Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Guiers Vif
 
Chartreuse, F


In der Umgebung von Guiers Vif kommt bei weitem das meiste Wasser aus einer in der Chartreuse bekannten Karstquelle. Im Durchschnitt sind das 646 l/s (bei Hochwasser 10m³/s). Im Vergleich dazu sind es bei der Guiers Mort 100 l/s (Dent de Crolles-System), in der resurgence du Cernon 460 l/s. (Reseau de l'Alpe). 

Die Verhältnisse sind grundsätzlich sehr ähnlich, weil all diese Karstgebiete in der großen Synklinalen an der Ostseite der Chartreuse im Urgonienkalk liegen, die vom Dent de Crolles bis zum Granier reichen. Das Gebiet über der Höhle trägt den Namen Aulp-du-Seuil und umfaßt eine geschätzte Oberfläche von 9,1 km². 

Der Höhleneingang war wohl immer schon bekannt, sieht man doch eine große Höhlenöffnung am Ende des Cirque de Saint-Même oberhalb von St-Pierre d'Entremont schon von weitem. In mehreren Fällen stürzt das Wasser zu Tale und beim obersten Falle zeigt sich ein Wandloch, aus dem sich das Wasser ergießt.

Die Örtlichkeit ist ein sehr beliebter Platz, zu dem viele Touristen heute kommen. Wer vor 9 Uhr seinen Wagen auf dem Parkplatz davor abstellt, der muß noch nichts bezahlen. Danach ist er kostenpflichtig, was scheinbar niemanden abhält, dorthin zu fahren. Man wandert bergauf und kann zwischen mehreren Wanderrouten wählen. Sie führen zu den Aussichtspunkten auf verschiedene Wasserfälle: La Pisse du Guiers, Grande Cascade, Cascade des Sources. Ein breiter Weg führt steil bergauf in die Nähe der Cascade des Sources. Nach rechts geht es in Richtung des Pas Ruat, gewarnt auf einem Schild von den Schwierigkeiten, die dieser Weg mit sich bringt. Mit Drahlseilen und Eisenstangen gibt es da einen Kletterpfad durch die Wand gleich neben dem Wasserfall. Hat man diese Stelle hinter sich, dann käme man zum Tunnel du Pas Ruat und durch den schließlich in den Vorraum der Guiers Vif-Höhle. Wer es einfacher haben will, der folgt dem Wanderweg nach links, passiert eine große Höhlenöffnung ohne Fortsetzung, steigt über eine felsige Stufenfolge und quert schließt in luftiger Höhe hinüber in die mächtige Eingangsregion der Höhle. Ein Stahlseil und Eisenketten geben Mut, um weiterzugehen. Ein großes Höhlentor kommt ins Blickfeld. Auf einem gebahnten Weg geht es dorthin. Ein bißchen beherzt muß man schon sein, um diesen Weg zurückzulegen.

Um 1900 herum vermißt Eduard Martel erstmals die Höhle auf 600 m und zeichnet einen Plan. Pierre Chevalier forscht weiter und trägt die bekannte Höhlenlänge auf 1.200 m. Nach und nach werden über Schlote verschiedene höher gelegene Höhlenteile erkundet, aber nirgends ein großer Durchbruch erreicht. Erst mit den Tauchern gelingen größere Neuerkundungen. 1991 und 1992 gelingen englischen Höhlentaucherkletterern neue Erfolge, in dem sie eine Verbindung zu dem nahe gelegenen Trou de Flammes finden. Inzwischen wurde auf der Gouffre Tasurinchi mit seinem "rivière Chevalier" dazugehängt. Der starke Lufzug in vielen Höhlengängen regt ziemlich die Phantasie auf Neuentdeckungen an - immerhin soll das System heute schon 16 km Länge haben, was wohl erst ein kleiner Teil der wirklich vorhandenen Höhle tatsächlich ist.

     
     

Literatur:

Ariagno, D. Le G2 ou gouffre Alain-Daniel et le reseau du Guiers-Vif (Grande Chartreuse), Echo des Vulcains 44-1984, p 13-19
Bourgeois, Denys Quelques nouvelles des fronts..., Spelunca 111 2008, p25-30
Brock, David, Goddard, Andy Recent explorations in the Guiers Vif resurgence, The International Caver (7) 1993, p 27-32
Hobléa, Fabien, Nant, Jacques, Durand, Robert, Cabrol, Bruno, Bourgeois, Denys, Chabod, Pierre-Olivier Karsts du Massif de la Chartreuse, KARSTOLOGIA Mémoires, n° 19  2010, Responsable d'édition Philippe Audra
Lismonde, Baudouin, Drouin, Philippe Chartreuse Souterraine, édité par le CDS de l'Isère 1985
Safon, Arthur, Drouin, Philippe Du gouffre Tasurinchi aux sources du Guiers-Vif par la rivière Pierre Chevalier, Spelunca 53, 1994, p 31-39

 

Links:

http://chartreuse-tourisme.com/noesit/!/fiche/speleologie-grotte-du-guiers-vif-604003

http://www.olivier-testa.com/speleo-grotte-du-guiers-vif.html

https://www.camptocamp.org/routes/539750/fr/cirque-de-saint-meme-grotte-du-guiers-vif

http://sgflt.free.fr/spip.php?article16&lang=fr

Landschaft und Höhlen in der Chartreuse, Dep. Isère, F


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