Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die "Höhle" auf Bühnenbildern
von Opern und Schauspielen


Mozart - Die Zauberflöte


"Hier auf dieser Bühne war bis gerade eben noch alles möglich, dieser Raum konnte sich in eine Heidelandschaft in Schottland wie bei "Macbeth" oder in Fausts Studierzimmer oder auch in einen abstrakten weißen Kubus als Sinnbild der Welt verwandeln, auf den Brettern dieser Bühne war alles, alles möglich, denn die ganze Welt ist eine Bühne, wie es bei Shakespeare heißt - aber das einzige Licht, das jetzt noch brennt, sind nur ein paar Leuchtstoffröhren, das sogenannte Arbeitsliccht." Schimmelpfennig, Roland, Die letzte Vorstellung, Süddeutsche Zeitung  Nr. 68, 21./22. März 2020, S. 45


Immer wieder taucht auf Bühnenbildern, sowohl im Schauspiel als auch in der Oper, das Motiv der Höhle auf. Es geht zuerst einmal klassisch darum, einmal Beispiele zu sammeln und dann später zu analysieren, was man damit gewollt hat. 

Also erst einmal der erste Schritt, eine Beispielsammlung:

Collin, Matthäus von, und Peter von Winter Colmal Ossian-Singspiel im Geiste Shakespeares
II. Akt, 1. Bild, "eine weite dunkle Höhle", deren Ausgang im Hintergrund durch einen Stein versperrt wird..., Jahrmärker S. 219
David, Felicien Lalla Roogh

 

Oper nach nach einem Text von Thomas Moore, 1817 erschienen
Ludwig II wollte ein Bühnenbild für Linderhof von Döll malen lassen, das einen Blick aus einer Höhle in ein Tal in Kashmir, im Hintergrund den Himalaya, zeigt
http://www.columbia.edu/itc/mealac/pritchett/00generallinks/lallarookh/

https://www.poetryfoundation.org/poems/44781/lalla-rookh

Dengg, Dorle Glück Tief Das Stück wurde für Kinder entwickelt mit dem Untertitel "Abenteuer in der Wendelsteinhöhle". Fachlicher Berater war Peter Hofmann. Die Bühnenbilder stammen von Gisa Kogler.
"Das Schneeflöckchen möchter immer zum Höhleneingang fliegen, aber es würde schmelzen, wenn die Luft zu warm wird..."
Goethe Des Epimenides Erwachen Setting: Ein prächtiger Säulenhof; im Grunde ein tempelähnliches Wohngebäude
3. Auftritt: EPIMENIDES
"...Da nahmen sich die Götter meiner an.
Zur Höhle führten sie den Sinnenden,
Versenkten mich in tiefen langen Schlaf.
Als ich erwachte hört' ich einen Gott:
"Bist vorbereitet", sprach er, "wähle nun!"
Willst du die Gegenwart und das was ist,
Willst du die Zukunft sehn, was sein wird." Gleich
Mit heiterm Sinn verlang' ich zu verstehn,
Was mit dem Auge, was das Ohr mir beut.
Und gleich erschien durchsichtig diese Welt,
Wie ein Krystallgefäß mit seinem Inhalt...." (369)
Goethe Die Aufgeregten Im 5. Aufzug heißt es: "Nacht, trüber Mondschein"
"Das Theater stellt einen Teil des Parks dar, der früher beschrieben worden. Rauhe steile Felsbänke, auf denen ein verfallendes Schloß. Natur und Mauerwerk ineinander verschränkt. Die Ruinen so wie die Felsen mit Bäumen und Büschen bewachsen. Eine dunkle Kluft deutet auf Höhlen, wo nicht gar unterirdische Gänge." (S. 213)
"Friederike fackeltragend, die Büchse unterm Arm, Pistolen im Gürtel, tritt aus der Höhle, umherspürend. Ihr folgt die Gräfin, den Sohn in der Hand...Man erfährt, daß von hier ein unterirdischer Gang zu den Gewölben des Schlosses reicht, daß man die Schloßpforten gegen die andringenden Bauern verriegeln, daß die Gräfin verlangt habe, man solle ihnen aus dem Fenster das Dokument ankündigen und ziegen und so alles beilegen." (213) Dann sieht man ein Licht in der Ruine "und zieht sich in die Höhle zurück". 
"Breme kennt das Geheimnis des unterirdischen Ganges und ist überzeugt, daß sich die Familie darin verbirgt..Sie zünden Fackeln an und sind im Begriff in die Höhle zu treten. Friederike, Jakob, der Hofrat erscheinen in diesem Augenbicke, bewaffnet, so wie die übrige Menge....Das Stück schließt zur allgemeinen Zufriedenheit..."
Goethe Nausikaa Beim 2. Auftritt heißt es: "Ulyss aus der Höhle tretend" (S. 69)
"Was rufen mich für Stimmen aus dem Schlaf?
Wie ein Geschrei ein laut Gespräch der Frauen
Erklang mir durch die Dämmrung des Erwachens?
Hier seh ich niemand
Goethe Pandora Der Schauplatz "wird im großen Stil nach Poussinischer Weise gedacht" (332). Auf der Seite des Prometheus: "Zu der Linken des Zuschauers Fels und Gebirg, aus dessen mächtigen Bänken und Massen natürliche und künstliche Höhlen neben- und übereinander gebildet sind, mit mannigfaltigen Pfaden und Steigen, welche sie verbinden. Einige dieser Höhlen sind wieder mit Felsstücken zugesetzt, andere mit Toren und Gattern verschlossen, alles roh und derb. Hier und da sieht man regelmäßig Gemauertes.." (332)
Goethe Proserpina In der Anweisung zur Gestaltung des Bühnenbildes heißt es: "Felsige Gegend, Höhle im Grund, auf der einen Seite ein Granatbaum mit Früchten

