Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle


Höhlen bei Mühlbach, Altmühltal


April 2015


Zwischen

 

hier oben

und

da unten

gibt es unterirdische Verbindungen.

Das Wasser hat sie über Jahrhunderttausende hinweg geschaffen und benutzt. Ob dabei auch vom Menschen befahrbare Höhlen, womöglich mit großen Dimensionen, entstanden waren, das war Spekulation.

Eine Gruppe sehr engagierter Höhlenforscher widmete sich der Erforschung dieses Gebietes und ließ sich nicht abbringen.

Schließlich hatten sie Erfolg, großen Erfolg. Die Geschichte dazu gibt es auf einer ausführlichen und sehr besuchenswerten Internetseite:

www.muehlbachquellhoehle.de


Der Ort, wo dieses fränkische Höhlenwunder liegt, ist Mühlbach im Altmühltal. Eingebettet zwischen Wolfsberg und Sommerberg liegt es. Entstanden ist er dort, weil an dieser Stelle dauernd viel Wasser aus dem Berg kommt, das natürlich vom Menschen genützt worden ist. In dem herrlichen Quellteich mit seinem klaren, meist aquamarinem Wasser, spiegelt sich die Umgebung - die Bäume, die alten Gebäude, die bewaldeten Hänge, die kleine Mariengrotte, der Himmel. Gleich danach fließt das Naß über das Rad einer Mühle. Die Kirche ist noch im Dorf, St. Maria heißt sie, und stammt aus dem 18. Jahrhundert. "Der Dorfplatz mit dem Mühlbach und der Kirche zählt zu den schönsten Ensembles seiner Art im Altmühltal." (Schrenk 221). Es gibt auch ein richtiges "Haus des Gastes", das bei einer Fremdenbettenzahl von 200 bei 500 Einwohnern wohl auch benutzt wird.

Daß hinter großen Karstquellen oft große Höhlensysteme sind, das war schon lange aus anderen Karstgebieten der Erde eine erwiesene Tatsache. Auf der Fränkischen Alb war es vorher noch nie gelungen, in eine solche Höhle vorzustoßen. Könnte es sein, daß auch hinter der Mühlbachquelle so ein System lag? Niemand wußte es wirklich. Es gab ein seltsames Loch in der Nähe, den Sommerleitenschacht. Den Leuten aus dem Dorf war es bestens vertraut. Geschichten wurden von den Leuten aus dem Dorf erzählt, daß es tief in den Berg hineinreichen würde. Allein, wenn man in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch hineinging, waren nur noch wenige Gänge zugänglich. Am 8. April 1972 war ich auch schon mal mit Klaus Vater und anderen drinnen, aber alles endete in engen verschütteten Spalten. Dann kam eine neue Generation von Höhlenforschern, deren Phantasie sicherlich auch von dem angeregt wurde, was man an kalten Wintertagen am Eingang der Höhle erleben kann - es kommt nämlich warme Luft einem entgegen. Das gibts nur sehr selten bei uns und kündet einfach davon, daß sich dahinter ein bedeutsames Höhlensystem befinden muß. Jahrelang wurde dann in dieser Höhle richtig gearbeitet und geschuftet und tatsächlich das alte System wiederentdeckt und weitere Teile hinzu.

Allerdings, den großen Durchbruch schaffte man dort bis heute nicht. Es gab nicht weitere Erzählungen im Dorf, die von einer gewaltigen Überflutung des Dorfes Im Jahre 1909 berichteten, als sich plötzlich das Wasser eines 500 Hektar großen Sees auf der Hochfläche, der sich bei ungewöhnlichen Witterungsbedingungen im Winter gebildet hatte, aus der Bergflanke geschossen seien und große Verwüstungen in Mühlbach angerichtet hatten. Die Stelle am Hang wurde untersucht, an einer Stelle angefangen zu graben und viele Monde später war der Erfolg da - die große Quellhöhle des Mühlbachs wurde am 3. Januar 2001 von Steffen Hoffmann, Manfred Walter und Dieter Gebelein tatsächlich angefahren.

