Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Böhmerwald (Sumava), Tschechien


Eine Landschaft mit wenigen Worten, so zu beschreiben, daß kein beiläufiges Blabla dabei herauskommt, das überall passen würde, ist ein Stück Sprachkunst. Und man sollte die Gegend schon gut kennen. Das ist bei mir nicht der Fall, denn für uns war das Land hinter dem Eisernen Vorhang immer verschlossen.

Auf der Webseite des Sumava-Nationalparks steht: "Bergplateaus mit emporragenden Gipfeln, die canyonartigen, durch Erosion entstandenen Taleinschnitte mit Flussläufen im Westen, das weitläufige Hochland Trojmezenska hornatina oder die Moldau-Auen im Süden". Eingebettet in die noch weitestgehend intakte Landschaft, die auch ein Spiegelbild von 50 Jahren Stillstand so nahe an der Grenze nach Westen ist, sind alte Orte, die einstmals recht wohlhabend gewesen sind. Der Bergbau brachte Bodenschätze zu Tage, Transportrouten wie der "Goldene Steig" brachten Beschäftigung.

Überquert man die Grenze, dann spürt man noch immer, daß man in eine Art anderer Welt geraten ist. Kleine Ortschaften mit zahlreichen Restaurants, kleinen Geschäften, die Zigaretten und Schnaps anbieten, kleine Pensionen, Glücksspielhallen, Liebesdienststellen, was es da nicht alles gibt. Die Häuser sind meist alt, aber viele schon wieder herausgeputzt, die Kirchen renoviert, so manches Hotelgebäude zeigt noch seine Herkunft aus spätkommunistischer Zeit, wurde aber nicht abgerissen.

Die einmaligen Bedingungen für die Natur wurden nach der Wende begriffen und der große Sumava-Nationalpark geschaffen. Als "Grünes Dach Europas" wird er, zusammen mit dem Nationalpark in Bayern, vermarktet.

 
     
 
     
 
     
 
     
   
     
 

 

Im Böhmerwald gibt es ein paar vereinzelte Kalksteinvorkommen. Eines davon liegt direkt am Fluß bei Cesky Krumnov, und zwischen Fels und Wasser zwängt sich eine kleine Wirtschaft mit Felsdachambiente.

In dem Buch von Kucera u.a. werden drei Höhlen angeführt: 27 Strasinska, 28 Jirickova j., 29 Sudslavicka sluj. Außerdem wird als Pseudokarsthöhle die 74 j. Poustevna genannt.

Den Eingang in Strasinska jeskyne zu finden, ist relativ einfach. Er ist nämlich auf vielen Touristenkarten eingetragen, die überall auch aushängen. Hat man einmal den Ort Stasin ausgemacht, dann muß man nur noch der Straße Richtung Drazovice folgen. Auf der rechten Seite der Straße, die anfangs von Obstbäumen gesäumt ist und über Wiesen führt, kommt eine Straßenbiegung. Dort sieht man schon die auffallende Tafel, daß sich hier ein Naturschutzgebiet befindet. Gleich daneben steht auch wieder eine große Informationstafel in dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs. Hier wird man den Eingang nicht finden, sondern man muß schon nach rechts auf dem Fahrweg vielleicht 50 m gehen. Dann ist linkerhand sofort in einer Senkung unterhalb einer Felswand der vergitterte Höhleneingang zu sehen. Massive Eisenstangen hat man da hineingesetzt, wo die Natur eigentlich einen Freiraum gelassen hat. Wo es ging, da wurde auch noch etwas aufgemauert, um auch schlanken Zeitgenossen das Hineinschlüpfen zu verunmöglichen. Die Eingangstür ist mit drei Schlössern gesichert, so daß hier wirklich nur mit den richtigen Schlüsseln etwas geht. Es fehlen jegliche Hinweise, wie man es denn anstellen müßte, um da legal hineinzukommen. Reste einer roten Schnur am Gestänge sprechen dafür, daß da einmal eine Hinweistafel einmal gewesen war. Vielleicht sollte man es bei der "Touristeninformation" in Stasin versuchen. Da spricht hoffentlich einer Deutsch. Leider sind die ganzen verfügbaren Informationen alle in tschechischer Sprache - und damit versteht man gar nichts.

Vielleicht sollte man es anders herum versuchen: Alle öffentlichen Informationen über die Höhle werden eingestellt und dafür öffnet man das Tor am Eingang wieder. So ist das das pure Frustprogramm. Man wird neugierig gemacht und dann heißt es Ätschibätschi, nix da.