Zu Beginn sagt Proserpina:
Aufwärts auch soll dieser Blick nicht steigen!
Die schwarze Höhle des Tartarus
Verwölbt die lieben Gegenden des Himmels,
In die ich sonst
Nach meines Ahnherrn froher Wohnung
Mit Liebesblick hinaufsah!
(Band 4)
Mozart Zauberflöte Die Höhlen im Aignerpark bei Salzburg

Friedrich Schinkel 

Saint-saens, Camille Samson In der Aufführung des argentinischen Film- und Serienregisseurs Damian Szifron an der Berliner Staatsoper im November 2019 wurde für den 2. Akt ein "höhlenartiges Nachtlager der Dalima" geformt, "die mit Steinen Feuer macht, bevor sie, vom Bühnennebel umwogt, Samson seine kraftspendende Haarpracht abschneidet."
Ein Photo des Bühnenbildes begleitet den Artikel von Julia Spinola in der SZ Nr. 273 vom 26.11.2019 mit dem Titel "Einem echten Löwen sind Sandalen zu klein". 
Shakespeare The Tempest (Der Sturm) Eine Höhle auf einer Insel ist der Aufenthaltsort von Prospero, dem Zauberer, und seiner Tochter Miranda. Sie waren dort gestrandet, nachdem sie vor den Truppen des machthungrigen Bruders Antonio, der den vormaligen Herzog, der seine Regierungspflichten zugunsten von magischen Studien verletzt hatte, vertrieben hatte. 
https://www.shakespeare-players.com/aufführungen/the-tempest/inhaltsangabe/
     
Shakespeare-Aufführung 1955 von THE TEMPEST in Taupo, Foto 2007
Shaw, George Bernard Too good to be true Die 1932 erstmals aufgeführte Komödie des damals schon 76jährigen berühmten Schriftstellers ist untertitelt mit "A collection of Stage Sermnons by a Fellow of the Royal Society of Literature". Im 3. Akt müssen alle Schauspieler durch eine enge Stelle zwischen zwei Grotten hindurch auf einem mäandierenden Pfad hinab zum Strand. "Over the more gothic-looking of the grottoes soldiers have scrawled ST PAUL'S; over the wider grotto, which is illuminated rosily with bulbs wrapped in pink paper and contains a bench long enough to accommodate two people, is carved AGAPEMONE in Greek charakters beneath which has been chalked in red THE ABODE OF LOVE to which is added in white chalk NO NEED TO WASTE THE ELECTRIC LIGHT. These two grottoes recall the preceding two scenes of the play: the house of decaying superstitions and the fairyland of pleasure." Holyrod, Shaw 637
Spontini Alcidor 1. Akt "Höhle und Tempel" von Schinkel
https://smb.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=85709
Le Sueur La Caverne  
Wagner  Tannhäuser Die Venushöhle im Hörselberg / Thüringen / D
Wagner Der Ring des Nibelungen https://archiviostorico.operaroma.it/edizione_opera/loro-del-reno-das-rheingold-1937-38/

 

 


 

Literatur:

Adelung, Willi Die Höhle im griechischen Theater des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., in: HÖREPSY 2011, Tagungsband, Gröbenzell 2011
Berger, Julia Die Grotte im Schloss Neuschwanstein. Zur Vorstellung des Venusgrotte in der Tannhäuser-Sage und -oper, in: Zeitschrift für Kulturwissenschaften (2014), H.2, S. 29-47
Braunmüller, Robert Wagners Bühnenfestspiel - "ein gewöhnliches Theaterkind"?, in: Von der Welt Anfang und Ende. "Der Ring des Nibelungen" in München, hg. von Birgit Pargner (=Ausstellungskatalog München 2013), Leipzig 2013
Hein, Dieter Das Motiv der "Höhle" in der Oper, in: HÖREPSY 2011, Tagungsband, Gröbenzell 2011
Holroyd, Michael Bernard Shaw - The one-volume definitive edition, 1997
Jahrmärker, Manuela  Ossian - eine Figur und eine Idee des europäischen Musiktheaters um 1800, Berliner Musik Studien 2, Studio - Medienservice und Verlag Dr. Ulrich Tank, Köln 1993
Jobst, W. Die Höhle im griechischen Theater des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., Wien 1970
Mauro, 'Helmut Die Wahrheit hinter der Märchenfassade, Süddeutsche Zeitung Nr. 22, 27./.28. Januar 2001, Seite VII
Schimmelpfennig, Roland

 Die letzte Vorstellung, Süddeutsche Zeitung  Nr. 68, 21./22. März 2020, S. 45

Shakespeare Shakesperean Comedies - illustrated by photographs, London&Glasgow, Collins' Clear-Typr Press, ohne Jahresangabe
Spingla, Julia Einem echten Löwen sind Sandalen zu klein, Süddeutsche Zeitung Nr. 273, 26. November 2019, S. 11 
Wolfzettel, Friedrich "Höhle, die tiefste, schützt" (Faust II). Überlegungen zur Signatur von Höhle und Grotte seit der Aufklärung, 
https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/15222/file/Wolfzettel_Hoehle_Grotte.pdf

Links:

https://kieferer-puppentheater.de/onewebmedia/Text_GlueckTief2.pdf

https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110949452.111/pdf Goethes Proserpina

Höhlen in Opern

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