Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen

rund um Gößweinstein / Fränkische Schweiz

Die Fellner-Doline - einstmals Deutschlands tiefste Höhle


Gößweinstein liegt in der Fränkischen Schweiz südlich des Zusammenflusses von Wiesent, Ailsbach und Püttlach auf der Hochfläche in 457 m Seehöhe. Als Josef Heller 1829 "Muggendorf und seine Umgebungen" auch Gößweinstein erwähnte, nannte er es noch einen "Flecken" mit 460 Einwohnern und 74 Häusern, "unter welchen sich viele Gast- und Wirthshäuser befinden". Heute ist es ein "Markt", hat über 4.000 Einwohner und noch immer viele Gaststättenbetriebe. Heller  meinte schon damals, daß der "Marktflecken in verschiedener Beziehung merkwürdig sei und von Fremden beachtet zu werden". Eine dieser Merkwürdigkeiten war z.B. daß sich auf "dem entgegengesetzten Berg (im Vergleich zum Berg mit dem Schloß, A.d.V.) eine hölzernes Kreuz befindet, dessen Splitter gegen Zahnweh helfen sollen" (Heller, S. 73).

 
     
 
     
 

Heute ist man vor allem auf zwei Gebäude stolz: die Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, zwischen 1730 und 1739 nach Plänen von Balthasar Neumann unter Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn errichtet, und die Burg Gößweinstein. Das sieht heute so neu aus, als existierte sie in einem zeitlosen Raum, und doch ist sie schon mehrmals abgebrannt, zerstört und wiederhergestellt worden.

 
     


Neben diesen Hauptattraktionen gibt es noch ein ganzes Sammelsurium an weiteren Einrichtungen: ein Wallfahrtsmuseum, ein Spielzeugmuseum, eine Heimatkundliche Sammlung, ein Viktor-von-Scheffel-Denkmal, ein Naturfreibad, eine Minigolfanlage, einen 3-D-Bogenparcour, Kneippanlagen, ein Kreativzentrum, ein Frei-Schach, ein Bolzplatz und was einem sonst noch alles an Künstlichem einfallen kann. Auch die Natur ist voll ins Tourismusprogramm einbezogen. Da werden genannt: der mit einem metallenden Stiegenhaus erschlossene Gernerfels, der Kreuzberg mit Hochkreuz, die Martinswand und Bellevue, der Pavillion auf der Wagnershöhe, die Ludwigshöhe, der Bärenstein, die Fischersruh, die Nürnberger Kapelle.

Da fehlen dann nicht die Höhlen, auf die man entlang der Wanderwege stößt. Der Schwerpunkt liegt bei der Ludwigshöhe. Dort liegen die Ölberggrotte, die Elisabethgrotte und die Theatergrotte (Dort ist wohl der Ort, wo schon Heller schreibt: "In der Nähe sind in Felsen schöne Anlagen mit einer Kegelbahn angebracht". Die gibt es heute nicht mehr dort, sondern eine Sitzanlage für Theatergäste. Die Elisabethengrotte ist wieder renoviert worden und mit einem massiven Gitter verschlossen. In ihr steht eine Statue der Heiligen aus Thüringen. Es heißt, sie habe sich vor einem Gewitter dorthin zurückgezogen. Außerdem gibt es "einen tafelartigen Stein mit einer tellerartigen Öffnung, die beständig mit Wasser gefüllt ist" (Walter, S. 23f). Das ist wohl das sog. "Elisabethenwasser", an deren Heilwirkung man früher besonders bei Augenleiden glaubte. Noch 1967 erzählte ein ortsansässiger Apotheker, daß Wallfahrer sich bei ihm leere Arzneifläschchen besorgten, um das Wasser einzufüllen und mitzunehmen. In der Ölberggrotte sieht man, von festen Gittern geschützt, eine Gruppe von fast lebensgroßen Figuren, Christus am Ölberg und einige schlafende Jünger darstellend.

Elisabethgrotte
     
   
     
Ölberggrotte
     
 
     
   
     
Theatergrotte

 

Es gibt noch mehr Höhlen in der Umgebung.... wird fortgesetzt


 Ein reizvoller Wanderweg führt oberhalb der Straße hinunter nach Behringersmühle am Rand der Hochfläche entlang. Er beginnt bei der Kirche am Ortsrand.

     
 
     
 
     
 
     
  Am Zusammenfluß von Püttlach und Wiesent
     

 

Literatur:

Helldorfer, Ludwig Gössweinstein - Burg, Amt, Kirche, Gemeinde, Selbstverlag Marktgemeinde Gößweinstein 1974
Heller, Joseph Muggendorf und seine Umgebungen oder die fränkische Schweiz, Nachdruck der 1. Auflage aus dem Jahre 1829, Erlangen, Palm & Enke 1979
Lang, Stephan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2000
Preu, Dieter Bericht über Durchführung und Ergebnis des Markierungsversuches an der Fellner-Doline bei Gößweinstein, Der Fränkische Höhlenspiegel 4-1975, S. 1ff.
Walter, Erich Quellen und Brunnen in Oberfranken, Teil I, Heimatbeilage zum Amtlichen Schulanzeiger des Regierungsbezirkes Oberfranken, Bayreuth 1997, S. 23ff.

Links:

 


[ Index ] [ Englisch version ] [ Höhlen und Höhlengebiete ] [ Kunst ]
[ HöRePsy ] [ Höhlenschutz ] [ VHM ] [ Veranstaltungen ] [ Links ]