Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Barbarossahöhle im Kyffhäuser


Schwarze Schwäne? Gibt es die? Lange Zeit hätte man Leute für verrückt erklärt, die behautet hätten, es gäbe so etwas. Überall waren sie weiß. Kann man daraus induktiv schließen, daß dann alle weiß sein müssen? Können schon, nur stimmt das halt nicht. > Taleb, Nasim

Wieviel wissen wir vom Innern unserer Erde? Eine Menge, aber bei weitem nicht alles. Immer wieder wird etwas gefunden, von dessen Existenz man vorher überhaupt keine Ahnung hatte. So auch hier. Eigentlich waren die Bergleute auf der Suche nach Kupferschiefer, das in der Nähe in großer Menge in bis zu 1 m starken Schichten im Gestein vorkam. Man begann auch in der Umgebung zu suchen und versuchte es auch im Nordrand des Kyffhäusers. Am 31. August 1860 begann mit dem Bau eines Stollens am Fuß der Ruine Falkenberg, 5 Jahre später, genau am 23. Dezember 1865 stieß man auf 178 m tiefer im Berg auf eine bis dahin unbekannt gewesene Höhle. Der gesuchte Kupferschiefer war schon auch da, als man am anderen Ende der Höhle den sog. "Betriebsstollen" schlug, aber nur in kleinen Mengen, die den Abbau überhaupt nicht lohnten. 1873 stellte man den Bergbau ein.

Der Fund der Höhle führte aber zu einer anderen Erwerbsquelle: Man begann Touristen herumzuführen. Schon am 28. April 1866 sollen bereits die Ersten in die Hohlräume im Anhydrit geführt worden sein. Anhydrit ist etwas anderes als Gips, der an wenigen Stellen in der Höhle auch angefahren wurde. 1895 installierte man bereits die erste elektrische Beleuchtung, wozu man drei Mühlen im Tal für die Erzeugung des Stroms nutzte. 1926 schuf man einen 32 m langen Ausgangsstollen, so daß ein durchgehender Führungsbetrieb möglich wurde. Nun wandelt der Besucher durch "Empfangssaal", "Neptunsgrotte", "Gerberei", "Tanzsaal", "Barbarossas Tisch und Stuhl", "Grottenhöhle" mit drei Seen, "Olymp", "Dom", Ausgangsstollen. 

Die Länge der Höhle wird von Brust mit etwa 800 m angegeben. 

Ursprünglich hatte die Höhle ja überhaupt nichts mit der Barbarossasage zu tun und wurde ja anfangs "Falkenburger Höhle" oder "Rottleber Höhle" genannt. Aber der Name setzte sich durch, entsprach er doch offenbar dem Bedürfnis der Menschen, den literarischen Zeilen etwa eines Friedrich Rückert etwas Handheftes an die Seite zu stellen: "Der alte Barbarossa, der Kaiser Friederich, im unterird'schen Schlosse hält er verborgen sich.." Der Tourismus boomte, hatte man doch das Kyffhäuserdenkmal (1890-1986) errichtet, die Bahnlinie Bretleben - Sondershausen geschaffen, Frankenhausen wurde zur Kurstadt. Mit einem Besitzer- und Verwaltungswechsel zog wohl auch ein neuer Geist ein, man errichtete einen "Barbarossatisch- und -stuhl", noch heute ein Highlight auf jeder Schauhöhlenführung. 

Man geht mit der Zeit, glücklicherweise, beim Betrieb der Höhlenführung. Im Mai 2016 hatte ich dazu auch einmal die Gelegenheit dazu, anläßlich der 2016er-Tagung des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher in Rübeland. Ähnlich wie in allen anderen Schauhöhle im Harz hatte ich auch dort kostenlosen Eintritt. Vergeblich "suchte" ich das Verbotsschild fürs Photographieren! Vorbildlich! Die moderne Digitalphototechnik macht es überflüssig, Blitze zu verwenden. Es fällt praktisch nicht mehr auf, wenn jemand sein Gerät erhebt und einmal abdrückt. 

