Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Höhle hinter dem Wasserfall


Die absolut aktuellste Ausformung dieser Idee ist hier zu sehen:

http://www.ted.com/talks/carlo_ratti_architecture_that_senses_and_responds.html


Sie ist sowohl eine physische Erscheinung wie ein mythologisches Bild.

Man muß nur mal zu den Scheidegger Wasserfällen im Allgäu gehen, möglichst an einem Tag, wo viel Wasser darüber strömt, und die Urgewalt dort erleben. Und mal in den Film "Asterix in Amerika" einen Blick werfen. Da wird Miraculix, der Druide von einem bösen Indianerzauberer in einer Höhle festgehalten, die von außen nicht sichtbar ist, denn ihr Eingang liegt hinter dem Schleier eines starken Wasserfalls. Durch Zufall entdeckt Asterix, daß es hinter den tobenden Wassermassen in einem rotleuchtenden Tunnel bergeinwärts geht und von ferne hört er die flehende Stimme des sich gerade in einer lebensbedrohlichen Situation sich befindenden Mannes mit dem zauberkräftigen Wissen...

Ein schönes Thema für ein künftiges HÖREPSY....

- Die Wasserfälle von Scheidegg mit ihren dahinter liegenden Höhlen

 
 
 



- Schleier-Wasserfallhöhlen im Ammertal


 

- Die Höhlen im Park der Villa Gregoriana in Tivoli / Latium

- Am Rigi in der Schweiz gibt es ein klassisches Beispiel für dieses Thema: die Grubisbalm. Sie ist leicht mit der Bahn zu erreichen und liegt an einem landschaftlich herausragenden Stückchen Erde, dem Vierwaldstätter See.

- Besonders berühmt ist die "Journey Behind The Falls"-Tour an den Niagarafällen auf der kanadischen Seite. Vom Table Rock House Plaza ist eine Besucherplattform am Fuß der Fälle und zwei Tunnels erreichbar, die 46 m hinter die Canadian Horseshoe Falls reichen.

- Durch zwei Ölgemälde des "Vaters der Hudson River School", Thomas Cole, aus den Jahren 1825 und 1826 wurden die Kaaterskill Falls in den Catskill Mountains im Osten der USA sehr bekannt. Eines zeigt den zweistufigen Wasserfall mit seinen höhlenartigen Vertiefungen, das andere stellt einen Blick aus dem Hintergrund der Höhle hinaus in die wilde Landschaft davor dar. Kaaterskill Falls - NY State Waterfall Hike
CatskillSearch.com – Kaaterskill Falls

- In der Nähe von Antalya in der Südtürkei befinden sich die Oberen Düden-Wasserfälle. Nach 25 km unterirdischem Lauf kommt hier der Düden wieder zum Vorschein. Ein spektakulärer Wasserfall mit einer ansehnlichen Höhle dahinter, die gut erschlossen ist, ist die Hauptattraktion.

- Die Haosinchai Cave in Thailand, eine Höhle mit der Figur eines liegenden Buddhas, liegt hinter einem Wasserfall.

- Schillergrotte 1 und 2 bei Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg

- Den of Nargun, Victoria, Australien

- Shuilan Cave, Lianyungang, Jiangsuprovinz, China
Gilt als der Aufenthaltsort des Affenkönigs, Held der klassischen chinesischen Novelle "Journey to the West" von Wu Cheng'en. Der Name der Höhle bedeutet "Wasservorhanghöhle". Hinter dem Vorhang verbirgt sich eine große Höhle, die hunderten von Affen Unterschlupf gewähren konnte.
Eine künstliche Anlage zur Wasserrückhaltung wurde angelegt, damit der Wasserfall auch in trockeneren Zeiten über dem Höhleneingang laufen kann.

- Silver Stream Cave auf Taiwan / Höhle mit Tempel hinter einem Wasserfall

- Der Skogafoss ist einer der schönsten Wasserfälle Islands. 60 m ist er hoch. Einer Legende nach soll hier der Siedler Prasi eine Kiste voll Gold in einer Höhle hinter dem Wasserfall versteckt haben. Jahre später habe ein isländischer Junge die Truhe entdeckt, konnte aber nur nach dem Griff greifen, ehe die Kiste verschwand. Der Ring der Schatztruhe wird jetzt im Museum in Skógasafn verwahrt.

- Der Seljalandfoss am Weg zwischen Hvolsvöllur nach Thorsmörk im Südwesten Islands bietet die seltene Gelegenheit, auf einen richtigen Steig weit hinter einen Wasserfall gehen zu können. Eine richtige Grotte hat sich da ausgebildet. Der Lonely Plantet-Führer Island schreibt dazu: "It's perfect for romantics who dream of walking behind waterfalls - a (slippery) path runs around the back."

