Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlenforschung in Chapel-la-Dale, Yorkshire


Der "Welt" den Arsch zurecken und sich immer tiefer in die Erde bohren, das ist auch echte Höhlenforschungserfahrung... auch hier in den Yorkshire Dales


"Eines der schönsten halbblinden Täler ist das von Chapel-le-Dale (Dale Beck) zwischen Ingleborough und Whernside. Nach Erreichen der Kalkregion durchzieht der aus dem Blea Moor kommende Wasserlauf die malerische Durchgangshöhle von Gatekirk, nach seinem Wiederaustritt eine canonartige, von Felsblöcken erfüllte Einsturzschlucht. Oberhalb Weathercote endet das Flüßchen neuerdings in einer Vollversinkung, während das anschließende Trockental weiterhin zur Schachtöffnung des Hurtle pot und schließlich zu der des Sand pot führt, die beide den unterirdischen Lauf des Dale Beck in die Tiefe sichtbar werden lassen. Bei Weathercote mündet der kleine Eller Beck unterirdisch in das Höhlengewässer ein, das etwa 1,5 km nördlicher auf der Kalksteinplatte versinkt. ....unterhalb des Sand pot kommen endlich die Gewässer im flachen Boden des bis hierher führenden Trockentalung aus dem Quelltor "God's Bridge" wieder zutage, um sich dann schluchtartig in das Silur einzugraben." Mit diesen Worten hat Helmuth Cramer sachkundig diese für den Liebhaber solcher Landschaften sehr erfüllenden Region einmal auf deutsch beschrieben.

In den Informationen, veröffentlicht anläßlich des UIS-Kongresses in Sheffield, heißt es: "The road passes straight along the fine glacial valley of Chapel-le-Dale, with limestone scars overlooking the wide valley floor cut down into the underlying slates and grits".

Gleich nach Ingleton, dem "caving centre of Northern England", liegt rechterhand die Schauhöhle "White Scar Cave". Daneben gibt es noch viel viel mehr Höhlen, die meisten an der Kontaktzone Schiefer/Sandstein/Kalk. EIn paar Namen: Tatham Wife Hole, Black Shiver Pot, Meregil Hole, Sunset Hole, Great Douk Cave usw. und so fort.

Im August 1978 war ich mal alleine dort, habe in Bernie's Cave lauter gastfreundlichste Höhlenforscher aus der Gegend kennengelernt, und bin mit ihnen einige Tage durch die Gegend gezogen - auch ins Chapel-le-Dale zum Höhlenforschen. Eigentlich war alles ganz einfach. Wir übernachteten in einem alten Stall gleich beim Hill Inn. Das war DIE Kneipe in der Gegend, strategisch bestens gelegen, weil keiner mehr Rücksicht auf irgendwelche Promille nehmen mußte. Dann war auch das schlechte Wetter nicht mehr so wichtig, obwohl es dauernd "Hunde und Katzen" vom Himmel herab gab. Am Morgen was unser Domizil nur in hohen Gummistiefeln trocken verlaßbar, weil das Wasser schon bis wenige Zentimeter unter unsere Liegeflächen reichte! Egal, das war für mich Yorkshire feeling.

Einmal gingen wir dann auch auf die Limestone pavements hinter der Wirtschaft hinaus und die Engländer wollten richtig "forschen". Jedes Löchlein wurde angeschaut, eventuell auch erweitert, vorgemerkt zumindest in deren "minds", wenn es ein bißchen mehr versprach. Ich war da nur Mitläufer, habe mich aber über die herrlichen Fotomotive gefreut, die die englischen Höhlenkameraden abgaben.

White Scar Cave
Tatham Wife Eingang

 

 

 

Literatur:

Glover, R.R., Pitty, A.F., Waltham, A.C. Caves and Karst of the Yorkshire Dales - Guidebook for the International Speleological Congress 1977
Cramer, Helmuth Die Karstgebiete der Britischen Inseln, Sonderabdruck aus "Ptermanns Geographische Mitteilungen" 1955, 4. Quartalsheft, S. 17ff.
Beck, Howard The Great Douk Saga, p 60ff.
Waltham, Tony Caves, crags and gorges, A Constable guide, London 1984
Murphy, Philip J with contributions by David Judson, Tom C Lord & Brian Parry Exploring the Limestone Landscapes of the Three Peaks and Malham, BCRA Cave Studies Series: 15

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