Ich war gleich nach der großen politischen Wende dort und habe noch ganz einfach die Höhle betreten können. Der erste Eindruck war, daß es sich da um ein finsteres niedriges Felsloch handelt, in dem nicht viel mehr zu sehen ist, schließlich war es seit Anbeginn der Menschheit für alle offen. Alles, was da zum Heraustragen war, ist schon lange draußen. Ein großer Höhlenraum mit manchmal glitschigem Boden und links und rechts niedrige Schliefgänge, die alle wieder zusammenführen. Zweimal muß man da nicht hingehen.

 
     
 
     
 

 Links:

Strašínská jeskyně - Oficiální stránky obce Strašín
Ukrývá strašínská jeskyně tajemství? – Novinky.cz
Po 10 letech ukáže Strašínská jeskyně tajemství obřích hrnců — Regiony — ČT24 — Česká televize
Strašín

Es kommt selten vor, daß man vom fahrenden Zug aus den Eingang zu einer Höhle sehen kann. Im Falle der Sudslavicka sluj ist das der Fall. Wer mit der Eisenbahn von Passau kommend Richtung Prag unterwegs ist, der kann kurz nach Vimperk auf der rechten Bahnseite die Eingänge in die Höhle für einen Moment sehen.

Zu Fuß ist die beliebte Höhle leicht erreichbar und heute Teil eines Naturschutzgebietes südwestlich von Sudslavice. Man kann von zwei Parkplätzen aus dem beschilderten 4 km langen Rundweg folgen, der zwar vorhanden, aber nicht auffällig gekennzeichnet ist.

Früher wurde das Gestein der 500 m langen und zwischen 10 und 20 m Dicke messenden Marmorlinse in einem Gneissgebiet massiv abgebaut. Direkt an der Bahnlinie ist eine ca. 200 m lange Felswand, die zwischen 30 und 40 m hoch ist, freigelegt. Darin befindet sich auch das letzte Reststück einer sicherlich einmal viel größer gewesenen Höhle. Die Länge beträgt um die 20 m, die Breite ist bis zu 7 m. 1879 wurde sie beim Steinbruchbetrieb im Hügel von Opolenec angefahren und enthielt viel Steinschutt und Lehm- und Sandablagerungen voller paläontologischem Fundmaterial. 9.000 Knochen und 13.000 Zähne, die von 70 verschiedenen Tierarten stammen, wurden von J.N. Woldrich zwischen 1880 und 1883 aufgesammelt und bestimmt.

Am Eingang der Höhle hat man einen Picknickplatz errichtet, Bänke und Sitze laden zum Bleiben ein. Eine Schautafel informiert über alles wichtige, Sperrbalken sollen wohl Besucher davon abhalten, in die Höhle zu gehen, sind aber nur von symbolischer Qualität. Bei der Durchquerung gibt es eigentlich nicht viel zu entdecken. Ein bergwärts ziehender Felsspalt ist viel zu eng, um ernsthaft zu einer Befahrung einzuladen.

Eine eiserne Stiegenanlage führt die Steinbruchwand hinauf und ermöglicht so den Weiterweg.

Über die Höhle gibt es auch einen Geocache, der recht informativ ist, in englisch und tschechisch.

 
     
Alte Linde
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 

Links:

GC3MP25 Sudslavicka sluj/Sudslavice Cave (Earthcache) in Jihocesky kraj, Czech Republic created by gogo CZ

 


Literatur:

Tomek, Heinz Tschechien, DUMONT, Ostfildern 2012
Kucera, Bohumil, Hromas, Jaroslav, Skrivanek, Frantisek Jeskyne a propasti v Ceskoslovensku, Academia, Prag 1981
Bilkova, Daniela, Cilek, Vaclav, Hromas, Jaroslav, Novotna Jirina, Vavra Michal Navstivte... PODZEMI v Cechach, na Morave, ve Slezsku, Olympia, Praha 2002

Links:

Böhmerwald
Czech Republic - Böhmerwald im Sommer
Böhmerwald Tschechien Ausflugstipps - Sehenswürdigkeiten Bayerischer Wald Aktivurlaub Bayern Ausflugsziele Bayerwald
Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald (Sumava) - An der Quelle der Moldau
http://www.npsumava.cz/de/
Geologové poodhalili spojitost pohybu tektonických zlomů a zemětřesení — Extra — Zpravodajství Brno — Česká televize
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