Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Landschaft und Höhlen in Ostbayern nördlich der Donau
in Überarbeitung..... / eine Teilung in "nördlich" und "südlich der Donau" ist in Vorbereitung
In Ostbayern nach Höhlen zu suchen, das ist normalerweise eine ziemlich verrückte Idee. Da gibt es die Schotterebene als Rest der letzten Eiszeiten von den Alpen bis zur Donau und im Norden den Granit des Bayerischen Waldes. Ein guter Spiegel unserer Kenntnisse ist der vom Verein für Höhlenkunde in München geführte Höhlenkataster (siehe: Vater, Klaus, Höhlenkataster Bayerische Alpen, in: Münchner Höhlengeschichte - Drei Jahrzehnte Verein für Höhlenkunde in München e.V., München 1982), der unter der Nummer 1290 "Schwäb.-Bayer. Hochebene zwischen Isar und Inn" lediglich 2 Objekte aufgeführt hat, die beide im Mangfalltal bei Holzkirchen liegen, sonst nichts. Einzig Toni Müller hat meines Wissens schon mal ein bißchen herumgestochert und das "Ortenburger Senkungsdreieck" ausgemacht und dort ein bißchen herumgesucht. Für den nördlich der Donau liegenden Teil "Ostbayerns" führt Thomas Striebel einen Kataster, der auch noch sehr ausgedünnt ist.
Dann stieß Willi Adelung beim Herumsuchen im Internet auf die Haberkirche bei Bad Griesbach, die wegen ihrer Felszeichnung durchaus erwähnenswert ist. Das sollte nicht das einzige Höhlenobjekt um diesen Ort bleiben. Auf einer Fortbildung fand er auf einer Landkarte mehrere Einzeichnungen von nach "Höhle" klingenden Objekten, die er dann gleich erkundet und fotographiert hat. Diesem Zweck diente auch eine Tour am 1. Mai 2001 von ihm und mir. Sehr nützlich ist die "Wanderkarte BAD GRIESBACH i. Rottal", herausgegeben von der Kurverwaltung.
Höhlenkundlich interessant
ist vor allem der "Steinkartrundweg", in der
Wanderkarte als "einer der schönsten naturbelassenen
Wanderwege Ostbayerns" bezeichnet. Er ist mit
"6"er-Taferl ausgeschildert. Er führt zum "Hohlen
Stein", einem Felsdach, das dort als
"steinzeitliche Wohnhöhle" bezeichnet wird, weil man
zahlreiche archäologische Funde dort gemacht hat. Von einer
jüngeren Benutzung zeugt ein allmählich vertrocknendes
Moosbett, das sich jemand in einer Unternische der Höhlung
gemacht hatte. An einer Stelle kann man richtig einen
"Durchschlupfbrauch" praktizieren. Ein kleiner
Durchgang ermöglicht das Durchschlupfen zum Dach des Felsens.
Es gibt noch einen "Hohlen Stein" am sog. Höhenstraßenrundweg, gekennzeichnet mit der "8", der speläologisch noch bedeutsamer ist. Man kann ziemlich nah mit dem Auto auch hinfahren, läßt den Wagen am Eingang zum Wald stehen und wandert horizontal dahin. Zuerst kommt man zum "Kultsteinbrunnen",
einer Schöpfung des letzten Jahrhunderts, wo eine
Waldquelle mit einem großen Felsblock abgedeckt worden ist, so
daß man durch 2 Öffnungen auf das klare Wasser in der für
Zwerge vielleicht groß erscheinenden Höhlung blicken kann.
Alles eine Frage der Größendimension. Der "Drache"
ist auch eine auffallende Formation im Quarzitkonglomerat,
genauso wie all die anderen Felsformen.
Hier ist das der Spalt im Fels, der wie ein Maul
aussieht und eine Delle im Gestein, das wie ein Auge aussieht,
und so die menschliche Phantasie anregt, da auch wegen der
"Mund- und Augenhöhle" so ein Fabelwesen zu erkennen.
