Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Koblat

 


So einen Anblick hatten wir erhofft! Einen Höhleneingang in einem Karstgebiet. Leider geht es da nur einen Meter hinunter. Dann steht man auf Felsboden und vor und hinter einem geht es in horizontalen 1 m langen Gängchen weiter bis zum schon wieder sichtbaren Ende. Mehr war da nicht vorhanden. Und wo anders konnte ich auch keine weitere Felsöffnung ausmachen. Ist also auch das kleine Kalkplateau des Koblat praktisch höhlenfrei? Definitiv weiß das niemand. Für solche Fragen wurde früher ein besonderes Wesen von den Menschen ausgedacht, das "Gott" genannt wird. Zumindest für die Christen ist er "allwissend", also müßte er auf diese einfache Fragen auch eine einfache Antwort geben könnten. Für den Fall, daß es ihn nicht gibt, dann müssen wir Menschen selber nach der Antwort weiter suchen und mit der ganzen damit verbundenen Unsicherheit leben - das ist des Menschen "Los". Ein "Mensch" kam an mir vorbei, als ich gerade wieder nach meinem ersten kurzen Befahrungsbesuch wieder herauskam und versuchte an meine Taschenlampe im Rucksack zu kommen. Erstaunt schaute er mir zu, was ich da gerade trieb. Ich würde gerade die Höhlenöffnug erkunden, sagte ich. "Dann wünsche ich ihnen viel Spaß", sagte er und eilte weiter. "Spaß"? Das war in diesem Falle wohl nicht das passende Wort, denn wem macht es schon wirklich "Spaß", wenn er sich in recht unbequemer Position auch noch verdrehen und hinunterbücken soll, um in einen schmalen Gangteil zu kommen, der auch noch grenzwertig beengt ist. Für Kindergartenkinder wäre das vielleicht ein Spaß, für pensionierte Lehrer im fortgeschrittenen Alter eher weniger. Aber die "Hoffnung auf Neuland" zwickt noch immer und solange zwängte ich mich halt auch noch in solche ziemlich "unpassenden" Steinöffnungen".

Als "Koblat" wird ein kleines Karstgebiet nordöstlich von Nebelhorn-Wengenköpfe-Daumen bezeichnet. Am einfachsten ist es mit der Nebelhornseilbahn zu erreichen. Man steigt an der Station "Höfatsblick" aus und folgt dem Fußweg zum Nebelhorngipfel. Etwas unterhalb der Gipfelstation des Koblatsesselliftes zweigt ein mit roter Farbe markierter schmaler Bergweg ab, der mitten hinein in den Karst führt. "Kalkalpine Schichten" treten dort aus, es geht immer leicht auf und ab zwischen den zerfressenen Felsen mit Karrenbildungen. Man ahnt schon, daß es nach unten einmal gehen wird, aber das dauert. Dann wird der Blick nach unten frei und vor einem liegt eine Fläche, die manchmal wohl einem See gefüllt ist. Im Herbst sammelt sich nur noch etwas austretendes Wasser zu einem Bächlein sammelt und bald darauf schon wieder versickert und im Untergrund verschwindet, allerdings ohne richtige klassische Bachschwinde. Hier zweigt nach rechts auch der zweite Weg zum Pfannenhölzl ab, der erst absteigend, dann wieder ansteigend bis zu einem Sattel und jenseits davon in einem großen Z zurückführt zur Seilbahnstation.

Der Bergweg führt immer leicht absteigend mitten durch die Karstfläche. Rechts unterhalb sind schön die oberen Enden der aufgestellten geschichteten Kalkflächen zu sehen. Anderswo gibt in solchem Gelände durchaus den einen oder anderen Höhleneingang. Hier ist das nicht der Fall. Irgendwann kommt man zum Laufbichlsee, dann auch noch der Engeratsgrundsee. Der Wanderweg führt weiter zur Alpe Engeratsgrund, dann zum Giebelhaus und dann vielleicht mit dem Bus in Richtung Hinterstein.

Den Hinweis auf das Koblat hatte ich von Christian Strobl bekommen, einem Höhlenforscher aus dem Fränkischen. Er hatte mir von einer "länglichen SW-NO orientierten Verebnungsfläche" geschrieben, wo "in den 30°-45° nach SO hangparallel einfallenden Schichten jede Menge Dolinen und kleine Ponore angelegt" seien. Ursprünglich wollten wir zusammen einmal das Gebiete erkunden, aber dann ergab sich dazu leider keine Gelegenheit. So dauerte es bis zum Oktober 2019. Dann waren Willi Adelung und ich da mal unterwegs, aber ganz fertig erkundet ist das Gebiet noch nicht. Vielleicht schauen auch einmal andere dorthin und finden dann tatsächlich auch mal etwas.

  2019

Bei der Auffahrt mit der Seilbahn - es wird gerade einen neue Bahn gebaut 

 ganz
     
> Seelein ohne oberirdischen Abfluß am Weg zur Gipfelstation des Nebelhorns
Die Bergstation des Kolblatliftes

Literatur:

Scholz, Herbert Bau und Werden der Allgäuer Landschaft. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 1995
Seibert, Dieter Alpenvereinsführer alpin – Allgäuer Alpen und Ammergauer Alpen. 17. Auflage, Bergverlag Rother, München 2008

Links:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/allgaeu/koblat-hoehenweg/1382917/

https://www.oberstdorf.de/alpininfo/tagestouren/koblat-nebelhorn.html

https://www.oberstdorf.de/alpininfo/huetten/verbindungswege/panoramatour-koblat.html

https://bergsteiger.de/touren/wandern/auf-dem-koblat-hoehenweg-bei-oberstdorf

https://www.bergfex.de/sommer/bayern/touren/wanderung/14600,koblat-hoehenweg-bei-oberstdorf/

Ein Streifzug durch die Höhlenwelt des Allgäus


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