Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Kluterthöhle in Ennepetal, D


In dem 2008 erschienenen Begleitband zur zum 10ten Male stattfindenden Ausstellung "Kunst in der Höhle" in der Kluterthöhle bei Ennepetal heißt es ziemlich anmaßend, sie sei "die größte Naturhöhle Deutschlands". Mit ihren 5503Metern erforschter und vermessener Gesamtganglänge gehört sie heute, 2008, gerade noch zu den 10 längsten Höhlen Deutschlands und ist drauf und dran, bald von diesem Platz verdrängt zu sein. Und die geologischen Gebenheiten sprechen kaum dafür, daß sich daran noch viel ändern wird.
Die 15-20 m dicke Kalksteinschicht, in der sich die Höhle entwickelt hat, wird ringsum von wasserstauenden Schiefer- und Grauwackenschichten umgeben. 15 Meter über dem Niveau der Ennepe liegt der Eingang. Der höchste Punkt liegt 7m darüber in der Trümmerhalle, der tiefste wurde in 7 m Tiefe im Abflußsiphon des Konigssees, 25 unter dem Eingang erreicht. Auch flächenmäßig ist das Gebiet sehr begrenzt. Die Grundfläche beträgt 400 x 200 m², also gerade 80.000 m². Der Typ der Höhle war durch die Laugungsvorgänge bestimmt, als die Kalkschicht noch unter dem Grundwasserspiegel sich befand. Kohlesäurehaltiges Wasser drang auch noch in winzigste Spalten und löste den Kalk überall dort auf, wo es halt ging. So entstand ein Netzwerk aus lauter Gängen, das oft sehr gleichartig und gleichförmig aussieht. Einzelne noch in der Höhle fließende Bäche haben mit der Uranlage der Höhle nichts zu tun. Die meisten Tropfsteine, die einstmals die Räume wohl auch geschmückt haben, sind bereits weg. Schon 1912 beklagten Zelter und Koep das Verhalten ihrer Zeitgenossen, denen sie "unglaublichen Unverstand" zuschrieben und an ihnen eine "böswillige Zerstörungswut" zu erkennen meinten, bei ihren "Zeitgenossen des bildungsstolzen 20. Jahrhunderts". Ihnen fielen im sog. "Streuselschloß" die letzten bis zu 83 cm langen Tropfsteine dann zum Opfer.

Während der Kriege diente die Höhle als Zuflucht. So war das schon während des klevischen Erbfolgekriegs, wo die einheimische Bevölkerung vor den spanischen Truppen sich in der Höhle versteckte, und später, während des Weltkriegs, fand man wieder dort Schutz.

Während dieser Zeit soll immer wieder von Heilungen allerlei Krankheiten berichtet worden sein. Nach dem Krieg nutzte man diese Erfahrungen und am 4.11.1954 wurde die Höhle vom Deutschen Bäderverband als "heilklimatische Höhle" anerkannt. 1955 wurde sie auf die "Liste der ernsthaften Bäder" aufgenommen. Heilungsmöglichkeiten sei gegeben bei Asthma bronchiale, chronischer Bronchitis und weiteren Krankheiten.

In den vergangenen Jahren steigt die Besucherzahl der Schauhöhle konstant weiter an, während andere Schauhöhlen in der Umgebung massive Einbußcn haben. Ein wichtiger Grund dafür sind die aktiven Bemühungen, durch spezielle Veranstaltungen Leute anzulocken. Da gibt es z.B. eine Halloweennacht, Schatzsuchprogramme für Kinder bereits am Vormittag und ziemlich teure Abenteuertouren durch die Höhlen, wo die Leute durch richtiges Schlufstrecken und ähnliches geführt werden. Schon zu einer regelmäßigen Einrichtung sind die Kunstausstellungen in der Höhle geworden.


"Beton, Beton..."
Refrain eines Liedes von Gerhard Polt
 
Die Fuchssage - bildnerisch dargestellt
  L'Entrée

mit "Halloween"-Plakat

Für die Kids wird hier viel getan

- z.B. wurde hier dieser Kriechtunnel vor dem
Eingang gebaut

 

 

Ganz in der Nähe... der Eingang in die Bismarckhöhle....entdeckt beim Bau der Eisenbahnlinie

 


 

Literatur:

Bender, Hartmut, Kliebhan, Bernhard Zur Geschichte und Erforschung der Höhlen im Ennepetal, Sonderdruck
Lindenmayr, Franz Die Kluterthöhle, in: Lindenmayr, Franz, hrsg. von, Tagungsband HÖREPSY 2008, Gröbenzell 2008
ohne Verfasserangabe Ennepetal 11. April - 4. Mai 2008 Kunst in der Höhle, Ausstellungskatalog
Spannagel, Karl Hermann Die medizinische Wirkung der Kluterthöhle auf das Asthma bronchiale und die chronische Bronchitis, S. 149

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