Man kommt noch an einer "Zwergenburg" vorbei, auch ein
Steinblock mit kleiner Felsnische drinnen
und am Ende nach einen kurzen Abstieg über die
geneigte Felsflanke zum Höhepunkt, dem beeindruckenden
"Hohlen Stein".
Überall sind
übrigens Tafeln angebracht, die einem gleich die richtigen
Bezeichnungen kundtun. Ein Riesenfelsblock von mehr als 10 m
Länge liegt da auf einigen Blöcken auf und erlaubt eine
richtige Unterquerung desselben. Eine richtige flache Halle ist
darunter ausgebildet, die den Aufenthalt, z.B. die Regenwetter,
durchaus ermöglicht. Eine kleine Feuerstelle zeigt, daß
manchmal noch andere Naturromatiker diesen Platz zum längeren
Aufenthalt aufsuchen.
Antropospeläologisch sind noch zwei Örtlichkeiten erwähnenswert. Am Rundweg 6 stößt man auf die "Doblerkapelle", eine richtig schöne Lourdesgrotte
an exponierter Stelle, die eine herrliche Aussicht
auf die wellige Landschaft rundum ermöglicht. Öffnet man die
Kapellentür, so steht man vor einem Gitter, durch das der Blick
auf eine klassiche "Grotte" mit Marienfigur möglich
ist. Erwähnenswert sind vor allem die "Tropfsteine",
die man angebracht hat, die wie große, spitz zulaufende gelbe
Rüben aussehen und aus Gips sind. An die Kirche von St.
Wolfgang, westlich von Griesbach, ist eine kleine
Wolfgangskapelle angebaut.
Wieder
verwehrt ein Gitter den Zutritt, läßt aber den Blick frei auf
den Altar. Auf dem Altarbild sind Szenen aus der Wolfgangslegende
wie der Hacklwurf dargestellt. Bei der bildlichen Wiedergabe des
Moments, wo der Heilige eine Quelle aus dem Felsen entspringen
läßt, ist der Quellpunkt so groß dargestellt, daß man schon
eine kleine Wasserhöhle dort wähnt. Am Bedeutsamsten ist das
Felsstück vor dem Altar, das die typische Vertiefung aufweist,
in die man seinen Fuß oder seinen Kopf strecken kann, um Heil
und Heilung zu erflehen. All das sind ja die letzten Reste einer
Überlieferung, die mit einem echten Höhlenkult, der seinen
Ausgangspunkt in einer Höhle
am Wolfgangssee zu tun hat.
Durch den Hinweis eines Erdstallforschers aus Freyung hatte ich Wind bekommen vom "Haistoas" (=Versammlungsstein), der in der Topographischen Karte 1:25000, Blatt 7247 Waldkirchen, mit der Bezeichnung "Am heißen Stein" angedeutet ist. Man muß erst Richtung Kumreuth - Kleinwiesen (Anmerkung: in Kleinwiesen gibt es auch einen kleinen Erdstall) - Köppenreuth, Freyung. Von einem kleinen Parkplatz links des unbeteerten Weges führt ein steiler Pfad nach oben. Dem folgt man und sieht dann schon rechterhand eine große Felsgruppe, der einzigen weit und breit, in der das große Felsmaul sich zeigt. Wieder ist ein Riesenfelsblock zurückgeblieben, der auf unterlagernden kleinen Blöcken ruht und unter dem man es gut aushalten könnte, auch bei schlechtem Wetter. Es sah ein bißchen wild dort aus. Mehrere zurückgelassene Holzpaletten hatten wohl mal als Sitze gedient, Reste eines Lagerfeuers, Müll aufgeräumt und verstreut, ein installiertes Seil und ein rot-weißes Markierungsband vom Waldwirtschaftsweg oberhalb bis zur Höhle sollte wohl mal den Zugang etwas erleichtern.
Ende Dezember 2005 habe ich unvermittelt ein
Email von Michael Burghart bekommen, der mich auf die
"Diebsteinhöhle" bei Thurmansbang aufmerksam machte.
