Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen in Rübeland, Harz, D



Die Hermannshöhle

Die Bielshöhle bei Rübeland, Harz


Warum verbieten Menschen anderen Menschen, daß sie in einer Höhle fotographieren dürfen? Genau das ist in den beiden öffentlich zugänglichen Höhlen, der Hermannshöhle und der Baumannshöhle, in Rübeland, einem vor gar nicht so langer Zeit viel mehr besuchten, in das enge Bodetal zwischen massive Kalkfelsen gepreßten Ort, der Fall. Hunderttausende waren das mal, aber die Verhältnisse sind momentan nicht gut.

Alles geht zurück. Man sieht es. Im März 2006 waren wir, die Leute, die HÖPHO, die deutschen Höhlenfotographentreffen, am Leben erhalten, mal dort, und haben uns selbst mal umgesehen. So viele Häuser wurden zum Kauf angeboten, an vielen Häusern blätterte die Farbe von den Holzbrettern, die die Außenmauer bildeten, ab.

Zurück zum Fotographierverbot. Man darf das ruhig vor dem Hintergrund der früheren Höhlenbesuchsgeschichte sehen. Die Baumannshöhle gilt als älteste Schauhöhle Deutschlands! Und jahrhundertelang war ein integraler Bestandteil einer geführten Höhlentour, daß man sich "bediente", man schlug einfach ein paar Tropfsteine heraus und nahm sie mit! Irgendwann begannen sich über diesen Brauch aufzuregen! Dieses Verhalten wurde amtlicherseits dann verboten!

Erstaunlich ist aber schon, daß bei einem Besuch dieser Höhlen noch heute so viele wunderbare Tropfsteine dort zu sehen sind! Das ist einfach die Natur, und ein kluger Beobachter von ihr hat schon längst mal festgestellt, daß die "explosive Überfülle" eine ihrer Grundeigenheiten ist. Es ist so viel da! Die Probleme tauchen vor allem da auf, wenn einer oder wenigstens eine kleine Gruppe, alles alleine für sich haben will und mit den vielen anderen nicht "teilen" will. "Ich" schlage den Tropfstein ab und stelle ihn in mein Wohnzimmer, wäre er noch in der Höhle, dann könnten ihn praktisch unendlich viele zu Gesicht bekommen! Aber so sind sie, die Menschen, diese früher "Krone der Schöpfung" genannt wordenen Kreaturen der Erdkruste! Nix teilen unter allen, machen Grundbucheintrag, wollen Patent, bauen Stacheldrahtzaun. Machen Schild: Kein Foto. (Und dann geht man durch die Höhle - und auf einmal steht da ein richtiger professioneller Fotograph da, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, daß er alle Besuchergruppen ablichtet und ihnen gegen Money die Kopien davon ausliefert!)

Warum wird da das Höhlenfotographieren verboten?

Das ist nicht wirklich "verbietbar"!
Ein Blick von außen auf die Höhleneingänge
Der Ausgang

Der Hinweis auf die "TOILET"
war nicht vermeidbar

Die Holzplattform sei dazu da,
daß Fledermauszähler dort ihrem Geschäft
nachgehen würden, so Erklärung einer Frau,
die mir das dort so erklärte
Das Eingangsgebäude
  Nächtens in Rübeland, März 2006
Ein Hinterglasbild in einem Restaurant in
Rübeland

Der Ausgang aus der Baumannshöhle

Ein "Schaukasten" im Eingangsgebäude

Der "Höhleneingang" mit der "Glück Auf"-
Aufschrift

Was hat das noch mit einer "natürlichen"
Höhle zu tun? Es ist nur noch ein bizarrer
Spiegel der Einstellung einiger Menschen
zur "Höhle"

Höhlendarstellungen aus dem Schaukasten

lange ist es her

Eine Irgendwiewiedergabe der
Darstellung von Goethe einer Höhlenszenerie
in der Baumannshöhle

- zu sehen im Eingangshaus der
Baumannshöhle

Nicht verboten sind Aufnahmen durch einen professionellen Fotographen der jeweiligen Besuchergruppen.

Vielleicht meint man, dadurch ließe sich dessen Umsatz erhöhen. Tatsächlich verärgert man vor allem die
Leute.

Foto vom März 1994

Erfreulicherweise gibt es ja noch die "Natur". Das ist der Bereich, den der Mensch "noch" nicht, oft auch wohl besser nie, und bei wirklichem Hinschauen wohl nie verstehen wird - was für uns alle wohl nur unser Glück ist - und unser Unglück, wenn es nämlich über uns hereinbricht. Schneechaos, Lawinen, Überflutungen, Erdbeben, Tsumanis....
Viele Nummern kleiner treffen wir auf die "Natur" zum Beispiel in Rübeland in Form von Höhleneingängen. Natürlich bleiben die bei dieser Umgebung kaum. Es muß schon ein Loch dahinter sein, das wirklich keinen interessiert. Ansonsten wird das alles gleich wieder funktionalisiert, kommen Tore davor, wobei vor allem auf die Fledermausschlitze zu achten ist. Dann kriegt man staatliche Fördergelder!

