Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen in Neuseeland

 

 


"Im Reisen wohnt die Sehnsucht nach dem Unendlichen...


Nordinsel / North Island

Südinsel / South Island

Maori und Höhlen

Labyrinthe in Neuseeland


Zwei Gegenreden gegen das weite Reisen:

Thomas Merton: Eine Entdeckung
In der Stille der Landschaft und des Waldes und in der Einsamkeit der Klausur meines Klosters habe ich das gesamte Abendland entdeckt. Hier war ich dank der Gnade Gottes imstande, die Neue Welt zu erforschen,ohne von Stadt zu Stadt zu reisen, ohne die Anden oder den Amazonas zu überfliegen und enen Tag hier, zwei Tage dort Halt zu machen und dann weiterzureisen. Wäre ich auf diese Weise umhergereist, hätte ich wahrscheinlich nichts gesehen: denn im Allgemeinen sehen diejenigen, welche viel reisen, am wenigsten.

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe
Ein Mensch kann, wenn er wahre Weisheit besitzt, das gesamte Schauspiel der Welt auf einem Stuhl genießen, ohne lesen zu können, ohne mit jemandem zu reden, nur seine Sinne gebrauchend und mit einer Seele begabt, die nicht traurig zu sein versteht. Man sollte die Existenz eintönig gestalten, damit sie nicht eintönig werde.


Ein Traum, immer wieder. So weit weg, wie nur irgendein Punkt auf dieser Erde sein kann, jetzt nicht buchhalterisch kleinkariert gedacht. Wenn ich von den Verhältnissen hier in Deutschland, die nur noch ganz wenig Luft zum Atmen lassen, weg will, wo könnte ich noch hingehen? Auf die Hohenmirsberger Platte vielleicht oder gleich nach Neuseeland? Friedensreich Hundertwasser hat auch dort seine zweite Heimat gesucht. Warum müssen wir bloß immer aus der "Heimat" weggehen, wegrennen?

Für jemanden, der bis in den tiefsten Haaransatz höhlengefärbt ist, stellt sich gleich die Frage, gibt es dort "Höhlen"? Die Antwort findet sich, zeitgemäß, gleich unter "showcaves.com". Es gibt so viele, daß das eigene Leben gar nicht reicht, sie alle kennenlernen zu wollen. Goethe taucht wieder auf: "In der Beschränkung..."

Im August 2007 will ich selber mal rüberfliegen. Gebucht hab ich schon...

Die größten Höhlen Neuseelands sind laut der Webseite (2007) des Neuseeländischen Höhlenverbandes die Bulmer Cavern im Mt. Owen mit 52 km, das Ellis Basin System und die Nettelbed Cave im Mt. Arthur, also alles Höhlen auf der Südinsel. Schon lange gemutmaßt worden ist, daß auch Neuseeland eine Höhle mindestens mit der magischen 1.000 m Tiefenmarke hat, ist sie inzwischen  entdeckt. Das Ellis Basin System  hat nun - 1020 m (2011), dann kommen das Nettlebed System und die Bulmer Cavern. Die Forschungen laufen weiter und über einen Zusammenschluß mit dem Nettlebad System könnte das gemeinsame System mit dem Stormy Pot - 1.200 m erreichen.

Die allgemein bekannteste Höhle ist sicherlich die Glühwürmchenhöhle bei Waitomo auf der Nordinsel......


"Be careful, you might get what you want."
Nun, wir sind zurück aus diesem Land auf der anderen Seite unserer kleinen Erde.

Und wir haben das bekommen, was wir wollten. Mehr, viel mehr. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich mich noch auf dieser Erde aufhalte. Das war manchmal richtig "überirdisch", was ganz gut zu den Sagen der Ureinwohner, den Maoris, paßt. Die kennen durchaus eine Unterwelt, die durch Stollen und Tunnels zugänglich ist, und Himmel, bis zu 10 an der Zahl, die über Leitern und herabhängende Lianen erreicht werden können. Und dann gab es Momente, wo ich mir gedacht habe, ob nicht ein Urlaub in Aichach oder Pfarrkirchen nicht mehr gebracht hätte. Endlose Rinder- und Schafweiden, blank gerodete Baumplantagen, ausgeuferte Industriegebiete um die Städte - das waren ein paar massive Schattenseiten, und die überall angebrachten Schilder "private property - keep out!"

Unsere Reise dauerte fast 5 Wochen. Geflogen sind wir mit ERMIRATES, die einen sehr guten Service und große Zuverlässigkeit bieten. Zweimal mußten wir beim Hinflug nach Auckland umsteigen: in Dubai und in Melbourne. Beim Rückflug ging es von Christchurch los, dann über Sydnex, Dubai wieder nach München. In Auckland hatten wir ein "mobile home" bei BRITZ/MAUI bestellt und sind dann 6000 km gefahren, bis wir das Fahrzeug in Christchurch wieder heil abgeben konnten. Wir hatten keinen großen Schlitten bestellt, keinen mit eigener Toilette und Dusche, denn dann ist der Wagen so groß, daß man so manchen Weg nicht mehr fahren kann.