Am 8. Januar 2006 war ich bereits mit Willi Adelung dort und wir
haben ganz schön gestaunt über diese richtige Granithöhle. Der
Ort liegt nördlich von Vilshofen im Bayerischen Wald. Von dort
sind es nur noch 2 km auf der Straße bis Hirschreuth. Von dort
geht es zu Fuß weiter. Große Wanderwegschilder machen auf den
abzweigenden Waldweg zum Diebstein und zur Höhle darin
aufmerksam. Es geht an einer Futterkrippe vorbei, dann knickt der
Weg nach rechts ab und führt endgültig hinauf zur Hügelkuppe.
Unmittelbar vor der Höhle ist nochmal ein Schild, das den Namen
der Höhle zeigt.
Ein weites Portal tut sich vor einem auf, das von den glatten
Granitwänden geprägt ist. Unter dem Überhang ist eine
Feuerstelle und ein Baumstamm als Sitzbank. An der Wand ist noch
die Reste einer in gelb gemalte 60 und einer Art Sonne zu sehen.
Eine Höhlenöffnung tut sich ganz hinten auf. Auf alle Viere
heißt es nun, um hinein in den Berg zu kommen. Dahinter kann man
überraschenderweise gleich wieder stehen. Es geht einige Meter
nach links in einer Spalte, die aber gleich wieder zumacht.
Spannend ist die rechte Spalte. Die führt doppelmannshoch, sich
immer wieder abwinkelnd 10 bis 15 Meter bergwärts. Alle
Attribute einer Höhle sind hier vorhanden! Außer großen
Spinnen ist hier nichts zu finden gewesen. Beim Eingang geht es
auch steil in die Höhe. Von oben sieht man Tageslicht. Klettert
man da hoch, dann kommt man zu einem weiteren Eingang. Der ist
auch von außen zu erreichen, wenn man den Diebsstein
umschreitet. Man muß durch ein kleines Felstor, das durch den
Herabsturz eines Riesenfelsens entstanden ist. Dahinter steht man
in einer Abrißspalte, die nach oben offen ist. Man kann hier
vorwärtskraxeln und kommt zum stark bewetterten oberen
Diebssteinhöhleneingang. Ein Farnbüschel wurde permanent
richtig hin- und hergeschwenkt vom im Winter einem richtig warm
vorkommenden Luftzug. Geht man noch ein paar Meter weiter, dann
kommt noch eine weitere kurze überdeckte Felsspalte, die noch
ein paar Blicklöcher nach draußen bietet. Noch vor dem
Erreichen der Diebssteinhöhle ist linkerhand noch ein weiteres
kleines Felsdach. In ihm ist an die Wand gepinselt: "Wir
warten auf Dich". Außerdem fanden wir eine kleine
Kuriosität: ein Eiszapfen, der seinen Ausgangspunkt in einem
Spinnennetz hatte. Das zeigt, wie massiv die gebaut sind!
| Im Hintergrund der Diebstein | |
| Der "Diebsstein", in dem die Höhle liegt |
|
| Die Spinnwebe mit Eiszapfen |
Nach dem Mittagessen im "Gasthof zur Linde" in Thurmansbang wollten wir noch was unternehmen. Ein Blick auf die überall aufgestellten Wanderkarten zeigte ganz in der Nähe bei Entschenreuth ein "Steinernes Kirchlein". Was das wohl war? Wir wanderten bei herrlichstem Winterwetter auf einer gespurten Schneestraße los und fanden sie tatsächlich. Einige Spuren in Harschschnee zeigten, uns daß wir nicht die Ersten waren. Der Weg führte bis zu einer Felskuppe voller Riesenfelsen. Eine Fußspur führte genau zu einem Spalt zwischen zwei Felsen. Ein kleinwenig in die Knie gehen und schon war ich auf der anderen Seite. Ein überdachter Felsenraum tat sich auf. An der Wand hinter mir hing ein großes eisernes Kreuz und eine rote Kerze war davor. Das war sicherlich die "Steinerne Kirche". Hinaus ging es auf dem selben Wege, weil nach vorne zu eine senkrechte Felswand abbricht. Es lohnt sich, zwischen den Gesteinsbrocken herumzuklettern. Haushohe Felsspalten sind da, in die man hineinsteigen kann. Unter einigen Steintrümmern kann man auch auf die andere Seite hinüberkriechen.
