Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen rund um Oberammergau

 


Bärenhöhle
Grotte in Linderhof
Schleier-Wasserfälle


Im Ammertal am Fluß Ammer liegt die Gemeinde Oberammergau mit ihren gut 5000 Einwohnern. Berühmt ist sie wegen ihrer alle 10 Jahre stattfindenden Passionsfestspiele und der vielen mit Lüftlmalerei dekorierten Häuser.

Das Landschaftsbild wird dominiert von den umliegenden Bergen. Südwärts gesehen liegt links der Laber, der über eine Seilbahn touristisch erschlossen ist. Rechts dominiert der Kofel, ein Kalkfelszacken, der von hinten her leicht in gut einer Stunde Wanderung erstiegen werden kann.

In der Umgebung gibt einige kleinere Höhlen. Direkt neben der Straße Richtung Ettal liegt oberhalb der nicht zu übersehende Eingang in die Bärenhöhle. Auf der andern Talseite Richtung Kofel zieht sich eine kleine geteerte Straße von Oberammergau aus Richtung Linderhof. An ihr beginnt an einer Ausbuchtung der sog. "Grottenweg". An ihm und ganz in der Nähe finden sich einige Höhleneingänge und Felsnischen, die mit Namen wie "Höhle südlich Ölberg", "Rappenkopfhöhle", "Höhle nördlich Falkenwand", "Gotisches Loch" usw. im Höhlenkataster erfaßt sind.

Vor der "Ettikoshöhle", direkt neben dem Weg zur Schießanlage, ist ein kleiner Quelltümpel. Geht man in die große Felsnische, die insbesondere im Winter ganz ansehnliche Eisfiguren aufweisen kann, so sieht man die große Besonderheit der Höhle. Dort hat sich ein Künstler die Arbeit gemacht, aus dem großen Felsblock am Höhlenboden zwei eng miteinander verbundene Figuren herauszumeißeln. Ist's ein Liebespaar?

Den Namen "Grottenweg" hat der bequeme, aber leider durch den Straßenlärm etwas beeinträchtigte Weg von der schönen Mariengrotte gleich beim Friedhof, an dessen Rand man entlang geht. Richtig spektakulär können im Winter die gelblich verfärbten Eisfiguren sein, die im näheren Umkreis von der Wand hängt.

Beim Malenstein, einem wohl schon vor langer Zeit einmal vom Berg heruntergkommenen Riesenfelsen, findet man, wenn man genau hinschaut, noch einige Ritzzeichen. Spektakuläres ist nicht dabei, aber immerhin. In diesem Felsen, auf genau der anderen Seite, öffnet sich die Malensteinhöhle. Sie ist den Einheimischen offenbar wohlbekannt, weil sich im weiten Eingangsmaul eine Feuerstelle befindet, die scheinbar immer wieder benutzt wird. Man kann an einigen Stellen noch tiefer unter den Riesenblock kriechen und so ein richtiges Höhlenerlebnis bekommen.

Eine Pferdekutsche auf der Straße Oberammergau-Linderhof
am Beginn des Grottenwegs, 27.12.2007
 
Ettikoshöhle

Juli 2020
Felsnische mit Gedenktafel
Mariennische
Malenstein

Erwähnt sei auch noch auf der Laberseite die während des 2. Weltkriegs gebauten unterirdischen Anlagen, die inzwischen wieder vermauert worden sind. Sie sind höchst eindrucksvoll, wenn man sie aufsuchen kann.

Literatur:

Cramer, Klaus Höhlen- und Karsterscheinungen in : Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 8432 Oberammergau, S. 99-105, 1. Plan, München (Geolog. Landesamt) 1967
Lindenmayr, Franz Anthropospeläologische Führung durch das Ammertal, in: Begleitheft zur 37. Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Der Schlaz, Heft 82, 1996, 22
Süddeutsche Zeitung Edition Dunkle Höhlen und geheime Gänge, München 2010
Wollenik, Franz Abwehrhand und Drudenfuß - Felsbilder in Bayern, Burgfried-Verlag Hallein 1982
Wollenik, Franz Ritzzeichenfunde in den bayerischen Alpen, Alpenvereinsjahrbuch 1978, "Zeitschrift" Bd. 103, Innsbruck-München 1978, S. 228-233

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