Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Dechenhöhle im Sauerland


Im Juni 1868 wurde bei Felssicherungsarbeiten an der Bahnstrecke Letmathe-Iserlohn von zwei Bahnarbeitern der Eingang in eine bis dahin unbekannte Höhle entdeckt. Sie wurde sogleich von den bedeutendsten Naturforschern aus Rheinland-Westfalen besucht. Zu nennen ist vor allem der Realschullehrer Prof. Fuhlrott, der Berger der Neandertalerreste und Heinrich von Dechen, ein Bonner Geologe und Oberberghauptmann, nachdem dann die Höhle benannt wurde.

Es wurden sofort Maßnahmen zum Schutz der Höhle unternommen und eine Erschließung für die Öffentlichkeit vorgenommen. Bereits im nächsten Jahr waren 30.000 Besucher da! Den Höhepunkt des Besucherstroms erlebte die Höhle im Jahre 1951 mit 322.556 Personen im Jahr. Seither nehmen die Besucherzahlen immer mehr ab, nicht zuletzt wegen des immer größer werdenden Angebots an Freizeiteinrichtungen, die eine immer größere Konkurrenz zu traditionellen Formen bilden.

Früher war die Höhle Eigentum der Bahn, die sie dann 1987 an die "Mark Sauerland Touristik GmbH" verkaufte. Der Schauhöhlenbetrieb wird seit 1984 durch Elmar Hammerschidt geführt, was ein Glücksfall ist, weil damit ein wirklich am Thema "Höhle" interessierter eingestiegen ist. Passierte viele Jahre hindurch an wirklicher Höhlenforschung in der Höhle nur wenig, hat sich das sehr gewandelt. In Zusammenarbeit mit einigen Universitäten werden wissenschaftliche Forschungsprojekte durchgeführt. 1976 wurde die Speläogruppe Letmathe gegründet und seit diesem Jahr finden dort die "Monatsversammlungen der Nordrhein-Westfälischen Höhlenforscher" statt. Die Bibliothek des Verbandes des Deutschen Höhlen- und Karstforscher ist dorthin verlegt worden, erst in Räumen im Dachgeschoß des "Hauses Dechenhöhle", jetzt in das eigene Gebäude des ehemaligen Höhlenmuseums. 2006 wurde das "Deutsche Höhlenmuseum" eröffnet.

Daß man eine Höhle auch anders nutzen kann, als nur als Besuchsobjekt, das hat man sich hier auch zu Nutze gemacht. Da gab es schon mal ein richtiges großes "Höhlendinner" z.B. anläßlich des 1989 dort organisierten "Symposiums zur Geschichte der Höhlenforschung in Deutschland". Da gibt es in der Weihnachtszeit spezielle Führungen, man kann die Höhle auch für einen Kinderfasching mieten, für ein Betriebsfest oder zu einem der regelmäßig stattfindenden Höhlenkonzerte gehen.

Elmar Hammerschmidt bei der
Kartenkontrolle
Der letzte Besucher

- grad noch erwischt

 
Ein "Klangstein" in der Höhle - zum Erzeugen
von harmonischen Strukturen benutzt

Beim Höhlenkonzert

   

 

Im Höhlenmuseum

Ein Tropfstein zum Anfassen!

 
 
   

Im Höhlenhaus auch noch entdeckt, Höhlenkunst.

Höhlenbilder von
Daniela Weißmann

 


900 m Gesamtganglänge hat heute die Höhle, wovon 360 für den Besucherverkehr erschlossen sind. Geologisch gesehen ist sie möglicherweise nur ein kleines Teilstück eines einstigen Riesenhöhlensystems, das sich unter dem heutigen Grünerbachtal erstreckt.

Alte Postkarte

 


Klangsteinspielen in der Höhle


Literatur:

Hammerschmidt, Elmar Die Dechenhöhle und die deutsche Höhlenforschung, Speläologisches Jahrbuch, Verein für Höhlenkunde in Westfalen, Tagungsband 2007
Hammerschmidt, E., Niggemann, S., Grebe, W., Oelze, R., Brix, M.,R. & Richter, D.K. Höhlen in Iserlohn, Schriften zur Karst- und Höhlenkunde in Westfalen, Iserlohn 1995
Beyer, Peter Weihnachten in der Unterwelt, Altöttinger Liebfrauenbote Nr. 51 / 52 - 19.-26. Dezember 2010

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