Der Verkehr ist erst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Der Linksverkehr erfordert erst einmal eine Umstellungsleistung, besonders wenn der Fahrer eben auf der anderen Seite sitzt, die Blinker- und Scheibenwischerfunktion vertauscht ist und es eine besondere Vorfahrtsregelung für Rechts- und Linksabbieger biegt, um die man erst einmal wissen muß. Außerdem ist der Fahrstil wirklich nicht "easy-going" und "laid back". Gefahren wird, was hergeht, und es die Tempobeschränkung von 100 km/h noch erlaubt. Allerdings haben wir keinen einzigen Unfall die ganzen Tage über gesehen und die Polizei ist auch nur selten im Straßenbild zu sehen.

Was sehr angenehm auffällt, ist, daß es so sauber ist. Ein weggeworfenes Papier ist schon eine echte Seltenheit, gottseidank. Das läßt ans Paradies denken.


Wer nach Neuseeland wegen der Höhlen fährt, der wird es nicht einfach haben. Es gibt jede Menge Schauhöhlen, verstreut übers Land, die einen ersten guten Einblick geben. Und es gibt einen weltweit wohl einmaligen blühenden organisierten Höhlentourismus. Das startete vor etwa 20 Jahren in Waitomo und hat inzwischen auf andere Gegenden auch übergegriffen. Damit verdienen sich heute einige Leute ihren Lebensunterhalt, schafft Arbeitsplätze, öffnet so manche ansonsten vollkommen unzugängliche Höhle und ist auch immer wieder ein Beitrag zum Schutz dieser unterirdischen Objekte. Was lange Zeit kaum bekannt war, daß es nämlich großartige Höhlen gibt, das wurde inbesondere durch mehrere Fernsehfilme, die auf ein breites Publikumsinteresse stießen, korrigiert.

Wer aber eine Schicht tiefer dringen will, der bemerkt bald, daß es kaum veröffentlichte Informationen gibt. Vor einigen Jahren erschien einmal ein Höhlenatlas, der aber längst vergriffen, heute ziemlich veraltet und praktisch nirgends erhältlich ist. Hat man ihn dann tatsächlich in der Hand, sieht man zwar viele Pläne, aber es fehlen sämtliche Beschreibungen von Zugängen, vom Inhalt, vom notwendigen Befahrungsmaterial usw.. Was bei uns in hervorragender Weise etwa in den Salzburger Höhlenbüchern oder in den Katasterveröffentlichen der Schweizer über den Schweizer Jura Standard ist, gibt es dort nicht, absichtlich. Man hält mit solchen Informationen stark zurück und will damit privaten Höhlentourismus vermeiden. Man muß schon zu den lokalen Vereinen oder dem Verband gehen, um an solche Daten zu kommen. Im Hintergrund stehen sehr negative Erfahrungen aus der Vergangenheit. Da wurden noch Neuentdeckungen groß in den Tageszeitungen bekanntgegeben. Ergebnis war, daß dann man darauf folgenden Wochenende Busladungen von Leuten aus der Auckland dorthin fuhren und nach dem Besuch dieser Massen nicht mehr viel von der frisch entdeckten Schönheit übrig war. Ein zweiter wichtiger hindernder Faktor ist, daß sehr viele Höhlen auf privatem Farmland liegen, so daß ein freier ungehinderter Besuch nicht möglich ist. Man muß dann schon den Bauern um Erlaubnis fragen, ob man seinen Boden betreten darf, was einerseits schon sehr einschränkend und hinderlich ist, andererseits aber auch eine höhlenschützende Seite hat, was einen heimlichen Besuch mit dem Odium der Illegalität umgibt.

Bei einem solchen System ist es für ausländischen Höhlenforscher schwierig, in die Höhlenwelt dieses Landes zu kommen. Wenn man niemand kennt, funktioniert es nicht. Glücklicherweise für uns kümmert sich seit vielen Jahren Phill Round sehr gastfreundlich um diese Ankömmlinge. Aus vielen Ländern sind sie schon gekommen, hauptsächlich Höhlenfotographen. Bei denen hat Neuseeland einen besonders guten Ruf und da Phill selber ein Fotograph ist, klappt die Verständigung auch prima. Aus Europa kamen inbesondere aus Schweden Leute, aus der Schweiz und inzwischen auch aus Deutschland, insbesondere von den Grabenstettnern.

