Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen in Kempten, Allgäu, D


Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die könnten wir uns in unserer Phantasie kaum ausdenken. Wer käme z.B. schon darauf, daß man eine "neue Höhlen" bei eBAY entdecken kann? Halt. Heute besteht "Höhlenforschung" in gar nicht so geringem Maße auch in der Wiederentdeckung in der Vergangenheit schon bekannt gewesener Höhlen, die aber für einige Zeit "verloren" gegangen waren oder sind. Gelegentlich hat man noch Aufzeichnungen, die einem mehr oder weniger gute Hinweise darauf liefern, des öfteren hat man aber auch rein gar nichts mehr. Dann bekommt man auf vollkommen unerwartete Weise plötzlich neue Hinweise. So war es auch hier.

Jochen Duckeck war beim Stöbern nach Höhlenansichtskarten bei eBAY auf eine seltsame Postkarte gestoßen für 6,50 €. Man sieht darauf einen Bauernhof mit einem großen Garten drumherum, ein paar Sträucher davor und einige Bäume im Hintergrund. Mehr nicht. Und dann der Text: Gruß von der Höhle b. Kempten. Hatte diese Karte nun was mit Höhlen zu tun oder nicht? Jochen verständigte mich und ich begann mit der Recherche. War damit die Stadt im Vorland der Allgäuer Alpen gemeint? Oder gab es noch mehr "Kempten"? Ein Blick in einen modernen Routenplaner zeigt sofort, daß es da tatsächlich mehrere gibt, in Liechtenstein, in der Schweiz. Ich verständigte Willi Adelung, der inzwischen längst in Kempten heimisch geworden ist. Er setzte die Suche fort und wurde tatsächlich fündig. Am Südende von Kempten gab es tatsächlich eine Straße, die "An der Hehle" heißt. Ein Straßenschild weist unübersehbar darauf hin. Ein längliches Wohngebäude ist an der Seite errichtet. Ringsum ist eine kleine Wohnsiedlung. Das Gelände ist bretteben. Nichts weist in irgendeiner Weise auf eine Höhle hin. Der Abhang der Iller, wo ja vielleicht irgendeine Uferhöhle oder wenigstens eine Überdeckungshöhle vielleicht Platz hätte, ich weit entfernt. Was hat es also mit der "Hehle" auf sich?

Willi fand zwei Literaturstellen, die auf die Örtlichkeit Bezug nehmen, allerdings ohne uns Erklärung dafür zu liefern, warum hier von einer "Höhle" die Rede ist. Bei Förderreuther steht: "Im Kemptens nächster Umgebung waren seit alter Zeit mehrere Ausflugsorte als Heilbäder geschätzt: gegen Durach zu die "Höhle", vor allem aber "Die Eich" auf dem Wege nach Waltenhofen." Bei Rottenkolber finden wir u.a. eine Aufzählung der verschiedenen Fabrikbetriebe Kemptens. Einer davon war die "Schnetzersche Zündholzfabrik, die 1842 in der Höhle bei Kempten gegründet worden sei, aber schon im nächsten Jahre nach Kempten hereinverlegt wurde. Das sind alle schriftlichen Quelle bislang. Ob es wohl eines Tages noch gelingen wird, das Geheimnis der "Höhle bei Kempten" zu lüften? Vielleicht rührt sich ja jemand auf Grund dieser Webseite und kann uns den Hintergrund des Namens etwas erhellen.

In einem Fachbuch (den Titel und Verfasser kenne ich nicht) fand sich jetzt auf Seite 388 vielleicht die Lösung des Höhlenrätsels:
"Höhle - 703 m. ü.d.M., Ortsteil von Schelldorf - Früher "Hehle, Hel oder Hele, Höll genannt. Hat mit Hölle nichts zu tun. Nach Dr. Graßl (Das schöne Allgäu, 1936, Nr. 3) bedeutet Hel alte germanische Siedlung und Feuerstätte. Hier wurde zur Entnahme für die benachbarten Höfe an windgeschützter Stelle (Berghang, Lehmgrube) ständig Feuer gehalten, durch Asche "verhehlt" und bei Bedarf mit Blasebälgen aus Tierfellen wieder angefacht. Schutz des Feuers durch Kaminbau erst zur Zeit Karls des Großen (um 750) erlernt, deshalb in Bayern rund 100 Höll-Orte." Ob das das letzte Wort wirklich ist?


1. Dezember 2002

Am Ufer der Iller bei einem großen Wehr gibt es am flußabwärts gesehen linken Ufer ein kleines Felsdach. Bei Hochwasser ist es nur schlecht zugänglich, weil man in Wasserhöhe über viele Felsen balancieren muß, eh man hinkommt. Es wird offenbar auch heute noch aufgesucht. Jedenfalls fanden wir mitte April 2006 einige Inschriften und Hölzer, die zu einer Art Sitzgelegenheit zusammengestellt waren. Vielleicht haben auch hier junge Leute einen Ort gefunden, wo sie sich, ungestört von den Erwachsenen treffen können, ganz so, wie es z.B. in dem Roman und dem Film von "Club der toten Dichter" vorkam. Im Winter soll es immer wieder herrliche Eisbildungen hier geben.

 

Literatur:

Förderreuther, Max, Kellenberger, Martin Kemptner Heimatbuch, Kempten 1932
Rottenkolber, Josef Geschichte des Allgäus, Vierter Band, Das 19. Jahrhundert, Kösel-Pustet-Verlang, München

Links:

Landschaft und Höhlen im Allgäu

Landschaft und Höhlen der Bayerischen Alpen

 


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