Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Hommage à Caspar Wolf


Ich  verstehe nicht, warum die photographische Wiedergabe eines ausgestellten Kunstobjekts "verboten" werden kann! Das hat etwas Irres an sich. Rechtspositionen werden da aufgebaut, im Namen vom wem denn? Dem Künstler, dem Ursprung? Oder den Erben? Das klingt noch viel zu nachvollziehbar. Da wird nämlich oft "verkauft", "investiert", "spekuliert", "verspekuliert"......Worum geht es denn, letztlich? Wenn ich und du, wir alle vergangen sind? Bleibt da noch etwas?


Dies ist nur der kurze Bericht eines Besuchers dieser Ausstellung. Ich habe sie in der Alten Pinakothek in München im Sommer 1993 besucht und einige Bilder dabei gemacht. Die Ausstellung war der sehr gelungene Versuch, einmal alte und neue Kunst zusammenzubringen und dabei noch ein bißchen der ursprünglichen Natur durchzuspüren. Die Hauptbezugspunkte waren der Schweizer Maler Caspar Wolf und die Beatushöhle bei Interlaken. Auf die Werke Wolfs nahmen die Künstler Michael Biberstein, Gloria Friedmann, Per Kirkeby, Theo Kneubühler, Richard Long, Hugo Suter und Anna Winteler Bezug.

Im Februar 2001 besuchte ich einmal das Aargauer Kunsthaus und suchte nach Bildern von Wolf. Es gab nur eines zu diesem Zeitpunkt, das öffentlich ausgestellt war: den Beatushöhleneingang mit dem Efeubaum. Kinder wurden dort aufgefordert, selber Bilder herzustellen, angeregt durch die ausgestellten und kommentierten Bilder. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung eines Kindes mit der Vergangenheit war noch auf einer Holzwand mit vielen Gucklöchern zu bewundern, gar nicht schlecht. .

Caspar Wolf - eine Kurzbiographie

1735 Geburt in Muri/AG
1749 Lehre beim bischöflichen Hofmaler Johann Jakob Anton von Lenz in Konstanz, Gesellenzeit in Süddeutschland (Augsburg, München, Passau)
1760 Altarbild in der Tellskapelle bei Küssnacht
1760-1768 Arbeit als Ofen-, