufgestauten Melchsees wurde in einem Holzkanal ins Stäubiloch
geführt. Pro Sekunde durften maximal 300 Liter abgeleitet
werden. Über einen Druckleitung mit einem Gefälle von 8,50 m
gelangte das Wasser auf eine Francis-Spiralturbine, mit welcher
ein Generator angetrieben wurde. Dieser produzierte Strom mit
einer Leistung von 40 PS. Nach Ablauf der Konzession mußte 1954
die Anlage abgebaut werden, um dem Neubau des Kraftwerkes
Melchsee-Frutt Platz zu machen. Die Höhle erreicht immerhin eine
Tiefe von 110 m und endet nach 300 m Länge in einem Siphon. Die
kühle Luft aus dem Loch wurde über einen Schacht zur Kühlung
des Lebensmittellagers des Hotels eingesetzt.
Wer ein Auge für Höhlen hat, dem fällt die Örtlichkeit
natürlich sofort auf. Ein lockerer roter Kunststoffzaum geht
rundherum und weist jeden ab, der näher an die Höhle will. An
der Hauswand gegenüber ist heute eine große
Dokumentationstafel, die umfassend über alle Details dieses
Kulturdenkmals Auskunft gibt.
Am 1. Januar 2011 - ein Ausflug zum Skifahren bei Kaiserwetter dorthin
Literatur:
Trüssel, Martin | Stiftung NeKO, Stalaktite 54, 2, 2004, S. 4ff. |
Trüssel, Martin | Vom Fuchsloch zur Schrattenhöhle - 25 Jahre Höhlenforschung auf Melchsee-Frutt, Forschungschronik des Höhlenforschergemeinschaft Trüssel, HGI-Verlag, 3 Bände, 1999, 2003 |
Weber, Eric | Untersuchungen der rezenten Felsbewegungen im Karst der Melchsee-Frutt (OW), Stalaktite 54, 2, 2004, S. 21ff. |
Trüssel, Martin | Forschung in der Chrummegghöhle, Melchsee-Frutt (Kerns, OW), Stalactite 50, 1, 2000, S. 29ff. |
Siegentaler, Gregor | Die Höhle M2 (Melchsee-Frutt), Reflektor 4-1984, S. 5ff. |
Links:
Ferienregion Melchsee-Frutt, Melchtal, Kerns - Melchsee-Frutt (de)
http://www.hasliberg-frutt-titlis.ch/
http://www.profrutt-engstlenalp.ch/projekt.php
H2006-2_Vermikulationen.pdf (application/pdf-Objekt)
Melchsee-Frutt - Wandervorschlag 3.7
Melchsee-Frutt - Vierwaldstättersee - lakeluzern.ch willkommen
Melchsee-Frutt - Turbinenanlage Stäubiloch am Melchsee
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