 


5. Februar 2005
 
 

Am Quellteich: Hinweistafeln für 
den Wanderweg und 
Lourdesgrotte

In Mühlbach hat man inzwischen einiges getan, um den Tourismus anzukurbeln. Da gibt es ein Haus des Gastes, die Obermühle wurde renoviert und im ehemaligen Stallgebäude ein Museum eingerichtet. Das Erdgeschoß ist ausschließlich der Mühlbachquellhöhle gewidmet! Mit erheblichem Aufwand wurde auch ein höhlenkundlicher Rundwanderweg eingerichtet, wo man an der Erdoberfläche dem Verlauf der Höhle im Untergrund folgen kann. Es ist schon verblüffend, daß man nichts von der Unterwelt und ihren gewaltigen Raumformen, ihrem Inhalt und dem was, da unten permanent passiert oben mitbekommt. Auf Schautafeln wird man unterrichtet und darf alles mich selbst im eigenen Kopf ausmachen.

 

Quellteich des Mühlbachs
Mühlrad 
Neu gelegtes Dach auf dem 
ehemaligen Stadel im 
Mühlenmuseum
Höhlenabteilung im Museum
< Doline am karstkundlichen 
Wanderweg
Dolinen im Wald
Pilze am Weg
Am Kopffelsen
Im Einzugsgebiet der Höhle auf dem 
Plateau
Isolierte Felswildnis im Plateau
Oktober 2019

 


Ein wenig altmühlabwärts von Mühlbach liegt im linken Talhang die Fischleitenhöhle. Sie ist nicht leicht zu finden, weil man den weiten Eingang erst dann sieht, wenn man praktisch schon davor steht. Schöne Felspartien türmen sich oberhalb, die zum Teil über den Laubwald hinausragen und so ein weithin sichtbares Zeichen für das vorhandene Kalkgestein sind. Natürlich war auch diese Höhle schon den Menschen in der Steinzeit bekannt und wurde von ihnen genutzt. Reiches archäologisches Fundmaterial wurde von den Fachleuten (Birkner 1918 u.a.) daraus geborgen, der Rest ist wohl in "wilde Hände" geraten.

Anscheinend hat jemand in letzter Zeit (ich war im April 2015 dort) die Höhle genutzt, um es sich dort "gemütlich" zu machen. Dazu hat er das Fußteil eines Wohnzimmersessels (Stil Möbel Hess) tatsächlich dorthin geschleppt, noch eine Decke drüber gelegt und ein Schaumstoffteil auf dem Boden ausgebreitet. Es kann noch nicht so lange her sein, denn der Verrottungsprozeß hat noch nicht eingesetzt. Was davon wohl eines Tages in die Bodenschichten eingehen wird, die das irgendwann vielleicht wieder "speichern" - und vielleicht werden sie eines fernen Tages dann wieder ausgegraben. Was sich dann wohl die Archäologen/-innen dann wohl denken von "uns"? Lauter Verrückte?

   
     
 
     
 
     
 
     
 
     
   

 

 

Literatur:

Glaser, Stephan

Geologische und hydrogeologische Erkenntnisse aus der Mühlbachquellhöhle, Geol. Blätter NO-Bayern 55 (1-4), 1-30 Erlangen 2005
Glaser, Stefan Die Mühlbachquellhöhle - erste Einblicke in das unterirdische Gewässernetz der südlichen Frankenalb, Laichinger Höhlenfreund 2007, S. 61ff.
Gebelein, Dieter Der Höhlenkundliche Weg bei Mühlbach, in: Karst und Höhle 2008-2010 Südliche Frankenalb - Region Altmühl- und Donautal, München 2010
Herrmann, Friedrich Jurahöhlen der Oberpfalz, Verlag Fr. Pustet, Regensburg 1976
Karstgruppe Mühlbach Die Mühlbachquellhöhle, 2002
Schöffel, Christian Die Mühlbachquellhöhle - ein neuentdecktes Naturwunder im Altmühltal, STALACTITE 58, 1, 2008, S. 48ff.
Schöffel, Christian Die Mühlbachquellhöhle bei Mühlbach (H 100), in: Karst und Höhle 2008-2010 Südliche Frankenalb - Region Altmühl- und Donautal, München 2010
Schrenk, Johann Altmühltal, Michael-Müller-Verlag, Erlangen, 5. Auflage 2001
Straub, Rainer, Walter, Manfred Tauchforschungen in den Nordost-Siphons der Mühlbachquellhöhle bei Mühlbach im Altmühltal, Mitt. Verb. dt. Höhlen- und Karstforscher, 52 (4), München 2006, S. 114-117


Wassertropfen an Moosen im Eingang des Sommerleitenschachts

 

 

 

Links:

www.muehlbachquellhoehle.de

Der neue Höhlenkundliche Weg bei Mühlbach

Landschaft und Höhlen im Altmühltal

Landschaft und Höhlen der Frankenalb

 


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