19. März 2006
Willi Adelung hatte auf den Seiten des Bayerischen Geologischen
Landesamtes mehrere "Blockströme" unter den
bemerkenswerten Geotopen ausgemacht. Sie sind da ja alle in
typisch wissenschaftlicher Manier dargestellt mit Beschreibung,
Bild und Karte. So ist es meist nicht schwierig, sie tatsächlich
auch zu finden.
Wir fuhren bei bestem Spätwinterwetter los, kamen über
Landshut, Eggenfelden bis in das Gebiet der Gemeinde Triftern.
Dort besuchten wir gleich 3 dieser Geotope, die entweder als
Naturdenkmal oder Landschaftsschutzgebiet heute rechtlich erfaßt
sind. Das Gestein, in dem sie liegen ist
"Quarzkonglomerat".
Ist so etwas für einen "Höhlenforscher" interessant? Er interessiert sich hauptsächlich für durch natürliche Kräfte entstandene Hohlräume dieser Erde. Wer nur den traditionellen Höhlenbegriff, wie er sich etwa in einer Tropfsteinhöhle im Kalk zeigt, hat, der kann zuhause bleiben. Hier handelt es sich Hohlräumen unter großen Gesteinsbrocken, die übereinander getürmt sind. Wer aber seine Nase wirklich hineinstreckt, der wird viele Gemeinsamkeiten finden. Da sind die Begrenzungen durch die Felsen. Man muß sich, sofern das geht hinein- und hindurchzwängen. Man wird dreckig. Man tritt in die Bachläufe und wird naß. Man muß schlufen und klettern, man kann auch drin fotographieren und das aufnehmen, was an Besonderem und Nichtsobesonderem zu sehen ist: Eisformen, Wandstrukturen, Raumformen, Ein- und Ausgänge.
Zuerst besuchten wir die "Kaser Steinstum" zwischen Voglarn und Osten. Mehrere Holzschilder an den Bäumen weisen den Weg. Ein Bächlein fließt an der Hochfläche in den Wald und hat sich wohl in Konglomeratschicht hineingearbeitet. Die Schicht ist zusammengebrochen und liegt nun in Form von großen Felsblöcken in der Mitte des Tals. Das Wasser fließt mitten hindurch und kommt auf der anderen Seite wieder zu Tage. Durch mehr oder weniger vom Menschen bezwingbare Felslöcher kam man unter die Felsen steigen und von innen wieder nach draußen schauen. Mittags trafen wir den Bürgermeister von Triftern zufällig in einem Wirtshaus, wo sich der örtliche "Stopselklub" gerade zu jährlichen Gemeinschaftsfeier auch getroffen hatte. Er erzählte uns, daß er als Kind schon die Steinstum gekannt habe. Die seien zu seiner Zeit so etwas wie ein Kinderspielplatz gewesen und sie hätten unten in den Blockberg hinein und auf der anderen Seite wieder hinauskriechen können. Das wären ein paar mehr Meter gewesen, als wir besuchen haben können. Trotzdem, ganz "höhlenlos" ist das Gebiet nicht!
