Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen bei Alanya


Über Alanya, einen heute 75 000 Einwohner zählenden Ort an der Türkischen Riviera, heißt es in einem Reiseführer, daß eine fünfte Umbenennung anstünde, in Almanya nämlich, weil dort gar so viele Deutsche inzwischen hinreisen würden. Die Griechen haben ihn gegründet, die Seldschuken überrannten in, heute die Touristen, die ihn am Leben erhalten.

Am Fuße des Burgberges liegt eine der bekanntesten Schauhöhlen der Türkei, auch überhaupt die erste, die man dort für den Tourismus geöffnet hatte, die Damlatashöhle. Ein Steinbruch befandet sich mal dort, und bei diesen Arbeiten fand man den Eingang. Sie hat eine ideale Lage für eine Schauhöhle, weil sie direkt am Stadtrand an belebtesten Strand. Ein bizarres Gebilde mit dem Namenszug der Höhle macht auf sie heute aufmerksam. Es geht so zu, daß man schon für den Parkplatz einen Spitzenpreis von 2 € verlangen kann. Das Besucherpublikum ist sehr gemischt und die Touristen bildeten eher die Minderzahl, als ich Anfang August 2004 dort selber mal vorbeischaute.

Bei der Schwitzhitz draußen, wo es um die 40 Grad hatte, war der Besuch der Höhle schon temperaturmäßig ein großer Genuß, wobei es aber auch nicht richtig kalt drin wurde. Grad angenehm mit den 22°. Gleich hinter der Höhlentüre beginnen die Tropfsteine, orange angestrahlt, so daß alles einen ungewohnten Eindruck macht. Etwas unchicke Absperrbänder sollen die Leute auf dem Weg halten und wie dazu bewegen, nicht zwischen die Stalagmiten zu laufen. Von einem Felsbalkon aus kann man die kleine Tiefe schauen, wo sich der Hauptraum der kurzen Höhlen befindet. Viele Leute sitzen da auf den Bänken herum und verbringen da ihre Zeit. Es gibt ja zwei Arten von Besuchern: die Touristen und die Kranken. Man will ja festgestellt haben, daß ein längerer Aufenthalt heilsam bei Asthma ist und so kommen richtig Leute für 4 Stunden am Tag her und atmen hauptsächlich die Luft, mehrere Wochen lang tun sie das. Herzkranken wird dagegen vom Besuch abgeraten.

Im tieferen Teil fallen die großen Schotter auf, die darauf hindeuten, daß früher eine direkte Verbindung zum nahen Meer bestanden hat. Es gibt nur einen kleine Fortsetzung, die von vielen besucht wird. Dazu muß man als Erwachsener ganz in die Knie gehen und auf dem Sand- und Feinkiesboden in einem horizontalen Gänglein sich vorwärts schlängeln. Die kleinen Kinder haben da kein Problem damit. Ein starkes Bedürfnis scheint es auch in der Türkei zu sein, seinen Namen an die Höhlenwände zu bekommen und mehrere Herzinschriften zeigen, daß damit auch Amouröses verknüpft wird.

Geht man bei der Höhle weiter Richtung Burgberg, dann kommt nach 50 Metern eine kleine Brandungshöhle im Konglomerat. Es geht nicht weit hinein, aber reizvolle Ausblicke aufs Meer sind möglich. Kaum war ich drin, kam mir auch schon ein dunkler Türke nachgerannt, der mir bedeutete, ich sollte gleich wieder hinausgehen, da man da nicht hineindürfe. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht weil damit kein Geld zu verdienen ist.

Ich hatte eigentlich im Kopf, dem Strand folgend, zu versuchen, die anderen Höhlen im Burgberg auf dem Landweg zu erreichen.
Sehr viel einfacher wäre es gewesen, vom Hafen aus eine der stündlichen Rundfahrten mitzumachen, die um den Burgberg herum mit dem Boot unternommen werden und zur Piraten-, zur Liebes- und zur Phosphorhöhle unternommen werden. Ich habe mich mit dem Abphotographieren eines Werbeplakats zufriegen gegeben. Man muß nicht jede Höhle selber besucht haben. Oder?

In der Umgebung von Alanya gibt es inzwischen noch eine zweite Schauhöhle, die DIM-Höhle...

 

Blick hinauf zum Parkplatz beim Höhleneingang
Das Kassenhäuschen beim Eingang
Der Abstieg beim Eingang
Ein erster Blick in die orange ausgeleuchteten Höhlenteile
Eine der schönsten Einzelformationen
Tastsinn und Höhle - ein auch in der Türkei

"unwiderstehliches Thema"

Höhlenschilderwald auf türkisch
Blick in ein trockenes Wasserbecken
Karst und Küche auf türkisch

- im Restaurant vor der Höhle gibts frische Fladenbrote

Fladenbrot mit Käsefüllung - eine Köstlichkeit
"Güle Güle"

- Servus auf türkisch

 

Literatur:

Becker, Frank, und andere Türkei, Nelles Guide, 6. Auflage, München 2004
Schmitt, Gerhard F. Höhlen- und Karstforschungen im mitterlern türkischen Taurusgebirge, Höhlenforschergruppe Rhien-Main e.V. Frankfurt am Main 1994

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