Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Donaudurchbruch bei Kelheim


Die Höhlen beim "Klösterl"


Der Donaudurchbruch zwischen Weltenburg und Kelheim - eine der schönsten bayerischen Landschaften. Bevor diese Felsenge durchsägt war, da wälzten sich die Wasser durch das heutige Wellheimer Trockental und dann die Altmühl hinab gen Schwarzes Meer.

Vor 150000 Jahren änderte die Donau ihren Lauf in der Gegend des heutigen Kehlheim. Vorher war sie weiter im Norden geflossen, benützte das heutige Wellheimer Trockental und einen großen Abschnitt des Altmühltals. Irgendwann war dann die Felsbarriere bei Weltenburg durchbrochen, die aus 140 bis 160 Millionen Jahre altem Kalkstein bestand. Heute sind bis zu 40 m hohe Felswände links und rechts des Flusses Zeugen dieser Vorgänge.

Kommt man in diese Gegend heute, das scheint der Lauf der Welt draußen ein bißchen stehengeblieben zu sein. Hat man mal die Touristenmassen im Kloster Weltenburg hinter sich, dann tut sich vor einem eine große Ruhe auf, nur gelegentlich unterbrochen von einem der Ausflugsschiffe, die zwischen Kelheim und Weltenburg verkehren, und von motorgetriebenen Holzplätten, die Touristen flußaufwärts schippern.

Daß hier noch soviel ziemlich ungestörte Natur zu finden ist, das ist König Ludwig I. zu verdanken, der damals schon festlegte, daß der Donaudurchbruch erhalten bleiben muß. Inzwischen hat dieses Gebiet vom Europarat auch das "Europa-Diplom" bekommen, das ihn jetzt unter besonderen Schutz stellt. Inzwischen verwildern die Wälder wieder richtig. Das alte Holz wird nicht mehr herausgeholt, umgestürzte Bäume liegen inzwischen kreuz und quer herum, es entsteht so langsam richtig wieder ein Urwald - ein wohltuender Kontrast zu den ansonsten überall dominierenden grünen Holzplantagen, die "Wald" zu nennen im Grunde verkehrt ist.

Ein gut markierter Wanderweg führt an der flußabwärts gesehen linken Uferseite von Kehlheim nach Kloster Weltenburg. Zum Übersetzen über die Donau gibt es entweder Motorplätten oder weiter oberhalb eine Fährverbindung, die es schon über 500 Jahre an dieser Stelle gibt. Schön ist die Rundreise, in dem man einen Weg zu Fuß macht und zurück dann mit dem Schiff fährt. Ein sehr lohnender Tagesausflug.

An vielen Stellen links und rechts im Donaudurchbruch gibt es eine zahlreiche Felsnischen, aber auch ein paar kleine Höhlen. Man muß nur die Augen aufmachen, dann findet man schon die meisten. Die meisten sind leicht erreichbar. Nur wenige liegen etwas abseits gelegen und werden entsprechend weniger frequentiert. 

Am bedeutendsten ist sicherlich heute der Komplex um das Klösterl mit seiner Höhlenkirche und den vielen kleinen Felsdächern und Durchgängen in den Felsen dahinter.

Bekannt waren diese Höhlen schon lange. So erwähnt bereits Flurl in seinem 1792 erschienenen Werk "Beschreibung der Gebirge von Bayern und der oberen Pfalz" neben dem Schulerloch auch diese kleinen Höhlen: "Auch trifft man oberhalb Kelheim an den Ufern der Donau noch mehrere Höhlen, aber von einem weit kleineren Umfange an."

Es gab sogar schon einmal eine richtige Schauhöhle im Donaudurchbruch. Archivmaterialien sind wohl da einzige, was davon noch übrig ist, die "Tropfsteinhöhle im Kalkwerk Kelheim". Sie wurde am 9. August 1900 bei Steinbrucharbeiten entdeckt. Als ihr "Entdecker" gilt der Ingenieur Redenbacher. Ab Ostern 1901 war die lt. Werbeanzeigen 150 m lange Höhle für die Öffentlichkeit zugänglich. Später ist sie wohl der Ausdehnung des Steinbruchs "zum Opfer gefallen". Es gibt nur wenige Berichte und Photos über sie.

Höhlen auf dem Weg vom Parkplatz
zum Kloster Weltenburg
Der Fährmann, der einen auf die andere
Donauseite übersetzt

Kunst am Donauufer bei Weltenburg
Am Weltenburger Donauufer
In da Kirch
Übersetzen aufs andere Ufer
Ein Lochstein am Wege
Kleine Höhle am Wege

- hat wahrscheinlich schon vielen Menschen
als Übernachtungsplatz gedient

Kein Loch wird ausgelassen
 
2018 im trockenen August
Oktober 2019
Kleine Höhle gegenüber von Weltenburg

Literatur:

o.V. Der Donau-Durchbruch, SZ 22.8.2002, S. 46
Meyer, Schmidt-Kaler, Kaulich & Tischlinger Wanderungen in die Erdgeschichte - Unteres Altmühltal und Weltenburger Enge, pfeil-Verlag, ISBN 3-923871-83-X
Hofmann-Montanus, Hans Der Steinbock ob der Altmühl, in: Hofmann-Montanus, Hans, Petritsch, Ernst Felix, Die Welt ohne Licht, Regensburg 1952
Mikeska, Detlef Überregionale Vermessungsaktion in der Südlichen Frankenalb, Der Fränkische Höhlenspiegel Heft 51, Dezember 2003, S. 33
ohne Verfasserangabe 9. Überregionales Vermessungswochenende im Unteren Altmühltal am 05.07/06.07.2003 - Ergebnissmappe 2003
ohne Verfasserangabe Höhlen im Donautal, Ergebnismappe des Vermessungswochenendes im unteren Altmühltal vom 30.06./01.07.2001
ohne Verfasserangabe Höhlen bei Klösterl bei Weltenburt, Ergebnismappe des Vermessungswochenendes im unteren Altmühltal vom 17./18.06.2000
ohne Verfasserangabe Höhlen im Donautal, Ergebnismappe des Vermessungswochenendes im Kartenblatt 7036 Riedenburg vom 04./05.07.1998
Häck, Bernhard Höhlen(raub)grabungen in Deutschland, STALACTITE 58, 1, 2008, S. 23ff.
Häck, Bernhard Eine Wanderung durch den Donaudurchbruch zwischen der Stadt Kehlheim und Kloster Weltenburg und zurück, in: Karst und Höhle 2008-2010 Südliche Frankenalb - Region Altmühl- und Donautal, München 2010
Winchen, Volker Die ehemalige Tropfsteinhöhle im Kalkwerk Kehlheim (I 200) - Archivalien bezeugen deren Existenz, in: Karst und Höhle 2008-2010 Südliche Frankenalb - Region Altmühl- und Donautal, München 2010
Lagally, Ulrich Piratenstück eines Flusses - Die Weltenburger Enge bei Kehlheim im Donautal, in: Look, Ernst-Rüdiger, Feldmann, Ludger, Faszination Geologie - Die bedeutendsten Geotope Deutschlands, Stuttgart 2006

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