- Höhle beim Wasserfall "Cascade des Nymphes" im Isalo-Nationalpark/Madagaskar


Das Thema gibt auch etwas für moderne künstliche Höhlen her:

In der Türkei habe ich in einem modernen Hotelkomplex ein außergewöhnliches Bespiel für die zeitgenössische Auseinandersetzung mit dem Thema "Die Höhle hinter dem Wasserfall" zufällig entdeckt, im Hotel Sunrise Queen bei Side. Dort gibt es eine richtige CAVE BAR, in der man, hinter dem Schleier eines künstlichen Wasserfalls bequem im Swimmingpool sitzen und seinen Cocktail schlürfen kann! Es ist doch nichts mehr heute heilig!

Wer mal die "Kristallwelten" der Firma Swarovski in Wattens bei Innsbruck in Tirol besucht, der kommt auch mit einer künstlichen Höhle hinter einem Wasserfall in Berührung. Der Entwurf André Hellers läßt den Besucher erst einmal zu einem grünen liegenden Riesen kommen, dessen Augen kristallen glänzen und aus dem dessem Mund dauernd Wasser sich in den Teich davor ergießt. Der Zugang in die künstliche Welt im Innern des "Riesen", diesem aufgeschütteten Hügel mit Grasbewuchs, geschieht durch zwei seitliche Stollen, die da sind, wo eigentlich die Ohren wären. Man verläßt die Erdoberfläche durch einen mit Pflanzen verhangenen Betongang vor dem der Schleier des Wasserfalls ist.

Künstliche Wasserfall"höhle" für den Garten - gesehen auf der BUGA 2005 in München


Immer wieder taucht das Motiv von Wasserfall und Höhle auch in der Literatur auf:

In Paulo Coelhos Buch "Auf dem Jakobsweg" spielt in dem Kapitel "Der Sieg über sich selbst" ein unterirdischer Wasserfall eine wichtige Rolle. In einem "Terrain mit einigen Erhebungen" sind auf einmal "Geräuche zu hören", die so klingen "wie herabstürzendes Wasser". Tatsächlich tat sich da unvermittelt eine "Bodensenke vor ihnen auf, in die ein fünfstöckiges Haus passen würde". Der Autor und Petrus, der Führer, klettern hinunter, und, unten angekommen, heißt es: "Laß uns den Wasserfall hinaufklettern. Mitten durchs Wasser." Auf den ersten Blick eine unlösbare Aufgabe: "Es gab an der Wand nichts, woran ich mich hätte festhalten können, und der kleine See war nicht tief genug, um einen Sturz aufzufangen." Der Trick ist, durch den Schleier des Wasserfalls zu gehen und dahinter in die Höhe zu klettern. "Ich sah seine Gestalt nur wie durch Milchglas. Langsam und stetig stieg er hinauf...." Es ist spannend, auch den Rest im Buch zu lesen, immerhin ist das die Übung, wo einem gelehrt wird, "ein Meister zu sein".

In dem Buch "Drachenfeuer" von Wolfgang und Heike Hohlbein kommt auch dieses Motiv vor: "Ein Berg, auf dem eine alte Ruine steht, soll gesprengt werden. Bei der Explosion wird Chris in einen kalten See geschleudert, rettet sich mit letzter Kraft ans Ufer, unter einem Wasserfall hindurch, hinter dem eine mächtige Tür verborgen ist, der Zugang zu einer anderen Welt. Ständig geht es um solche Übergänge..." SZ 12. Januar 2006, S. 11 Schwarzes Land mit Pech überzogen.

Auch der Roman "Schlafes Bruder" von Robert Schneider enthält eine Szene an einem Wasserfall mit Höhle: Im Tal der Emmer hält sich der Protagonist der Handlung, Johannes Elias Alder, bei seinem vom Wasser geschliffenen Lieblingsstein unterhalb eines Wasserfalls auf. "Da ereignete sich etwas Sonderbares....In die feucht-dunklen Spalten beim Wasserfall kam flattriges Leben. Fledermäuse waren vor der Zeit erwacht, schossen erregt hin und her und fanden sich nicht mehr zurecht. Als eine Fledermaus plötzlich auf das Haupt des Elias zustürzte, auf die Steinplatte schnellte und als grau-blutiger Platzen klebenblieb, wurde ihm allmählich angst.."

Thomas Hardy: AFTER A JOURNEY

"...I see what you are doing: you are leading me on
To the spots we knew when we haunted here together,
The waterfall, above which the mist-bow shone
At the then fair hour in the then fair weather,
And the cave just under, with a voice still so hollow
That it seems to call out to me from forty years ago,
When you were all aglow,
And not the thin ghost, that I now frailly follow!..."

