Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Das Arnsberger Schambachtal - Landschaft und Höhlen


Bei Arnsberg mündet von Süden ein Bach in das Altmühltal. Auch er kommt aus einem "Schambachtal". "Scham" hat hier nichts mit der Verwendung eines Feigenblatts zu tun, das noch viele vor ihr Geschlechtsteil wörtlich oder im bildlichen Sinne halten, sondern von "Schaum". Was da normalerweise klein und friedlich daherkommt, das kann auch gewaltig werden, kräftig, auch vernichtend, auf nichts mehr "Rücksicht" nehmend. Halt pure Natur - dann, wenn starke Regenfälle niedergehen oder vielleicht Tauvorgänge nach Winterperioden ganz plötzlich extrem viel Wasser liefern.

Dieses Schambachtal ist ca. 8 km lang, beginnt in der Gegend nördlich von Böhmfeld, windet sich in Mäandern durch ein Tälchen mit Wiesen am Grunde und Wald an den immer wieder felsendurchsetzten Flanken ein paar Kilometer so weiter. Dann kommt von links die Straße und man fährt, der Mühlenstraße folgend, bis nach Arnsberg. In der Nähe der Straßeneinmündung liegt die Quelle des Schambachs, der ab da im Talgrund fließt und früher mehreren Mühlen das Wasser geliefert hat. Etwa an dieser Stelle ist auch ein guter Ausgangspunkt für verschiedenen Wanderungen durch das Tal, etwa auf dem Dachssteig oder dem Glockersteig und zum Hohlen Stein. Dort befindet sich die momentan bedeutendste Höhle der Gegend. 

Er liegt in einem dolomitisierten Malmschwammriff, etwa auf halber Höhe des Talhangs, 25 m über dem Talgrund. Im Dezember 2016 haben wir keinerlei Markierungen auf der Strecke bemerkt, so daß man sich schon etwas auskennen muß, um die Höhle überhaupt zu finden. Die beiden Eingänge zu den heute ca. 35 m langen Durchgangshöhle sieht man nicht vom Tal aus. Sie zeigen sich erst, wenn man ziemlich nah dran steht. Auffallend ist allerdings der ausgetretene Weg und die Treppenstufen, insbesondere im oberen Teil. Am Eingang steht heute eine Informationstafel, die einem den aktuellen Stand menschlicher Kenntnisse über die Höhle vermittelt.

Seit 1901 wurde in der Höhle in mehreren Kampagnen gegraben und bedeutsame Funde gemacht. Es handelt sich hier um einen uralten Siedlungsplatz, der nachgewiesenermaßen schon vor ca. 40.000 Jahren vom Menschen aufgesucht wurde. Seitdem wurde dieser Ort immer wieder vom Menschen aufgesucht und hat entsprechende Spuren hinterlassen. Sie reichen über die Römerzeit bis ins Mittelalter hinein, und wie die ebenfalls vorhandene Bezeichnung "Bettelmannsküche" für die Höhle zeigt, wurde sie auch später noch von "Bettlern und anderem herumziehenden Volk" aufgesucht. Man darf ruhig annehmen, daß sie ein Unterschlupf in Kriegszeiten war. 

Geologisch ist erheblich, daß es sich hier um keine Karsthöhle handelt, sondern sie ist im Zusammenhang mit der Bildung des Schwammriffs entstanden. Später spielt dann auch noch der nach und nach erfolgende Blockversturz und die Verwitterung zu Dolomitsand eine Rolle.

Neben dem Hohlen Fels verbergen sich noch mehrere kleinere Höhlenobjekte in den Felsen der Talflanken, die nur wenigen Höhlenspezialisten bekannt sind.

 

     
     
Kleine Höhle 
Höhle westlich vom Hohlen Felsen

Literatur:

Kittel, Naturdenkmale in Bayern, Hannover 1993
Rieder, Karl Heinz Die Artefakte der pleistozänen Höhlenstratigraphie im Hohlen Stein bei Schambach, Steinzeitliche Kulturen an Donau und Altmühl, Ingolstadt 1989
Rieder, Dr. K.H. Der Hohle Stein bei Schambach, eine paläolithische Höhlenstation, S. 53ff.
Rieder, Karl Heinz Der Hohle Stein bei Schambach, F. Pustet, Regensburg 2016
Seitz, Helmut Besuch in der Unterwelt 20, Süddeutsche Zeitung Nr. 221, 24. September 1991, S. 22

Links:

http://www.kraftvolle-orte.de/uebersicht-der-kraftvollen-orte/hoehlen/hohler-stein-bei-schambach/

http://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/scheuerer/arch/hohlst01.htm

http://www.rothmuehle.de/das-schambachtal/index.html

http://www.hikr.org/tour/post27513.html

Landschaft und Höhlen im Mittleren Altmühltal


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