Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen auf der Insel Santa Cruz, Galapagosinseln, Ecuador


Santa Cruz ist die zweitgrößte der Galapagosinseln mit 986 km² Fläche. Die höchste Erhebung ist der Cerro Crocker mit 864 m. 43 km ist sie maximal lang, 31 km breit.

An der Südküste an der Akademy Bay liegt der wichtigste Ort der Insel, Puerto Ayora, der 19.000 Einwohner haben soll. Daneben gibt es noch zwei kleinere Ansiedlungen, Santa Rosa und Bellavista. Die Entwicklung der Insel wird stark gelenkt und eher gebremst als gefördert, nichtzuletzt aus Naturschutzgründen, zumindest im Moment. Hauptsächlich leben die Menschen heute dort vom Tourismus, was erhebliche Folgen für das Preisniveau hat. Grob gesagt ist alles mindestens doppelt und dreifach so teuer als auf dem Festland (Ein Beispiel: 1 Fahrrad auszuleihen für einen Tag kostet 20 Dollar)!

Die meisten Besucher erreichen die Insel mit dem Fährschiff, das den Canal de Itabaca befährt, der Santa Cruz von der Insel Baltra trennt, wo der große Verkehrsflughafen liegt. Von dort geht auf der einzigen großen Fahrstraße entweder mit dem Bus oder einem Taxi quer durch die Insel nach Süden. Es kann einem schon da passieren, daß man kurz halten muß, um eine der großen grauen Schildkröten die Straße überqueren zu lassen!

Puerto Ayora ist heute das touristische Zentrum der Galapagosinseln. Die Hotels werden auch immer höher. Immer wieder wird ein weiteres Stockwerk oben draufgesetzt. Entlang der Küstenlinie wurde eine moderne Straße für Einbahnverkehr angelegt, zu der parallel dazu ein ebenso breiter Fahrrad- und Fußweg zwischen schier zahllosen Hotels und Kneipen verläuft. In den Lücken dazwischen liegen die Souveniershops und die Tourenanbieter, viele Kleinhändler, Bäckereien und Wäschereien.

Auf dem Weg nach Las Grietas
     
Las Grietas
     
 
     
Gus Angermayers "Höhle"
     

Geologisch gesehen ist Santa Cruz ein großer sog. Schildvulkan, der etwa 1,3 Millionen Jahre alt ist. Er besteht aus zwei Teilen, einer älteren plattformartigen Einheit und dem jüngeren, schildförmigen Teil. Es gibt eine große Anzahl von speläologisch relevanten Formen wie Lavatunnels, schachtförmige Krater und sog. "parasitic cones", turmförmige Bildungen aus Lavagestein, die innen hohl sind.

Einige Höhlenerscheinungen sind allgemein zugänglich und ausgeschildert:

- Los Gemelos
Die beiden schachtförmigen Krater liegen direkt an der Hauptverbindungsstraße links und rechts davon in 560 m Seehöhe. Sie entstanden durch den Einsturz unterirdischer Magmakammern oder gasgefüllten Hohlräumen. Man kann auf einem Weg drumherum gehen und kann dabei auch den Scalesiawald bewundern, den es dort gibt. Die Scalesias sind nur auf den Galapagosinseln vorkommende Pflanzen, die mit "Baumsonnenblumen" übersetzt werden. Dort gibt es auch einige seltene Finkenarten und die sog. "Zauberervögel". Höhlenforscher sind schon in den Krater abgestiegen und haben den Pozo de Los Gemelos erforscht. 64 m geht es in die Tiefe.