Ausgerechnet in der Zeit (August 2007), in der wir in Neuseeland waren, passierte auch einmal etwas in der Höhle. Höhlenunfälle gab es fast nie, und ausgerechnet da, schon. Ein Höhlenforscher aus Nelson, ausgerechnet ein Arzt, war in den tiefsten Teilen der Clearwater Cave in den Takakabergen auf der Südinsel von einem Versturzblock schwer verletzt worden. Die Meldung brachte es sofort auf die Titelblätter aller Tageszeitungen. Ein schwieriges Problem waren vor allem die Engstellen, die im Naturzustand kaum für einen Verletzten bewältigbar waren. Nach zwei Tagen war er aber wieder heil draußen!


Höhlenfotomotiv, gefunden in Phills Garage

 


All unsere Urteile sind, hoffentlich, und dann auch wieder nicht, von unseren gegenwärtigen Erfahrungen bestimmt. So leben wir Menschen halt. Vor kurzem habe ich die Erlebnisschilderung von jemanden aus Gröbenzell gehört, der 2006 um dieselbe Zeit in Neuseeland gewesen ist: "30 Tage Regen und 2 Tage schönes Wetter." Der tut sich sehr schwer, ein gutes "Urteil" über einen Urlaub in Neuseeland in den Monaten August und September abzugeben. Damit ist er absolut in der Reihe deren, die den Normalzustand abgeben. Glücklicherweise ist disese, unser Welt nicht nur "normal". Sie hat auch ihre "Capricen". Sie ist halt auch ganz anders. Ich würde unser Erlebnis mit "30 Tage Sonne und 2 Tag Regen" wiedergeben. Ich bin zufrieden mit dem Ergebmis. Er hat mich einfach immer wieder zu wirklichen Tränen gerührt. Und Norma auch.

Zu diesen Erfahrungen brauchen wir keinen BMW, MERCEDES, AUDI....


Literatur:

Reid, J.C., edited by A Book of New Zealand, first published 1964
Mayo, Sherry, Bown, Mark New Zealand's longest and deepest, Caves & Caving, Autumn 1995, p 28f.
Sjöberg, Rabbe CAVING THE KIWI-WAY, The British Caver, p. 26-29
May, David V. Speleology in New Zealand, Bulletin Volume 23, Part 2, July, 1961
Janz, Werner New Zealands Höhlenwelt, Reflektor 2-1985, S. 11ff.
Pröstler, Wolfgang Mitteilungen der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg, Nr. 29-1986, S. 20ff.
Müller, Thilo Höhlen in Neuseeland, Das Jahresheft 1993 der Arge Grabenstetten, Grabenstetten 1994, S. 64-83
Kosa, Attila Impressions on New Zealand Karst and Caving, The British Caver 112-1991, p 1ff.
Bain, Carolyn und andere New Zealand, lonely planet 2006
Kamm, Ulrich und Edeltraud Nationalparks in Neuseeland, München 1979
Jerono, Johannes Höhlen und Karst in Neuseeland, 2008, in: Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main 2006-2008, S. 163ff.
Crossley, P.C. The New Zealand Cave Atlas, 2 Bände, Edited by L. Main, 1993
Lipyeat, M. Delving Deeper. Half a century of cave discovery in New Zealand. Edited by I. Wright, 2003
Tränkle, T. New Zealand - powered by emotions, in: Jahresheft der Arge Grabenstetten 2001, 2002
Ransmayr, Christoph Geständnisse eines Touristen, S. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main 2004

Links:

allgemein:

Wetter in Auckland - Vorhersagen, und Karten

New Zealand Travel Packages - Discover New Zealand Holidays

New Zealand Tramper

TKI - Te Wharekura

www.adventurenewzealand.com

Travel Journals New Zealand

Neuseeland – Informationen für das Reisen nach Neuseeland – Die offizielle Seite von Tourism New Zealand Neuseeland

Tourism New Zealand's Corporate Website

New Zealand A to Z Canterbury

Department of Conservation

The Great New Zealand Touring Route

MAORI ART – CULTURE AREAS - Other Areas - 1966 Encyclopaedia of New Zealand

The Maori - Ki-o-Rahi - New Zealand in History

 

speläologisch

anthropospeläologisch

Unser Reisebüro:

http://www.australia-travelteam.com/

 

Empfehlenswerte Literatur:

Die grüne Doppelinsel down under ist zu einem Synonym für aktive Entdeckungsreisen geworden. In 42 Trekking- und Radrouten, der überwiegende Teil durch GPS-Daten gestützt, erschließen sich beliebte wie kaum bekannte Touren durch das Land der Kiwis.
  Neuseeland
Höllhuber, Dietrich, 932 Seiten, 2. Auflage 2009, 26,90 €, 45,9ß sFR
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