Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Lochsteine und Durchkriechbräuche in Italien


Coddu Vecchia bei Arzachena
aus einer Broschüre des EPT ENTE PROVINCIALE PER IL TURISMO NUORO, Sardinien
Lochstein in einem Grab von Montessu, Sardinien
Algund in der Nähe von Meran in Südtirol scheint in der Megalithzeit ein sehr bedeutendes Zentrum gewesen zu sein. Immerhin stammen 4 von insgesamt 7 Figurenmenhiren, die man jemals in Südtirol gefunden hat, von dort. Auf einem solchen Hintergrund ist es dann sehr verständlich, daß man bis heute 4 Lochsteine dort und der näheren Umgebung schon entdeckt hat.
Im Mai 1999 nahm ich einmal die Gelegenheit wahr und suchte nach ihnen. Am einfachsten ist es, den Lochstein von Algund zu fnden. Die Adresse ist eindeutig - Thalguterstraße 20, Cafe "Andrea". Man direkt hinfahren, das Auto gleich davor parken und ihn anschauen, wenn man ihn überhaupt wahrnimmt. Er steht nämlich heute hinten bei der Tiefgaragenausfahrt, verdeckt durch ein Latschen-, Buscharrangement, gleich neben dem Stromkasten. Dem Unkundigen wird sich wohl nicht auftun, daß er es hier mit einem der ganz wenigen bekannten megalithischen Lochsteine Italiens zu tun hat.
Entdeckt wurde er 1978 beim Grundaushub für das Haus. Er gehörte zu einer Grabanlage aus 10-15 Steinplatten, die in Ost-West-Ausrichtung eine überdeckte Kammer hatte (L 3m, B 1,5m). Den Lochstein soll man als solchen erst 1983 erkannt haben. Seine Maße: 1,30x1,13x0,25 m, Lochdurchmesser ca. 20 cm
  Südtiroler Lochstein Nr. 2, den von Kaltern-Clavenz, soll es heute schon nicht mehr geben. Nr. 3, den von Riffian, hatte ich noch keine Gelegenheit zu sehen. Nr. 4, den von Gratsch, machte ich mich auch auf zu finden. Gratsch ist nicht weit weg, man braucht nur der Straße Richtung Burg und Dorf Tirol folgen. Noch bevor die vielen Kehren nach oben kommen liegt linkerhand das kleine Kirchlein der Maria Magdalena. Ich umstreifte es genauestens, fand aber nichts. 1957 hatte man bei Bauarbeiten an der Südseite ein in N-S-Richtung orientiertes Grabgefüge ergraben, das an den Längsseiten jeweils Steinplatten mit einem 24-cm-Durchmesser aufweisenden Seelenloch aufwartete. Es war auch nur noch halb erhalten, die obere Hälte ist früher schon einmal weggeschlagen worden. Laut Führer sollten die Steine "ca. 150 m nördlich des Fundortes wieder aufgestellt worden sein, allein ich fand nichts mehr.
Erst später klärte sich einiges. In einer Wirtschaft, ganz in der Nähe von Burg Tirol, fragte ich eine Bedienung, ob sie nichts über den Verbleib der Lochsteine wüßte. Die Antwort: da seinen eines Tages Archäologen aus Bozen gekommen und hätten die Steine mitgenommen, nach Bozen ins Museum. Hoffentlich gibt es die da noch.
(Quelle: Reclams Archäologieführer Österreich und Südtirol, hrsg. von Andreas Lippert, Stuttgart 1985)
Zaunhaltelochstein aus der Gegend von Brixen, Südtirol
Zaunhaltelochsteine im Val Camonica
  Kleine Höhle in der Nähe von Tag?? (IM). Sie soll ein Aufenthaltsort von Maria Magdalena gewesen sein, um dort Buße zu tun. Sie kam von der Baume di Provenze, so jedenfalls die Legenden. In diese Höhle konnte man nur kriechend gelangen, wobei dieser Vorgang dem Darm Heilung zu bringen versprach (Schmuckler, A., Folklore nell''Imperia - La Casana, 13 (1): 46:52
Lochsteine in den Monti Lessini
Die Landschaft in diesem sehr ruhigen und aussichtsreichen Berggebiet nördlich von Verona wird auch charakterisiert durch die die langen Steinmauern aus dem dort vorkommenden dünngebankten Kalkplatten, die man zu langen Mauern aneinandergereiht hat. An den Übergängen finden wir Tore, die oft von zwei Steinplatten begrenzt sind, die ein oder zwei Löcher aufweisen.
 
 
 
Eine besondere Art der Nutzung von
Lochsteinen entdeckte ich vor einem alten, heute aufgelassenen Bergbauern-
hof - eine Zisterne, die oben von einem massiven Steinring abgeschlossen
wird.
 
 
n einem Steinbruchbetrieb nördlich von Verona
 
 
 
 
Ein alter Olivenölmahlstein in Toirano, Ligurien
Lochstein ohne kultische Bedeutung: einfach ein steinerner Latrinensitz
Lochsteinreihe an der Wand, wahrscheinlich zum Anbinden von Tieren einmal benutzt, Donnafugata, Sizilien
Ein Lochsteinkunstwerk an der Hauptpromenade in Cagliari, Sardinien
Zwei Naturlochsteine, aufgestellt am Rande eines Grundstückstücks bei Certona/Toskana
 
Lochsteinkunstwerk auf dem Weg zum Eingang in die Grotta di Frasassi, Marken
Malcesine am Gardasee
Lochstein in einer Brücke über die Etsch in Verona (Ponte Pietra)
Ein "Toul" in Schluderns, Vintschgau

In diese brückenartigen Überdeckungen von Waalen, den Bewässerungsgräben, schickte man Kinder hinein. Sie mußten beim Hindurchkriechen gleichzeitig den Kanal ausräumen, um ihn freizuhalten - Durchkriechen als Arbeit!

Ein alter Mühlstein in Schluderns, Vintschgau

Literatur:

Oberrauch, Hanns, Niederwanger, Günther Archäologische Prospektion im hinteren Passeiertal (Südtirol), in: ANISA / Nearchos, Archäologie in den Alpen Alltag und Kult, Haus i.E. Austria 2010
Oberrauch, H. Der Seelenstein von Riffian, in: Der Schlern 1984, 239-239
Tomedi, G. Bemerkungen zum "gelochten Stein" von Algund, in: Der Schlern 1986, 701-711

Links:

Lochsteine und Durchkriechbräuche

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