Das zweite Gebiet, das wir aufsuchten, war der "Blockstrom in der Eckinger Klamm". Ecking war leicht zu finden, einen Parkplatz gab es auch noch, so waren wir bald zu Fuß unterwegs. Ein riesiger Traktor hatte vor uns einen Weg in die noch vom Spätwinterschnee bedeckte Fläche gefräst. Wir folgten ihm und schnell war das Höhlengebiet gefunden. Ein kleines Bächlein sammelte das Wasser auf der Hochfläche, floß hinein in ein verwildertes Waldstück und war nach einer Felsstufe etliche Meter tiefer wieder in einem Kerbtälchen zu sehen. Wir stiefelten herum und fanden mehrere kleine Höhlchen und Naturbrücken. Ich probierte es bei der Quelle und kam tatsächlich ein paar Meter hinein in den Blockverhau, aus dem das Wasser strömte. Ein bißchen Spreizen nach oben und ich saß in einem niederen Raum, holte die Petzllampe heraus und versuchte in den Hohlraum zu leuchten, der sich vor mir auftat. Das Wasser kam daraus hervor, roch ein bißchen unangenehm, ein Stecken war mitten in der niederen Fortsetzung zu sehen, das Licht reichte nicht. Ich holte die Digitalkamera heraus, schoß ein Bild mit Blitz und konnte Sekunden hinterher ein gutes Bild von der Situation anschauen. Da hätte ich einen Schlaz gebraucht, wenn ich wirklich neugierig hätte sein wollen. Aber es gab ja noch, hoffentlich, noch mehr anzuschauen hier. Tatsächlich. Lauter kleine Öffnungen taten sich im Versturzgelände zwischen den Felsen auf. Große Entdeckungen waren hier nicht zu machen, aber wer Lust an Kleinhöhlchen hatte, der kam auf seine Kosten. Zwischen den Konglomeratfelsen ließ sich trefflich herumkriechen, manchmal sogar kopfüber, weil es anders nicht ging. Wer die Sache ernst nimmt, kann auch hier ein paar Meter "Höhlenstrecke" vermessen!
Nicht weit entfernt ist das "Tal mit Blockstrom S von Pelkering". Wir marschierten zu Fuß von der Eckinger Klamm hinüber. Langsam war uns die Landschaftsform schon vertraut - einfach aus der Landschaft herausragende Felsen. Dann ein Einschnitt. Eine schwarze Öffnung tat sich vor uns auf. Ich sprang hinunter in den kleinen Felskessel. Befahrbar war das schmale Loch. Eine dicke Wurzel war darin zu sehen. Ich kroch hinein und war so in der Lage unter den großen Felsen, auf dem wir vor Minuten noch selber gestanden hatten, zu schauen. Ein Bächlein floß unter ihm hindurch. Der Eingang war sichtbar, auch wo das Wasser diese beschliefbare Überdeckungshöhle wieder verläßt, war auszumachen. Eine befahrbare Höhle, allerdings mit einem starken Touch von Vergänglichkeit.
In der Nähe gibt es eine bemerkenswerte Landschaftsform. Ein langgestrecktes Tal ist da in der Fläche auszumachen, markiert durch die Bäume, die hintereinander aufgereiht stehen. Ein Bach scheint da zu fließen - und dann ist da Schluß bei einer Art "Grube". Verschwindet da Wasser? Wo kommt es wieder heraus? Groß ist das "Geheimnis" hier nicht, aber auch hier haben wir halt diese "klassische Höhlensituation", hier mal in ganz kleinem Maßstab.
Es hat bis zum 27. Dezember 2008 gedauert, bis wir, Willi und ich, dem "Geheimnis" wieder nachgegangen sind. Das Ergebnis war sehr ernüchternd. Der Boden war gefroren, weshalb es kein Problem war, an die fragliche Stelle hinzukommen. Dauernd im Ohr hatten wir die Geräusche der Motorsäge, mit der offenbar der Besitzer des Grundstücks auf der anderen Straßenseite, die das Felsvorkommen mit den "Höhlen" enthält, arbeitete. Ein starker Sturm hatte Tags zuvor viele Bäume umgeworfen und die wurden nun zu Brennholz zusammengeschnitten. Die "Spannung", ob es hier eine richtige Bachversickung mit eventuell einem kleinen Höhleneingang gäbe, war gleich abgebaut. Ein Betonrohr steckte im Abhang, durch das das wenige Wasser, das gerade noch lief, abgeführt wurde. Es versickert tatsächlich in den Untergrund und kommt das vielleicht 50 m entfernt wieder unter den Felsblöcken im Bachtal unterhalb wieder heraus. Viel Abfall liegt noch herum, weil das Muldental offenbar eine zeitlan als Müllkippe gedient hat.
