Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Im Anlautertal, Fränkische Alb


Die Anlauter ist ein 28 km langer Nebenfluß der Schwarzach, die kurz nach dem Zusammenfließen gleich in die Altmühl bei Kinding ihr Wasser abgibt. Sanft eingelassen in die Landschaft des Weißenburger Juras ist das Tal, kleine Ortschaften liegen darin, Titting, Enkering zum Beispiel. Viele Mühlen gab und gibt es. Die Furtmühle ist eine davon und nicht weit von ihr liegt eine altbekannte Höhle, das Furtloch.

Im Internet gibt es eine ausführliche Beschreibung davon, weshalb ich mir hier eine ausführliche Beschreibung spare. Im Herbst 2014 bin ich einmal auf dem Weg zurück von Nürnberg nach München an der Ausfahrt Kinding einmal abgefahren und hab mir ein paar Stunden genommen, um auch diese Höhle aufzusuchen.

Ich hatte alle mir verfügbare Literatur dabei und las sie eifrig, eh ich aufbrach. Sogar eine Planskizze der Gredinger Höhlenforscher war darunter. In der dazugehörigen Beschreibung hieß es, daß früher einmal am Ende der Höhle ein Lichtloch nach oben vorhanden gewesen sei, das aber heute wieder verschlossen sei. Seltsam ungenau waren die Zugangsbeschreibungen, so daß ich nicht wirklich wußte, wo denn der Eingang liegen hätte können. Letztlich ist das aber nicht so schlimm, denn so war ich auch hier gezwungen, mir die Zone genau anzusehen. Und so habe ich ein kleines Loch gefunden, das einen zweiten Besuch verdienen würde, weil man da noch nachgraben müßte, um vielleicht ein paar Meter tiefer zu kommen. Viel ist nicht zu erwarten, aber ein paar Meter Höhlengang könnten schon drin sein. Ein Tiergebiß liegt drinnen und eine lange Holzstange. Irgend jemand hat schon hier einmal geschaut, aber wohl aufgegeben. Egal. Rome wasn't built in a day either.

Ich folgte dem Weg an der Sohle des Einschnittes, der bei der Furtmühle ansetzt und auf der Hochfläche bei einem Bauernhof endet. Ich habe zwar links und rechts die Hänge angeschaut, aber nichts gesehen. Beim Rückweg entschied ich mich für die linke Seite, von oben her gesehen. Waldwege durchzogen sie, dann ein kaum begangener Fußweg. Schließlich tauchten tatsächlich Felsen auf und am Fuß entlang suchend traf ich tatsächlich auf die kleine Eingangsöffnung.

Wenn man da hinein will, dann muß man auf alle Viere und zuerst robben, dann wird es noch enger. Selbst ein großer Hund müßte sich schon bücken. Es gilt, sich auf die Seite zu legen und sich durch den Spalt zu schieben, was dazu zwingt, insbesondere wenn die Körpermitte schon etwas weiter ist, den Bauch kräftig einzuziehen. Dahinter erwartet einen auch nicht viel Gutes, denn man kommt in einen engen Felskessel, der nur geknickterweise nach oben zu verlassen ist. Allerlei Verbiegungen und Verrenkungen sind da notwendig, wenn man einmal seine volle Körpergröße erreicht hat. Kinder tun sich da leicht und können hier ihre spezifischen altersbedingten Vorteile ausspielen. Aber laß die einmal größer und älter werden! Dann werden vielleicht auch sie solche Zeilen eines Tages schreiben. Hat man den Mühekessel verlassen, dann geht es auf der anderen Seite gleich wieder hinunter in einen größeren Kessel. Allerlei Müll und altes Holz liegt heute drin. Um da überhaupt hinein zu kommen haben unbekannte Helfer eine Holzleiter hineingestellt. Sie ist schon ein paar Jahre alt und beginnt morsch und senil zu werden. Das Körpergewicht sollte auch nicht zu hoch sein, denn sonst halten die Sprossen nicht mehr lang. Ich habe eine lieber übergangen, sie wäre sonst gleich kaputt gegangen. Dann steht man da am Grund des finstern Hällchens und schaut noch schräg oben. Da geht es noch ein paar Meter weiter, aber da hinauf zu kommen, das ist nicht ganz leicht. Man nimmt wohl am besten die Leiter von ihrem momentanen Ort und trägt sie zum Fuß der anderen Wand. Mit ihr könnte man die ersten glatten Meter hoch und die Tritte erreichen, die schon sichtbar sind. Weit kommt man nicht und große Geheimnisse sind dort auch nicht versteckt.

Ich habe das Gefühl, daß in diesem Kessel schon viele lange gewartet haben, bei dieser Prozedur. In den Beschreibungen heißt es, daß gerne Lehrer mit ihren Schulklassen dorthin gehen. Da wird es zugegangen sein. Und wahrscheinlich hat sich da so mancher recht gelangweilt und überschüssige Kräfte gehabt. Die hat er dann ich ein neues Namenszeichengraffiti an der Höhlenwand verwendet. Bemerkenwerterweise werden ja auch immer die Zeitdaten der Höhlentour angegeben. Früher genügte die Jahreszahl, heute nennt man auch Tag und Monat - und die Einkratzungen stammen alle aus dem neuen Jahrtausend.

Da ich alleine war, hab ich überhaupt nichts riskiert, habe nicht die Leiterwechseltour gemacht, schoß ein paar Schnellphotos ohne große Leidenschaft, hoffte, daß die Holzleiter mich noch einmal aushielt, quetschte mich wieder durch den Eingangsgang und schob den gelben Photosack so vor mir her. Das eingewehte Laub im Gänglein war wenigstens eine weiche Auflage für die Knie. Schön war es, draußen wieder stehen zu können.

Beachtlich sind vor allem die Sagen, die sich um dieses aus speläologischer Sicht kaum bedeutende Objekt ranken. Was sich da nicht alles in der menschlichen Phantasie entzündet hat, wenn die Menschen früher mit diesem Erdloch in Verbindung kamen!

   
     
Schafhausen
     
Bei der Furtmühle
     
 
     
Höhleneingang  
     
Felspartie mit der Höhle

Eingang

     
 
     
 
     
 
     
 

 

Am Ende des Anlautertales, dort wo gleich die Autobahn kommt, liegt rechtshand der Schellenberg. Früher war das eine bedeutende Wohnstelle, wo Menschen die relative Sicherheit der Hochfläche suchten, um friedlicher leben zu können. Heute kann man vom freundlicherweise vorhandenen Parkplatz in der Ortsmitte auf einem schönen Weglein bergan steigen und dann auf dem Plateau dem Archäologiepfad folgen. Schautafeln zeigen einem, was alles hier einmal wichtig war: Wohnen, Handwerk, Kult..." Die exponierte Lage hat dazu geführt, daß ein Sendemast dort errichtet worden ist und ein Betonkreuz, mit dem an die Toten der Weltkriege erinnert werden soll. Der Blick von dort ist einfach prachtvoll - man kann weit hinunter ins Tal und auf das Dorf unterhalb sehen. Einen Wermutstropfen gibt es dann doch: den Lärm, der von der nahen Autobahn einfach alle Idylle zerstört.

 
     
 

 

Literatur:

Hager, Rudolf Höhlensagen, Historische Sagen aus den Naturpark Altmühltal, Band 1, Eichstätt 1983

Links:

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Touristische Übersichtskarte - Markt Titting

Landschaft und Höhlen im Mittleren Altmühltal


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