Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Speläologisches im Steinernen Meer - 

Simetsberg


9. Juli 1989 Simetsbergeishöhle - Assistent Herbert Reiser


Salzgrabenhöhle


... in Vorbereitung / ausgelöst durch den Tod von Herbert Reiser im Dezember 2020

"Es war ein nebliges Wetter, ab und zu regnete es. Vor der Saugasse sahen wir links und rechts vom Weg einige Dolinen, sowie aufsteigenden Nebel (Luftmischungsnebel) aus einem Loch in der Wand des Simetsberges." Schon in dem ersten Bericht eines Münchner Höhlenforschers, nämlich Georg Kellerer, der zusammen mit Toni Müller zum ersten Male im Steinernen Meer unterwegs gewesen war, steht was von einem "Loch in der Wand" aus dem Nebel aufsteigt! Wer etwas für Höhlenforschung übrig hat, der wird davon berührt sein. 

Gerne stellen sich Menschen Berge als etwas Solides, Festes (..auf den wir Kirchen bauen können), Homogenes, Verläßliches, aller Zeitlicheit Enthobenes vor. Tatsächlich gibt es nichts, was nicht vergänglich wäre. Oder? Der Simetsberg, ein eher unscheinbarer Berg am Nordrand des Steinernen Meeres, ist ein gutes Beispiel dafür. Nicht ganz so "groß und prächtig" wie sein naher Nachbar, der Watzmann, erhebt sich da am Ende des Königsees. 

1884 m ist die größte Höhe, die man auf dem Simetsberg erreichen kann. Er liegt vorgelagert zu der weiten "nackten" Karstfläche, sie sich südlich und westlich davon erstreckt, und entspricht dem Typus des "bedeckten Karsts". Da der Fuß des Simetsbergs direkt am Königssee liegt, beginnt der trockene Teil von ihm in 603,30 m. Das bedeutet, daß 1.280 Höhenmeter zu überwinden sind, wenn man vom Bootssteg in St. Bartholomä den Aufstieg beginnt. Man passiert den Schrainbach-Wasserfall, in vielen Kehren geht es entlang des Schrainbachs, dann durch die Saugasse. In etwas 1600 m Höhe wird es flacher. Der Weg verzweigt sich. Die meisten laufen Richtung Kärlingerhaus, aber man könnte auch in Richtung Grünsee-Sagereckalm laufen. Von hier geht es meist weglos durch die karstige Oberfläche des Simetsbergs

Erhard Sommer war wohl der erste Höhlenforscher, der dort schon früh herumgeschaut hat und "Schächte mit starkem Luftzug und möglichen Tiefenfortsetzungen befahren hatte" (Dietderich 2). Die Jäger und Senner kannten das Gebiet vorher schon sehr gut.

Einige Höhlen im Spiegel ihres Niederschlages in der Literatur:

Einige Zeitdaten: rekonstruiert aus der Literatur, die mir zur Verfügung steht und der Erinnerung...

1965 Forschungsbeginn Simetsberg-Eishöhle, Entdeckung durch "Berchtesgadener Bergsteiger" (SHB 2- S. 281)
Simetsberg-Eishöhle (auch Simetsbergalmhöhle, Simetsberghöhle), / 148, die erste Höhle am Simetsberg, Eh. 1811 m, Gl. 360 m, Gh. 75 m (+40 m, - 35 m), Fb 1965
1970 Erwartungsschacht am Simetsberg (Gl. 80 m)
1973 "Forschungstage auf dem Simetsberg", Berchtesgadener Höhlenforscher und Münchner (Preuss-Bayer, Obendorf)
Vermessung der Simetsberg-Eishöhle, Vermessung des Erwartungsschachtes, gefunden von Erhard Sommer, Murmi-Mäander-Höhle, Gl. 150 m, sehr enger, meist 3 m hoher Canyon, der das Bächlein am Grund der Simetsbergalm aufnimmt
1974 Drillingschacht im Simetsberg (Gl 20 m)
1982 H. Reiser mit Sohn beginnt mit den Forschungen, 1994 sind in seinem "Simetsberg-Kataster" über 500 Höhlen aufgelistet
1986 Ewald Lagenscheid fügt dem Kataster ein paar Objekte hinzu: Höhle am Moosensteig /389, Spindel-Höhle /-390
1986 Reiser beginnt mit Forschung in der "Glocke", einer 40 m langen Höhle direkt über der Salzgrabenhöhle (1331/334, SHB 6-S. 276)
1987 Forschungen der FHKF in der Simetsberg-Eishöhle (auch 1989 und 1990)
1988 Beginn der viele Jahre dauernden Forschungen durch SG 86/ C.Grubert
1988 "FG Höhle und Karst Franken" forschte vom 20-29. August "auf der Simetsbergalm..suchte das südöstliche Gebiet Richtung Grünsee ab und fand ein paar neue Schächte (bis - 35 m), Quelle: Lammerer, Berchtesgaden 1988, S. 67
1989 9. Juli: Wanderung von Reiser und Lindenmayr vom Königssee über den Simetsbergsteig hinauf zum Simetsbergalm, Besuch der Eishöhle und weiter zum Kärlinger Haus
1989 Die FHKF (Thiele und Kameraden) beginnen auch mit Forschungen am Simetsberg (Fjällravenschacht / 385, Montmilch-Mäander /387, Frankenschlucker /388)
1990 SG 86-Forschungen: unter anderem Doch-Noch-Loch /3939 oder SI-218, Speleo Arctique / 392 oder SI-249...
1990 Eine von Reiser der "Glocke" entnommene "kantengerundete Sinterplatte" konnte von Yeter Göksu beim GSF in München-Neuberg, zusammen mit anderen Sinterstücken aus Höhlen des Berchtesgadener und Salzburger Landes mit Hilfe der Thermolumineszenz altersdatiert werden. Ergebnis: ein Alter von 24-32 000 Jahren, was mit weitem Abstand die jüngste Probe im Vergleich mit den anderen ist (z.B. Lisi-Canyon 280-320 000 Jahre)
1991 Speleogruppe '86 Forschungen: Tiefes Rohr /500 oder SI-129, Wasserspenderschacht /517 oder SI 300
und "Hoffnungshöhle", "Höllenschlund" und "Großmaul" (..zur Zeit tiefste dokumentierte Höhle auf dem Simetsberg)
.."...30 neue Löcher (401-443). Es sind Schachthöhlen, deren tiefste bis - 90 m hinabreicht." (Höhne 45)
1992 Forschungen durch die Speleogruppe '86
Erkundung der Simetsberg-Eishöhle, Drillingschacht, Wasserspenderschacht, Schwarzer Schacht
1992 Forschungen Reiser: Riesennachbar /408 oder SI-87, Nebelkluft /407 oder SI-372....
1996 - Salzburger Höhlenbuch Band 6 (1996), S. 288ff: 1331/401 Feierlicher Schacht 1867m.. Forscher H. Reiser..Keine Unterlagen...............1331/432 Blockkammer 1840 m...Forscher H. Reiser...Keine Unterlagen
1996 Schradlloch am Königssee
Vermessung der 30 m langen Quellhöhle
1997 Tracertest im Schradelloch und in den Grünenseebrunnen, durchgeführt von der Universität Savoie mit dem Bayerischen Geologischen Landesamt und der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden
  - 500 - 541 Neue Katasternummern werden hinzgefügt