In der Nähe von Marktl, diesem inzwischen sehr
berühmt gewordenen Ort am Ufer des Inns, weil halt von da der
Ratzinger herkommt, liegt die "Bärenhöhle bei
Altwies". Wahrscheinlich kennt die der derzeitige Papst
auch. Jedenfalls haben uns die Unterlagen vom Geologischen
Landesamt einwandfrei dorthin geführt. Es geht steil und in
Kurven innhangaufwärts, dann über die welligen Hochflächen
weiter bis einem Bauernhof, wo irgendwie die Welt zu Ende ist,
bei der Altwies. Von da ging es zu Fuß weiter. Am Waldrand
informiert eine Hinweistafel den Besucher, 50 Meter weiter bei
einem kleinen Joch heißt es nach links gehen. Eine weitere
Hinweistafel enthält allen kognitiven Inhalt, den man vielleicht
gerne hätte. Die "Bärenhöhle" liegt einem
unmittelbar vor Augen. Auch das ist so eine Höhle ohne
Geheimnis. Gibt es so etwas überhaupt? Worin sollte es denn
bestehen? Wann das Felsdach, das sich da hinter einem Wasserfall
gebildet hat, zusammenkracht? Man sollte aber nie sagen, daß
nicht Unvorhergesehenes passieren könnte! Jedenfalls habe ich
eine große Eissäule noch fotographiert, die auf einmal und ohne
jegliche Vorwarnung laut krachend in die Tiefe stürzte, und die
wenige Minuten vorher noch über das Eingangsportal an
Planzenranken gehängt hatte. Ziemlich rätselhaft ist noch
immer, wer das große Wasserbassin geschaffen hat, das im Portal
als letzter Rest noch da ist, geschaffen hat.
Wer schon die Höhle besucht, der sollte auch noch den
Aussichtspunkt hoch über dem Innufer erklimmen. Fluß, Straße,
Eisenbahn, sie alle schmiegen sich unter einem aneinander, viel
ist hier nicht los - "Gottseidank".
Zur Zwergenhöhle bei Pettenau wurde eine Führung im September 2008 im Internet angeboten. Als Ausgangspunkt diente die Bertenöder Kapelle bei Stubenberg, das wiederum nicht weit von Simbach am Inn liegt. Die Kapelle ist alleine schon einen Besuch wert, da sie exponiert in etwa 500 m Höhe mit einem prachtvollen Blick über das Inntal liegt. Von dort geht es steil auf einem alten, tief eingeschnittenen Hohlweg zu Tale. Vermutlich liegt da irgendwo die kleine "Höhle", die wir aber im Dezember 2008, als wir sie mal gesucht haben, nicht fanden. Im Text der Führungsankündigung heißt es: "Wer das enge Schlupfloch passiert hat, kann im Innern sogar stehen. Bitte Taschenlampe mitbringen; die Höhle ist ziemlich dunkel." Wir hatten Lampen dabei, aber mangels Lagekenntnissen der Höhle brauchten wir sie nicht zu benutzen. Ein Ort zum Wiederkommen.
Inzwischen habe ich von Frau Alexandra Lindinger zwei Bilder geschickt bekommen, die den Eingang der Höhle zeigen. Es gibt sie also wirklich, wir haben damals halt am falschen Ort gesucht.
