Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle


Die "versunkene" Höhle im Langen Köchel, Murnauer Moos


Fährt man von München auf der Autobahn südwärts Richtung Garmisch, dann türmt sich vor einem nach fast einer Stunde Fahrt die Alpenkette auf. Kurz vor ihrem heutigen Ende bei Eschenlohe kann man auf einer Seitenstraße abbiegen und man gelangt an den Rand des Murnauer Mooses. Gleich fallen die Buckel auf, die aus der Moorlandschaft herausragen. Früher waren es noch mehr, aber einige sind inzwischen schon komplett wieder verschwunden. Die Geologen sprechen von "Härtlingen", bestehend aus Flysch-Sandsteinen und Kalkstein aus dem sog. Helvetikum. Das Gestein war gefragt, weil man es gut verwenden konnte, insbesondere als Schottermaterial für den Bau von Eisenbahnstrecken.

Der größte Abbau geschah am sog. "Langen Köchel", der etwa 1 km lang war, bis zu 80 m breit und etwa 60 m tief. Heute ist er maximal 710 m hoch, früher hatte er noch ein Meter mehr. Nach langem Rechtsstreit um den weiteren Abbau setzte sich der Naturschutz durch und das Gelände wurde der Hochtief AG, die vorher den Abbau betrieb als "Hartsteinwerk Werdenfels", abgekauft. 2001 wurde er eingestellt. Nachdem die Pumpen abgestellt worden waren, füllte sich allmählich die tiefe Grube mit Wasser, so daß man heute, 2026, nur noch einen großen See dort findet.

Im Jahr 2000 waren ein paar Höhlenforscher vom VHM und der Speleologischen Arbeitsgruppe Werdenfels vor Ort und konnten noch die inzwischen vollkommen geflutete Höhle untersuchen, vermessen und fotographieren. Sie wird nun als "Höhle im Langen Köchel" unter der Katasternummer 1244/4 im Höhlenkataster geführt. Stefan Glaser verfaßte einen erschöpfenden Bericht darüber und veröffentlichte ihn im SCHLAZ, der Vereinszeitschrift des Vereins für Höhlenkunde in München. Der Text enthält auch den Höhlenplan, aufgenommen von Andreas Wolf. Darin erfahren wir, daß die Höhle eine Gesamtlänge von 25 m und eine Höhendifferenz von + 19 m hat. Sie liegt an der Gesteinsgrenze zwischen Glaukonitsandstein und Schrattenkalk.
Der Eingang war/ist immerhin 10 m hoch und 4 m breit. Eine Lehmhalde führt erst flach, später steiler aufwärts. Eine steile Lehmwand folgte und führte am Ende in die Endhalle, wo die Sedimentfüllung bis auf wenige Zentimeter unter die Höhlendecke reicht. 
Die Höhle hatte wohl nie einen natürlichen Zugang. Sie wurde vor "einigen Jahren" bei Sprengarbeiten angeschnitten und war zuerst vollkommen mit Lehm erfüllt. Nun liegt sie unter dem Wasserspiegel und wieder gefüllt, diesmal mit dem Wasser des Sees und es wird wohl niemand mehr wieder hinkommen. Warum auch? 

Jedenfalls handelt es sich auch hier um eine Art  "Verschwundene Höhle", ein Thema, das auch den Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher beschäftigt. Auf einer gemeinsamen Liste sind inzwischen 704 Objekte in Deutschland, leider, schon erfaßt. 

Weitere Köchel im Murnauer Moos

 

Literatur:

Glaser, Stefan (2003): Die Höhle im Langen Köchel (1244/4) im Murnauer Moos, Der Schlaz 100-2003, S. 6-9

Links:

https://www.murnauermoos.de/index.php/natur-u-landschaft/die-koechel

https://www.gamssteig.de/touren/moosbergsee-langer-koechel-murnauer-moos

https://www.vdhk.de/verschwundene-hoehlen

Speläologisches im Estergebirge und Umgebung

 


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