- El Mirador
1,4 km von Puerto Ayora entfernt, direkt an der Straße nach Bellavista auf der linken Seite, wo die Straße abwinkelt, liegt ein kleiner Parkplatz, 85 m über dem Meer. Dort steht auch die kleine Informationstafel, die auf die gleich danebenliegende Schachtöffnung aufmerksam macht. Ein kleiner Fußweg führt daran vorbei bis zu einem weiten Einbruchskessel, von dem aus man in beiden Richtungen in einen horizontalen Tunnel gelangt. Die typische Lavatunnelstruktur ist gut zu sehen. Durch das Deckenloch kommt so viel Licht herein, daß man gar kein eigenes Licht braucht. Das Ende ist an einer großen Schutthalde erreicht, die beim Bau der Straße darüber entstanden ist und die mehrere hundert Meter lange Fortsetzung vollkommen verschließt.
Die Höhle ist schon seit langem bekannt gewesen. Als Entdecker gilt der Deutsche Karl Kubler, der ehemalige Besitzer des Grundstücks, der 1936 auf die Insel kam, und ihr seinen Namen gab: "Cueva de Kubler". Man hat Temperaturmessungen in der Höhle durchgeführt und einen Durchschnittswert von 24° C ermittelt. Das Maximum war 26° C zwischen Januar und März, das Minimum 21° C von Juli bis Oktober.

 
     
 
     
 
     
 
     
 

Einige verkehrsgünstig gelegene Höhlen werden heute als Schauhöhlen geführt oder sind zumindest für einen exklusiven Kreis von Touristen erschlossen. Es sind dies:

- Bellavista oder auch Gallardo's Cave oder auch "Love tunnel"
Sie liegt 6,8k km nördlich von Puerto Ayora in 310 m Seehöhe direkt an der Fahrstraße vom kleinen Ort Bellavista Richtung Cascajo. Fast 1 km Höhlenstrecke ist für die Öffentlichkeit erschlossen und mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet. In der Regel durchschreitet man die Höhle bis zum anderen Ende an einem Einbruchskessel und geht dann wieder in der Höhle zurück.
Die Höhle hat sich in einem Zug mit der Verfestigung des flüssigen Lavagesteins gebildet. Geologen nennen das "syngenetisch". Die durchschnittliche Höhe beträgt 5,60 m (maximal 10 m), die Breite 6,60 m (maximal 18 m). Die Gesamtlänge der Höhle ist 2.250 m. Die Neigung des Höhlengangs beträgt ca. 2,5 Prozent, was auf die gesamte Länge zu einem Höhenunterschied von 53 m führt.
Für mich ist sie die besuchenswerteste Schauhöhle der Galapagosinseln, weil sie wegen ihrer enormen Dimensionen alle anderen übersteigt.

Bellavista 1
     
 
     
 
     
 
     
Bellavista 2
     
 
     
 
     
   
     
Soyla
     
 
     
 
     
 
     
 

- cueva de El Chato oder auch "Tunel de los Piratas"
In der Nähe von Santa Rosa liegt auf dem Gebiet der Ranch El Chato diese teilweise für den Tourismus erschlossene Höhle. Sie hat mehrere Eingänge und Nebenteile, die teilweise wieder zusammenführen oder parallel zueinander verlaufen. 1,2 km sind vermessen mit einem Höhenunterschied von 42 m.

 
     
 
     
 
     
 
     
 

- cueva Prémicias
Ebenfalls in der Umgebung von Santa Rosa liegen im El Chato Reservat die beiden Eingänge zur cueva Prémicias. Touristen werden mit einem Kleinbus zu einem Eingang gefahren, durchwandern den horizontalen Tunnel und kommen nach mehreren hundert Metern beleuchteter Höhlenstrecke am anderen Ende wieder heraus, wo der Bus schon wieder wartet und sie zurückbringt. Einzige Schwierigkeit ist kurz vor dem Ende eine kurze Höhlenstrecke, die auf allen Vieren durchquert werden muß, da die Decke so weit herunterkommt. Die Höhle hat auch einen beachtlichen nichtausgebauten Teil, an dem die allermeisten vorbeilaufen, ohne ihn wahrzunehmen. Es gilt ein paar Meter abzusteigen. Dann steht man in einer großen Tunnel, dem man bis zu einem Versturz begehen kann. Kurz vor dem Ende liegen die Skelettteile eines ganzen Pferdes auf dem Höhlenboden.