Wenn man von Simbach am Inn der St 2112 Richtung
Pfarrkirchen folgt, dann kommt man kurz nach Antersdorf zur
Abzweigung Richtung Hinterholz. Wer diesem schmalen Sträßchen
folgt, der überquert bald danach einen kleinen Bach. Dieser Bach
fließt in einem v-förmigen Tälchen Richtung Inn. Auf der
rechten Seite verläuft ein kleiner Fahrweg, der erst zu einer
Holzlege und dann noch ein Stückchen weiterführt. Dort, wo er
ganz aufhört, da sieht man ein Loch im steilen Uferhang. Da der
Weg genau da endet, darf ein Zusammenhang zwischen
"Höhle"? und Weg angenommen werden. Über diese
"Höhle" ist auf der Internetseite des Landratsamts
Rottal-Inn zu lesen, daß dieses Geotop, das "erst durch die
Abbautätigkeit des Menschen zugänglich gemacht wurde." Man
habe die sog. "Muschelschill-Schichten" noch im letzten
Jahrhundert als Hühnerfutterzusatz abgebaut.
Ist dieses Loch vollständig "künstlich" oder gibt es
nicht auch eine natürliche Ursache für die Entstehung? Ein
kleines Bächlein entströmt dem Eingang, so daß eine Begehung
der "Höhle" nicht gerade in
"Sonntagsschuhen" stattfinden sollte und ohne
Gummistiefel kommt keiner weit hinein, weil bald darauf das
Wasser in den drei länglichen Seen so tief wird, daß keiner
trocken wieder herauskäme, ohne entsprechende Vorsorge getroffen
zu haben. Es geht sowohl geradeaus tiefer in den Berg als auch in
den zwei Seitengängen, die nach links und rechts abzweigen. War
auch ein leichter Luftzug zu spüren? Mir war so.
Zwischen Cham und Schönthal ist auf den Wanderkarten von einer "Bärenhöhle" zu lesen. Am 30. April 2007 habe ich mal versucht, diese "Höhle" zu finden. Am Ende war es furchtbar leicht, denn ein mit vielen Schildern markierter Weg "Gr1" (in Frankreich wäre das wohl die "Grande Route") führt direkt hin. Trotzdem - an so mancher Stelle war ich mir wirklich nicht sicher, wohin mich das Schilder denn eigentlich führen wollte. Wo ein verdrehter Pfeil nach "unten". Wo war das. Ich bin erst einmal mindestens 100 m in einer ganz andere Richtung gelaufen, als sich am Ende herausgestellt hat, was wirklich "richtig" gewesen war. Am Ende ist es sogar gut, daß der richtige Weg ein Umweg gewesen ist. Denn ich habe viel mehr gesehen, als das eigentlich ursprünglich wohl vorgesehen war. Da war dann auf einmal wirklich diese "Bärenhöhle", ein kleines Versturzloch, in dem sich sogar eine von der Decke herabhängende Plastikhülle befand mit "Informationen" über Bären. Ein richtiger "Fremdkörper" war das. Am "Höhlenboden" war noch eine menschliche Spur, ein mit Steinen markierter Raum für eine Feuerstelle. "When you are in Rome, do as the Romans do". Ein englischer Spruch mit vielen Anwendungsmöglichkeiten. Auch für die Speläophilie. Die Speläologie befaßt sich ja gerne mit größeren und "wichtigeren" Objekten. So ein "Mickerloch" wird ja von echten "-logen" wurde ja wieder und wieder gar nicht aufgenommen in den "Adelsstand" der "Höhlen". Zu "klein", mindestens "5 Meter Länge", vielleicht "Anthropospeläologische Bedeutung".
Wer in "ungewöhnliche" Höhlengebiete geht, der muß, eventuell, Unerwartetes erleben. Und da ist der Bayerische Wald keine Ausnahme. Denn, wer heute, 2007, dort zum "Haus der Wildnis" in der Nähe von Zwiesel einen Abstecher macht, dem passiert es, daß er mit Hilfe raffinierter, heute möglicher, technischer Möglichkeiten mitten in den Süden Frankreichs transportiert wird, zumindest geistig. Die "Steinzeithöhle" ist ein kleiner, gelungener Nachbau eines minimalen Abschnittes der Chauvet-Höhle in der Ardèche-Schlucht.
Die Grotte Chauvet-Ausstellung in
Vallon-Pont-d'Arc, F
Was man da an den Wänden sieht, einen Teil natürlich nur davon, die Pferde und Rinder, die sieht man, gleich, oberhalb wieder, auf den blank gefressenen Wiesen, wo Nachzüchtungen dieser Tierrassen uns heute wieder ein ungefähres Gefühl geben sollen, was unsere Vorfahren mal schon erlebt haben.
