Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Aufsesstal, Fränkische Schweiz, D


Höhle beim Lindenbrunnen, 5.8.2005


Teufelsbrunnen bei Oberaufseß


"Das Aufseßthal gehört unter die schönsten Thäler der Muggendorfer Gegend, besonders der Thei von Unteraufseß bis an den Toos. Bei Königsfeld, Kotzendorf, ist das Thal sehr weit, hat schöne Wiesengründe, und wird von beiden Seiten mit angebauten, zum Theil mit Laubholz bewachsenen Berger begränzt. Bei Drosendorf fangen schon die Felsenparthien an, welche bei Sachsendorf und Neuhaus immer großartiger werden... Das Thal erweitert sich noch mehr bei Oberaufseß, welches mit seinem neu erbauten Schlosse eine hübsche Ansicht gewährt. Romantischer aber lieger Unteraufseß. die Felsenmassen drängen sich wieder enger zusammen, und das Thal fängt hier an, an Reitzen immer mehr zu gewinnen. Sehr malerisch liegen Traisendorf und Wüstenstein; von hier bis zum Toos, wo sich die Aufseß mit der Wiesent vereinigt, findet man die schönsten und mannigfaltigsten Anischter." Mit diesen klassischen Worten beschrieb Josef Heller in seinem 1829 erschienenen Buch "Muggendorf und seine Umgebungen oder die fränkische Schweiz" diese Region.

Die Aufseß, das kleine Flüßchen, das es geschaffen hat, "entspringt nur wenige Schritte von Königsfeld", um es wieder mit den Worten von Heller auszudrücken. Sie ist "gleich anfangs sehr stark". Die Länge wird von ihm bemerkswerterweise nicht in Kilometern angegeben, sondern in Stunden. Ihr Lauf währe "eine Strecke von 4 Stunden".

Es gibt eine Reihe von Höhlen direkt im Tal und in den kleinen Seitentälern. In der "Tour 4 Höhlen im Aufseßtal" haben Stefan und Angelika Lang eine schöne Wanderroute beschrieben, die an an vielen davon vorbeiführt. Nicht alle sind unbedngt leicht zu finden, so daß es durchaus sein kann, daß einige Zeit in eine zeitaufwendige und anstrengende Suche investieren muß, oder einfach an einem anderen Tag mal wiederkommt und es noch einmal versucht.

Mir ging es am 5. August 2005 auch so. Von Draisendorf aus wollte ich die Höhle beim Lindenbrunnen zum Beispiel finden. Ich wußte nur grob die Richtung und kam an eine Wegabzweigung. Links oder rechts? Ich entschied mich an der Bifurkation für links, den bequemen Fahrweg und lag falsch! Es ging aufwärts, dann immer mehr in ein Nebental, immer weiter weg von dem Ort, wo ich eingentlich die Höhle vermutete. Ich bog ab, kam auf eine frisch gemähte Wiese, er verlassener Traktor stand da, kein Fahrer, den ich fragen hätte können war da, ein Verlassen der Wiese war nicht möglich, weil überall hohe, dichte Hecken die Grasfläche begrenzten. Nirgendwo war ein Durchkommen. Ich kam immer weiter westwärts, aber es halb nichts. Dann zeigte sich da doch ein dorniger Durchlaß, ich achtete nicht auf meine Beine in der kurzen Hose, rampfte mich eine Etage höher, kam auf die nächste Wiese. Ein ganz ähnliches Spiel auch hier, Buschrand, ein immer mehr verwildernder Wald danach, auf der anderen Seite wieder scharfe Dornen auf nackter Haut und beißende Brennesseln. Noch eine Wiese. Der nächste Waldrand, aber ich hatte mich wieder zum Aufseßtalrand vorgearbeitet. Kleine Felspartien auf einmal unter mir, ob es da, unter dem nur schlecht einsehbaren Felsdacherl nicht eine kleine Höhle gab? Ich schaute hin, nichts, noch ein Felsdacherl, wieder nichts, dann eine große schwarze Öffnung. Ich konnte durchschauen bis zum anderen Ende. Aha. Ich hatte die Höhle gefunden, und alleine war ich auch nicht. Stimmen drangen zu mir herauf. Eine kleine Kletterstufe, dann war ich in der kurzen, weiträumigen Durchgangshöhle. Zwei junge Männer hielten sich drinnen auf, einer lag im Schlafsack, beide aßen, unterhielten sich. Wir grüßten uns, ich machte ein paar Fotos, wobei die Sonne ganz spannend durch einen Eingang hereinblinzelte. Jemand hatte eine große Inschrift an die Wand gepinselt "POKER...." irgendwas. Sie offenbar bekannt und beliebt bei Leuten, die auch heute noch einen Sinn für Romantik haben und eng am Puls von "Mutter Natur" sein wollen. Mit der guten Kinderstube ist es leider bei vielen heute nicht mehr weit her. Ob im Klassenzimmer an der Schule, wo schon die "Kleinen" ihren Dreck heute einfach liegen lassen, ob am Straßenrand, wo viele "Erwachsenen" heute gerne ihr Allerheiligstes, ihren "Wagen", entsorgen, in dem sie die Abfälle einfach aus dem Autofenster schmeißen, da ist es nichts anders. Nach dem Festl wird alles einfach liegengelassen und abgedampft. Jemand hat das veranlaßt, auf einer großen Steinplatte über dem Eingang, verärgert dazu Stellung zu nehmen.

Das Schloß in Aufseß

Die Aufseß von der
Brücke davor

Jahre später - diesmal 
September 2018
Typisch "deutsch"?

Der Zwerg vor
der künstlichen
Felsgrotte im
Wirthausvorgarten

Ein Blick auf Bierglas
in der Weltrekord-
region: nirgends wo
sonst gibt es soviele
Hausbrauereien auf
der Welt

Aufseß

Waldbeeren

Auf dem Weg zum
Lindenbrunnen
Höhle am
Lindenbrunnen
 
Schloßparkhöhle
 
 
 
   
2015
Unterhalb von
Draisendorf
Pulverloch
 
  Große und Kleine
Kühsteinhöhle
 
< Deckenkuppel
 
Votanhöhle Oktober 2018
Wichtig für die 
Stärkung der 
hungrigen "Helden"!

- der Kathi-Bräu

https://www.bierstrasse-franken
.de/brauerei/kathi-braeu-heckenhof/

Kathie Oktober 2018
Hohlloch bei Tiefenlösau
Am Weg zum Hohlloch 2018

 

 

 

 

Literatur:

Fürtig, Walter Die Höhlen im Kühstein, Gut Schluf 10/11 - Juli 1987, S. 132ff.
Heller, Josef Muggendorf und seine Umgebungen oder die fränkische Schweiz, Nachdruck der 1. Auflage aus dem Jahre 1829, Palm & Enke, Erlangen 1979
Lang, Stephan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2000
Schabdach, Hardy Unterirdische Welten - Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz, Verlag Reinhold Lippert, Ebermannstadt 2000

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