Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhliges bei Sulzberg, Allgäu


Sulzberg liegt auf dem Weg zwischen Kempten nach Oberstdorf links von der Strecke. Höhlen in dieser Gegend zu erwarten, das bräuchte man eher nicht, aber es gibt etwas.

Im Internet war ein Artikel von Christine Rothauscher unter dem Titel "Den Waldgespenstern auf der Spur" aus der Allgäuer Zeitung. Darin wurde von einer Natur- und Landschaftsführung des Touristbüros Kempten berichtet, die von Monika Böck als Führerin durchgeführt worden war. Darin heißt es an einer Stelle: "Eine dunkle Höhle - Zehn Minuten später wird es dann doch wieder ein wenig unheimlich: Die Gruppe tritt in ein Waldstück ein, still ist es auf dem schattigen Weg und da schau her zwischen zwei Felsbrocken tut sich eine dunkle Höhle auf, ein Rascheln ist zu hören. Kommt es aus dem Felsenloch oder von den Blättern unter den Füßen? Egal, die Buben und Mädchen wollten in diesem Moment die Waldgespenster gar nicht mehr von Angesicht zu Angesicht sehen.
Am 1. Januar 2002 haben wir diese Höhle gesucht, aber nicht gefunden. Ein offenes Thema.

 

Nicht weit von Sulzberg liegt Sulzbrunn - und diese Örtlichkeit geriet 2012 mit einem Schlag wegen eines Phänomens ins Scheinwerferlicht der Medien wegen der "lebenden Tropfsteine", die es in einem lange Zeit hindurch wieder vergessenen Stollen gibt. 8 Meter geht es hinunter, dann kommt ein kleiner horizontaler Gang bis zum Ende, wo aus kleinen Spalten das Wasser kommt. Normalerweise steht alles unter Wasser, um hinein zu kommen, muß schon die Feuerwehr das Loch erst einmal auspumpen. Es wird auch ein Test gemacht, ob genug Sauerstoff da ist, dann erst darf man weitergehen. Dann erst kann man bis zu den "Glibberfäden und einem schleimigen Belag" gelangen, der von der Decke hängt.

Der scheint es wirklich in sich zu haben. Einen "Biofilm" gibt es an der Decke, der sich wegen des hohen Jodgehalts des Wassers und des Methans, das hier vorkommt, gebildet hat. Wissenschaftler suchen ja dauernd nach den Entstehungsbedingungen des Lebens - und hier könnte eine wichtige Stelle sein, um sie besser zu verstehen.

Vielleicht ist der Ort doch nicht so einzigartig. In der Movilehöhle in Rumänien zum Beispiel hat man ja auch Leben in einer Höhle entdeckt, die eine Methangasumgebung hat.

Dem Besucher der Örtlichkeit zeigt sich einiges. Er sieht den Betonschacht mit Deckel, der in den Stollen hinunterführt. Gleich daneben ist ein Häuschen, das immer offen steht und in dem man viele Informationen über dieses besondere Naturphänomen bekommt. Es wurde liebevoll ausgestaltet mit vielen Details, z.B. einer künstlerischen Darstellung der Glibbertropfsteine. Am informativsten ist sicherlich der kurze Film von Gerhard Baur über die Höhle. Danach kann man einfach wieder heimgehen und weiterstaunen, was es nicht alles für unglaubliches "Zeug" auf dieser Erde gibt.

Staunen sei der Anfang aller Philosophie - hieß es mal. Das stimmt noch immer. Hier ist ein Ort, um sich in diesen Zustand zu versetzen.

 
     
 
     
   

Literatur:

 

Krawautz, Clemens, Kus, Günter, Neu, Thomas R. Lueders, Tillmann Mikrobielle Biofilme in der Jod-Höhle Sulzbrunn im Allgäu, in: 125 Jahre Tiefenhöhle 70 Jahre Höhlen- und Heimatverein, Laichingen 2017

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