 

Meister Goethe hat am 1. und 2. Dezember 1777 schon mal die Baumannshöhle besucht und hat uns seine Erlebnisse so überliefert: "..ich durchkroch sie, und betrachtete mir das fortwirkende Naturereigniß ganz genau. Schwarze Marmormassen aufgelö't, zu weißen krystallinischen Säulen und Flächen wieder hergestellt, deuten mir auf das fortwebende Leben der Natur. Freilich verschwanden vor dem ruhigen Blick alle Wunderbilder, die sich eine düster wirkende Einbildungskraft so gern aus formlosen Gestalten erschaffen mag; dafür blieb aber auch das eigne Wahre desto reiner zurück, und ich fühlte mich dadurch gar schön bereichert." (Goethe, W A I, Bd. 33, 216f.) Auch in den ersten Stropfen des Gedichts "Harzreise im Winter" findet man nach Aussage Goethes noch einen Nachklang seines unterirdidschen Erlebnisses.

Im September 2015 waren wir, Willi Adelung und ich, wieder einmal in Rübeland. Hauptgrund war mein Interesse für die Steinbrück am Krockstein und ihre Verbindungen zum Werk Caspar David Friedrichs. Wir waren sehr gut im Hotel Bodetal untergebracht, das momentan ausgezeichnet geführt wird. Der Besuch der Baumannshöhle war wieder ziemlich enttäuschend, nichtzuletzt weil es immer das Photographierverbot gibt. Im Höhlentheater wird offenbar eine Bühnenfassung von Jules Vernes Klassiker von der Reise zum Mittelpunkt der Erde ab und zu aufgeführt. Nach der schlechten Erfahrung mit der Baumannshöhle verzichteten wir lieber gleich auch noch darauf die Hermannshöhle anzuschauen. Schauhöhlen sind mir langsam ein Greuel. Dafür suchten wir wenigstens die Bielshöhle, die dritte im Bunde der Schauhöhlen, die aber heute nicht mehr geführt wird, leider vergebens. Nirgends zeigte sich auch nur der geringste Hinweis, aber am Ende kamen wir dann doch noch bei zwei kleineren Höhlenobjekten vorbei.

Ein paar Bilder von dieser Tour:

 

Der "Blaue See", der gerade grün war

Im Mai 2016 fand in Rübeland aus Anlaß des 150jährigen Jubiläums der "Entdeckung" der Hermannshöhle die 56. Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher statt - ein größtenteils sehr gelungener Event, der seinen Höhepunkt mit einem Festabend im Goethesaal der Baumannshöhle erlebte. 

Ein gespiegelter Stalagmit im Goethesaal
Wieder zurück an der Erdoberfläche, an der frischen, warmen Luft - ein Blick auf den Bahnhof und die Eingangsregion der Hermannshöhle
Eine morgendliche Rauchsäule im Tal
Der Ortsbus macht auch Reklame für die "Rübeländer Tropfsteinhöhlen"

 

 

 


Literatur:

Eichendorff, Josef von Durch den Harz, Reisetagebuch Sept. 1805, in: Mein Herz war erfüllt, Berlin 2000
Kempe, Stephan THE BAUMANN'S CAVE AT RÜBELAND, GERMANY; ONE OF THE CAVES NOTED IN EARLY SCIENCE HISTORY FOR ITS CAVE BEAR AND CAVE HYENA BONE DEPOSITS, Scientific Annals, School of Geology Aristotle University of Thessaloniki, Special volume 98, Thessaloniki 2006, 213-220
Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt - Halle (1998) Sonderheft 3:. 330 Jahre Schutz der Baumannshöhle, Tagung und Festveranstaltung am 17.04.1998 in Rübeland/Harz
Lübke, Anton Geheimnisse des Unterirdischen, Kurt Schroeder Bonn, 1953
Moser, Achill Nimm nur mit, was du tragen kannst, Hamburg 2008
ohne Verfasserangabe Reise ins unterirdische Italien - Grotten und Höhlen in der Goethezeit - Ausstellungskatalog, Info-Verlag Karlsruhe 2002
Tschorn, J.-S. Die Bielshöhle, Mitteilungen Niedersachsen 2-1990, S. 34ff.
Völker, Christel und Reinhard Schauhöhlen in historischer Zeit, Mitteilungen des Karstmuseums Heimkehle, Heft 14, ohne Jahres- und Ortsangabe, ISSN 0233-1853

 

Links:

 


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