In Wildnishaus selber gibt es gleich noch ein
paar mal "Höhlenerlebnisse". Man muß nur in den
Kindergarten hineinschauen, wo unter einer Kunstfelswand gleich
wieder eine niedrige Öffnung dieses "Hindernis"
durchdringen läßt. Geschickt gemacht ist die Untergrundsektion,
die die Besucher unter die Erdkrume lockt. Das ist nun nicht
unbedingt "Höhlenstoff" und halt auch doch, sehr
sogar. Denn was eine "Höhle" wirklich ist, wer will
das sagen? Das wird festgelegt - von wem? Vom Menschen? Von was
"Größerem" als dem Menschen? "Gott?" Von
was "Kleinerem" als dem "Menschen"? Dachse,
Füchse, Wühlmäuse, Ameisen, was lebt denn sonst noch alles
unter der Erde? Schön ist das gemacht - und auch hier haben die
Kinder eingebaute Vorteile. Da gibt es an der linken Wandseite
eine niedrige Wandöffnung, Licht dringt da durch, auch
Geräusche. Wer da rein will, der muß auf alle Viere, muß sich
bücken! Rutscht er da durch, dann kommt er in eine eigenartige
Kammer, kleine Sitze sind da an der Wand, ein altes Radio, kleine
Bilder... Man kann sich verzaubern lassen. Dann gibt da auch eine
große "Verräteröffnung", auffällig kaschiert durch
einen schlecht schließenden Vorhang. Durch den könnten
Erwachsene ungebückt hereingelangen...
Raffiniert sind kleine Nebenkammern hineinkomponiert worden,
immer schmäler werdende Spalten, die im Dunkeln verschwinden und
dann...? aus sind. Aber vielleicht gewinnen wir daraus mal
unseren Höhlenforschernachwuchs! Menschen, auch wenn sie,
momentan, nur "klein" sind, aber Menschen mit einem
Drang nach ........? Thomas Mann hat in seinem Klassiker
"Der Zauberberg" den "Forscher" als einen
Menschen beschrieben, der "wissen will, was um die Ecke
herum ist". Dieses wunderbare Bild ...... da, dieser klare,
gerade, bekannte Weg, die "Wahrheit" vor einem, und
dann... diese Biegung, gar Abwinkelung, Dunkelheit,
Unbekanntheit, nehmen wir noch die dritte Dimension hinzu...rauf
oder runter...
Am Ende wurde da künstlich noch nachgestellt, was es halt unendlich viele Male auch ganz natürlich, und vollkommen kostenfrei, zu sehen gibt: daß Wasser oben in einen Höhlengang eintritt und unten wieder abfließt. Aber hier achten mehr Menschen drauf, greifen vielleicht hin und machen sich ihre Finger naß und hören hin, hören den Klang des fließenden unterirdischen Wassers...
Es sind wohl noch mehr "Höhlen" in Ostbayern zu entdecken. Wenn es wieder was Neues gibt, werde ich hier drüber berichten.
Ein paar Landschaftseindrücke:
| Im Gebiet des Nationalparks, Oktober 2009 Windwurfzone |
||
Literatur:
| Müller, Toni | "Teufelsperger-Schlinger" Kat.Nr. 1291/3, DER SCHLAZ 55-1988, S. 31ff. |
| Vater, Klaus | Höhlenkataster Bayerische Alpen, in: Münchner Höhlengeschichte - Drei Jahrzehnte Verein für Höhlenkunde in München e.V., München 1982 |
| Markmiller, Fritz | Entstehungsgeschichte und Mirakelbuch der Landauer Wallfahrt Maria Steinfels, in: Der Storchenturm. Geschichtsblätter für die Landkreise Dingolfing, Landau und Vilsbiburg, 15. Jhg. H. 29, 1980 p. 82ff. |
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