Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Nebelhöhle, Schwäbische Alb


Lichtenstein, die Nebelhöhle und Wilhelm Hauff


Bekannt ist sie seit Urzeiten, erstmals urkundlich erwähnt seit 1486. Wegen des beschwerlichen Zustiegs durch einen "mühsamen und beschwerlichen Schlupf" taten sich diese Reise in die Unterwelt früher wohl nur wenige an. Das änderte sich erst, seit der Kurfürst Friedrich I. vom Württemberg auch mal dieses Loch sehen wollte. Dafür schlug man einen bequemen Zugang in den Fels, der die allgemeine Zugänglichkeit verbesserte. Schon seltsam, aber heute wirken diese alten Anlagen auch schon wieder sehr antiquiert. Man sieht sie am Ende des Schauteils, wo zwei Treppenanlagen in die Höhe führen, wo von draußen das Tageslicht hereinkommt. Wer diese Örtlichkeit von außen sehen will, der muß sich heute erst einmal Gedanken darüber machen, wo denn eigentlich die "Alte Nebelhöhle" ortsmäßig in Bezug auf die "Neue Nebelhöhle" liegen könnte. Tatsächlich kommt man an dieser Stelle vorbei, wenn man dem Wanderweg Richtung Unterhausen folgt. Wer sich nicht auskennt, der wundert sich wohl, was dieser betonierte Abstieg mit Satteldach und der verfallenden Vermauerung nebenan denn bedeuten könnte.

Heute geht man über den neuen Einstieg 25 m in einer Art Stiegenhaus in die Tiefe und kommt plötzlich in einer Naturhöhle heraus. Gleich ist man in der "Neuen Nebelhöhle, die erst 1920 entdeckt worden ist. Dort ist der Erhaltungsgrad der Tropfsteine noch etwas besser als in dem altbekannten Teil, aber die Form, in der der Besucher die Unterwelt sehen kann, die ist doch ziemlich karg. Drahtgitterzäune sollen die Besucher abhalten, in die Tropfsteingruppen hineinzugehen, aber mich erinnert so etwas an Schrebergärten. "Eine phantastische Märchenwelt aus mächtigen Tortengebilden, dünnen Säulen, Sinterkaskaden und anderen Gebilden" sei da zu bewundern, schreibt ein Beschreiber dieser Höhle, ein anderer hat geschrieben: ""wie mächtige Säulenhallen eines Geisterreiches muten die Höhlenräume an, spielerisch ausgestaltet mit zauberhaften Gebilden, in denen die Phantasie des Beschauers die eigenartigsten Gruppen und Figuren erkennt". Es ist sehr schwierig, einigermaßen sprachlich da mitzuhalten, was sich in der Natur da zeigt. Ich verbeiß mir das mal.


Einen Führer haben wir im April 2007 jedenfalls nicht dabei gehabt, als wir, Willi Adelung und ich, sich einmal aufgemacht haben, die Höhle zu besuchen. Alle konnten ganz für sich durch die Höhle laufen, in der ersten Halle wurde ein in breitem Schwäbisch gesprochener Text in Endlosschleife abgespult, der die Besucher über die wichtigsten Einzelheiten informieren sollte. Ansonsten waren alle sich selbst überlassen. Stumme hölzerne Wegweiser waren dann die wichtigsten Hinweisgeber. Unter dem Hinweis auf die "Ulrichshöhle" stand, daß es da zu keinem Ausgang gehen würde, ganz wichtig, denn, wer sich dahinauf aufmacht, der muß den selben Weg auch wieder zurück. Dort oben ist nämlich eine Sackgasse, nachdem man sich über viele Stufen und eiserne Treppen bis in die Endkammer vorgerampft hat. Ein abgesägter Tropfstein ist auch eine Attraktion. Er wurde geopfert, um im Stuttgarter Schloß wieder eine Sinterverkleidung im Treppenhaus herstellen zu können. Resümée: Eine alte ansehnliche Tunnelhöhle, der man ihr Alter immer mehr anmerkt. Insbesondere bei der Beleuchtung. Die wirkt schon sehr antiquiert. Wird da zuwenig Geld verdient, daß keine neuen Investitionen mehr getätigt werden? Schade.

Die Nebelhöhle diente einmal als Resonanzraum bei der Aufführung der "Musikalischen Grafiken" nach Motiven des Gedichtzyklusses "Höhlensprache" des Lyrikers Werner Dürrson. Man spielte "ganz aus der Dunkelheit heraus bei einer Temperatur von 9° Celsius (Feßmann 14).Der SWR2 nahm die Performanz für eine Sendung in der Reihe "Literatur regional" auf. Der Redakteur war Reinold Hermanns. Mitgewirkt haben auch Annelgret Müller (Gesang) und Helmut Müller (Saxophon).

Der neue und der alte Zugang

im Jahre 2007

   

Altes Schulwandbild


Ältestes Bild aus der Nebelhöhle: Kupferstich aus der Topograpisch-Physischen Beschreibung des Nebellochs bey Pfullingen im Churfürstentum Wirtemberg..." Stuttgart 1805


Herzog Ulrich in der Nebelhöhle

 


Literatur:

Binder, Hans, Bleich, Dr. Klaus Eberhard, Dobat, Dr. Klaus Die Nebelhöhle, Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde, Reihe A, Heft 4, 8. Auflage, München 1997
Feßmann, Prof. Klaus KlangSteine, südwest, München 2008
Scheff, Jürgen Die Höhlen des Kartenblattes Reutlingen 7521, Laichinger Höhlenfreund 25-1978, S. 4ff.
Scheff, Jürgen Blütenpflanzen und Farne in Höhleneingängen der Mittleren Schwäbischen Alb - eine ökologisch-pflanzensoziologische Untersuchung, SBeiträge zur Höhlen- und Karstkunde in Südwestdeutschland Nr. 10, Stuttgart 1976, S. 6 ff.

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