 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     

- weitere kurze Schauhöhle in der Umgebung von Prémicias
In der Umgebung der Ranch gibt es noch eine beleuchtete Schauhöhle, auf die nirgends hingewiesen wird. Man muß einfach in dem kleinen Wäldchen nach Vertiefungen in der Erdoberfläche Ausschau halten. Zu einer führt ein Trampelpfad, der direkt zum Eingang leitet. In der Umgebung gibt es noch mehr Höhlen. Eine davon soll sehr bedeutend sein, weil man darin viele Schildkrötenpanzer gefunden hat. Man spekuliert, ob da der Mensch seine Hand im Spiel hatte. Vielleicht legte er da einen Nahrungsvorrat für sich an, in dem er die Tiere fing und sie in die Höhle sperrte.

 
     
 
     
 
     
   

- cueva Royal Palm
Auf dem Gelände der exklusiven Royal Palm Hotels liegt eine nicht allgemein zugängliche erschlossene Höhle. Sie ist zur Hälfte mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet. Der Hotelmanager geht mit den Gästen, die das wünschen, in die Höhle und zeigt sie ihnen. Ein früherer Besitzer des Geländes hatte in einer tief gelegenen Kammer sich einen Weinkeller angelegt.

 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
Reste von Schildkrötenpanzern
     
   

Im Jahre 1982 begannen französische Höhlenforscher, sich systematisch für die Höhlen der Insel zu interessieren. Spanische Kollegen setzten die Arbeit fort, 2010 begannen amerikanische Höhlenforscher mit einer neuen Phase der Erforschung. Wie sich zeigte, fing man am besten wieder von vorne an. Von vielen Höhlen fehlten präzise Ortsangaben, so daß mit den Angaben in der Literatur nur wenig anzufangen war. Die Höhlen werden neu vermessen, GPS-Koordinaten werden ermittelt, genaue wissenschaftliche Untersuchungen zur Biologie und Mineralogie angestellt. Bedeutsame Neuentdeckungen wurden gemacht, wie z.B. die Ersterkundung von "The Pyramid", einem Vulkanschlot von bedeutsamer Dimension, der sich in die Höhe über der Erdoberfläche türmt. Die längste Höhle der Galapagosinseln, die die cueva Cascajo wird neu vermessen, und es stellte sich dabei heraus, daß sie zugleich auch die tiefste bekannte Höhle dort ist. Sie hat 14 Deckenfenster, die als Eingänge in das unverzweigte System darstellen. In den Gängen gibt es bis zu 4 verschiedenen Niveaus, die Zeugen für die mehrstufige Höhlenentstehung darstellen. Jedes dieser Niveaus wird eigens erfaßt, so daß etwa bei einer Höhlenstrecke von 20 m bei 4 Niveaus, die jeweils einzeln gezählt werden, 80 Ganglänge herauskommen. Der Hauptgang ist auf  2.007 m Länge vermessen, die Gesamtganglänge 3.010 m. Bei unserer Tour im März 2014 stießen wir in einem Schachteingang auf ein junges Rind, das noch lebte, aber nicht mehr hinauskonnte. Als wir 3 Tage später wiederkamen lag es bereits tot am Boden und ging langsam in Verwesung über. Hunderte von Fliegen umkreisten bereits das Tier.

 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     

 

Literatur:

Addison, A. Gálapagos - Caving the Equator, NSS NEWS 69 2011: 8-18
Addison, Aaron, und andere Recent Investigations in the Galapagos Islands, Ecuador, 2013 ICS Proceedings, 2013, p 15ff.
Chabert, Claude, Courbon, Paul Atlas des cavités non calcaires du monde, UIS, 1997
Gallardo, G., Toulkeridis, T. Volcanic Caves of Galapagos and other speleological attractions, Geo-series #2 CGVG-USFQ: 56
Hernández, JJ, Izquierdo, Oromi Contribution to the vulcanospeleogy of the Gálapagos Islands, 6th International Symposium on Vulcanospeleology 1991, Pages 204-220
Middleton, Greg Caving on the Equator - Ecuador '97, Journal of the Sydney Speleological Society, 1998, 43 (5): 111
Séméria, Brigitte, Boutleux, Emmanuel Les tunnels de lave de Galápagos - Un paradis méconnu, Spelunca 126 - 2012, p 37ff
Walker, John Pirate Tunnels of Santa Cruz, DESCENT (116) 1994, p 24

Links allgemein:

Links speläologisch:


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