 

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Eishöhle
Eingang
SI 146

Luftaufnahme vom Simetsberg

Schwarze Punkte markieren verdächtige Öffnungen

Blick von Vorderbrand Richtung Simetsberg

 

 


Literatur:

Denneborg, Michael Steinernes Meer, in: Spötl, C., Plan, L., E. Christian (Hrsg.), Höhlen und Karst in Österreich. - Linz 2016 (Oberösterreichisches Landesmuseum): 509-518
Dieterich, Franz Forschungstage auf dem Simetsberg im August 1983, Vereinsmitt., Landesverein für Höhlenkudne in Salzburg, 4-1973, 3 Seiten
Dieterich, Franz Forschungstour auf dem Simetsberg/Königssee im August 1973, Der Schlaz 10-1973, S.2-3
Franz, U., Grubert, C., Junker, J. Die Forschungen der SG '86 auf dem Simetsberg 1991, Speleogruppe '86 Jahresbericht 1991, Hannover, 48-75
Franz, U., Grubert, C., Thiele, T. Die Höhlenforschungsexpeditionen auf dem Simetsberg 1992, Speleogruppe '86, Jahresbericht 1992, Hannover, S. 48
Göksu, Y., Lindenmayr, F. Thermolumineszenzdatierungen von Sinterstücken, Der Schlaz 68-1992, S. 52ff.
Grubert, Christian Zum Eishaushalt der Simetsberg-Eishöhle im Steinernen Meer 1331/148, Atlantis 1-2, 2018, S. 46ff.
Grubert, Christian Simetsberg statt Salzgraben, Speleogruppe '86 Jahresbericht 1990, Hannover, 19-21
Grubert, Christian Steinernes Meer 1992, Der Schlaz 69-1993, S. 25f.
Grubet, Christian Die Forschungen der Speleogruppe '86 am Simetsberg 1991, Der Schlaz 66-1992, S. 47
Höhne, Christian Forschungen links der Salzach, Atlantis 1-1992, S. 45
Kellerer, Georg Höhlensuchtour "Steinernes Meer" vom 3.-5.10.1969, Der Schlaz 2-1970
Klappacher, Walter, Knapczyk, Harald Salzburger Höhlenbuch, Band 2, Salzburg 1977
Klappacher, Walter, Gesamtredaktion Salzburger Höhlenbuch Band 6, Salzburg 1996
Lammerer, Peter Chronik der Höhlenforschung in Berchtesgaden seit 1975, Der Schlaz 74-1994, S. 74ff.
Lammerer, Peter Berchtesgaden 1988 (mit Nachträgen 1987 und Ausblick 1989), Der Schlaz 58, 1989, D- 67ff.
Müller, Anton, Triller, Adolf (Simetsberg) Das Steinerne Meer, in: Münchner Höhlengeschichte, München 1983, S. 144ff.
Preuß, Gunhild, Obendorf, Jörg Rund um den Königssee, Der Schlaz 9-1973, S. 28
Wolf, Andreas Salzburger Kalkalpen 1330, Kurzbericht Steinernes Meer 1331, in: Münchener Höhlengeschichte II, München 2004

Einer fehlt in meiner Veröffentlichungsliste: Herbert Reiser. Dabei wäre er so wichtig. Wer weiß mehr darüber?

Links:

Speläologisches im Steinernen Meer - Bayerische Seite


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