Ein Klassiker des Themas "Wasserfall und Höhle" ist "Das Herz der Welt" von Ian Baker. Es schildert die aufregende Suche nach den sagenhaften Tsangpofällen. Der Tsangpo entspringt in Tibet und mündet in den Brahmaputra. Er fließt durch die tiefste Schlucht der Welt, die teilweise fast unzugänglich ist. Westliche Forscher konnten sie sowohl flußauf- als auch abwärts immer mehr erforschen, aber es blieb immer eine Lücke, die immer kleiner wurde. In lag wohl der sagenhafte Wasserfall, von dem in der buddhistischen Mythologie immer wieder die Rede war, der sich aber nachhaltig allen Versuchen entzog, ihn zu Gesicht zu bekommen. Schließlich gelang es Baker und anderen 1998 nach schwierigen und mühevollen Wanderungen und mit starker einheimischer Unterstützung erstmals zu dem "Verborgenen Wasserfall" zu gelangen, sich dort abzuseilen und die Höhe mit 35 zu bestimmen.
In mehreren alten Schriften stand, daß es dort eine Pforte geben sollte, die sich erst nach den richtigen Zeremonien und Ritualen öffnen läßt. So habe ein Duddul Dorje Schriftrollen aus einem See in Powo geholt, in den die Rede war von einer Tür in einer Wand aus Stein und einem Tunnel dahinter, durch den man nach einem ganzen Tag in ein paradiesisches Gefilde der heilenden Früchte und der ewigen Jugend gelangte. Ein Hochgebirgspass führe weiter zu einem smaragdgrünen Palast, der von heiteren Wesen mit Körpern aus regenbogenfarbenem Licht bewohnt ist und wo alle Wünsche Erfüllung finden.
Tatsächlich fanden die Männer nicht die erwartete Pforte, aber doch etwas. In der anderen Schluchtseite, 60 m entfernt und damit völlig unerreichbar von ihrer Flußseite aus, gab es einen ovale Spalt. "Mächtige Wellen schlugen aus dem Tsangpo auf und liefen direkt unter der Öffnung an der glatten Felswand hinunter. Sechs bis acht Meter über dem Fluss war in dem rötlichen Granit ein perfektes Oval entstanden, und ein Gang schien diagonal in das dunkle Herz des Berges zu führen, wie weit, war nicht zu erkennen. Konnte dies die legendäre Pforte sein, die sich mit den richtigen Zeremonien und Ritualen öffnen ließ? Eine Tunnel ins Innere des einstigen Gondwanalandes?"

Links zum Tsangpo:

http://www.nationalgeographic.de/php/shop/show_info.php3?id=38
http://tom.bremen.de/info/tibet/frames.html?Seite=/info/tibet/Kap9/herz-der-welt-rezension.html

Adalbert Stifter greift auf das Thema in seiner Erzählung: "Aus der Mappe meines Urgroßvaters" zurück. Ein fahrender Händler im Böhmerwadl flieht bei einem extremen Wettereignis in eine "trockene Steinhöhle". "Am nächsten Tag herrscht Tauwetter und über den Eingang der Höhle geht ein Wasserfall nieder. Der Josikrämer bemerkt, dass der Hang vor der Höhle wegen Lawinen und Eis gefährlich ist und bringt zwei weitere Tage in der Höhle zu." (Pfarr 323).

 


Für Comic Strips eignet sich dieses Motiv sehr gut.

Ein paar Hinweise:

- "Yakari und der weiße Bisen" von Derib und Job
- "Der Elefantenfriedhof" von Hubinon/Charlier in Tiger Joe

Micky Maus


Literatur:

Baker, Ian Das Herz der Welt, Pendo-Verlag, München und Zürich 2006
Coelho, Paulo Auf dem Jakobsweg, Diogenes-Verlag, Zürich 1999
Fong, W.C. Journey to the West, The Speleo Stamp Collector 13-1983
Hemmie, Hagen, Peter, Carmen Rom. Latium, Michael Müller Verlag, Ebermannstadt 1985
Kornhauser, Elizabeth Mankin, Ellis, Amy, catalogued by Hudson River School - Masterworks from the Wadsworth Atheneum Museum of Art, 2006
Pfarr, Theo Höhlen in der Literatur, in: Spötl, C., Plan, L., E. Christian (Hrsg.), Höhlen und Karst in Österreich. - Linz 2016 (Oberösterreichisches Landesmuseum)
Schneider, Robert Schlafes Bruder, Reclam-Verlag, 31. Auflage, Stuttgart 2007
Williams, Oscar, edited by The Mentor Book of Major British Poets, 1963

Links:

http://dein-allgaeu.de/wandern/

http://www.niagaraparks.com/nfgg/behindthefalls.php

Frank Hunter - Poem by Alan Shapiro

Domäne Forum - >> Gelände << - Höhle hinterm Wasserfall WEIT WEIT WÄÄÄÄÄÄÄCK! - Seite 1

http://www.worldtravel4indians.com/laos/waterfalls-in-laos/oudomxay-waterfalls.html

Cave of the Winds in Niagara Falls New York

>> wikipedia: wasserfall

Höhle-Religion-Psyche


[ Index ] [ Englisch version ] [ Höhlen und Höhlengebiete ] [ Kunst ]
[ HöRePsy ] [ Höhlenschutz ] [ VHM ] [ Veranstaltungen ] [ Links ]