Unsere Führerin war eine reine Freude. Locker, lustig, kompetent. Was für ein Unterschied zur Hermannshöhle, die ich Stunden vorher auch gesehen hatte. Die Räume sind sehr gut ausgeleuchtet, man hat sich überlegt, wie man die Qualitäten der Hohlräume am besten zeigen kann - was auch immer wieder menschliche Eingriffe in die "Natur" notwendig macht, aber man macht das geschickt. Die Highlights waren für mich, als sie ein wenig von der Geschichte der Höhle erzählte. Da gab es tatsächlich Tanzveranstaltungen! Damit hat man wieder aufgehört, warum? Rock im Fels? Verschreckt das alle Höhlentiere? Oder fangen auch die an, sich umzustellen? Wie diese einmal "Krone der Schöpfung", der/die Menschen/Menschen? Ein wachsender Trend: Heiraten in der Höhle! Pikant. Nachdem die Kirchen nicht mehr wirklich "ziehen" für viele, nachdem die Hochzeit im "Rathaus" oft zu nüchtern ist, zurück zu symbolträchtigen Orten! Ein geschäftstüchtiger Schweizer "verhired" sein Labyrinth für viel Geld an verheiratunswillige Paare. Warum dann nicht eine "Höhle"? Das passiert - und in wachsendem Maße. Erwartet man sich davon etwas? Kommt da Atavistisches wieder zu Vorschein, das so mancher schon auf ewig beerdigt zu haben glaubte? Ganz besonders gefiel mir ihre Anmerkung, daß die Bräute, die da "antanzen", in Higheels kommen. Das geht auf dem normalen Weg nur schlecht. Deshalb nutzt man heute wieder den "Betriebsstollen", durch den man halt die notwendigen Erhaltungsarbeiten sonst nur durchführt. Hier habe dann die Braut, noch, so mein Erinnerungsrest, noch "148 Schritte" um es sich noch einmal zu überleben, ob sie wirklich heiraten wolle. Kein dummer Gedanke. Wir haben später in Rübeland darüber nachgesonnen. Warum wartet eigentlich am Ende des Stollens nur ein "Ehemann" auf sie - warum nicht z.B. "5". Unter denen sie sich dann kurzfristig entscheidet. Oder umgekehrt: 1 Bräutigam und 5 mögliche Bräute. Eine moderne Form von "Bauer sucht Frau". 

Zurück beim Eingang habe ich dann noch etwas erlebt, was mich aufgebaut hat. Nach der niederdrückenden Erfahrung bei der Hermannshöhle, wo die "Parkfalle" über mir zugeschnappt war, wo man einfach dauernd versucht, die Menschen abzuzocken, passierte hier etwas ganz anderes. Es war 12 Uhr, ich hatte Hunger, da war ein Stand, der eine Thüringer Bratwurst verkaufte. Außerdem hatte ich noch Durst. So bestellte ich eine Wurst und ein Bier. Laut Preistafel kostete das 6 Euros, die ich allerdings nicht in Bargeld darstellen konnte. Der gereifte Mann am Tresen hatte schon von meinem Vorkonsumenten gewollt, daß er ihm das Geld möglichst passend geben solle, ich konnte nur sagen, entweder 10 Euro und Wechselgeld zurück oder... Ich hatte nur einen 5 Euro-Schein. Es sagte: "Das ist in Ordnung." Auch so geht es!

Wir leben offenbar in einer "Kontingenten Welt"! So geht es und auch anders. Ich mag die menschliche Variante. 

     
     
Glasfenster im Schauhöhlengebäude der Baumannshöhle mit einem Motiv aus der Barbarossahöhle

Literatur:

Bahl, Jürgen Die Schauhöhlen der Deutschen Demokratischen Republik, in: KARST UND HÖHLE 1981, Beiträge zur Höhlenforschung in Deutschland, S. 5ff.
Brust, Michael K. Die Barbarossahöhle bei Rottleben im Kyffhäusergebirge, Der Höhlenforscher 3-1977, S. 35-41
Brust, Michael K. Die Barbarossahöhle im Kyffhäuser, ARTE Fakt Verlagsanstalt, 2016
Pütz-Willems, Mari Wo Kaiser Rotbart schlafend saß, Süddeutsche Zeitung Nr. 1, 2. Januar 1992, S. 39
Schollau, G., Brust, Michael K. The Barbarossa Cave - the world's first gypsum show cave, in: Mattes J., Christian E. & Plan L. (eds), Proc. 12th EuroSpeleo Forum, Ebensee: 42

Links:

http://www.barbarossahoehle.de/

http://www.cavern-barbarossa.com/cms/1/?i=1

Landschaft und Höhlen am Kyffhäuser


[ Index ] [ Englisch version ] [ Höhlen und Höhlengebiete ] [ Kunst ]
[ HöRePsy ] [ Höhlenschutz ] [ VHM ] [ Veranstaltungen ] [ Links ]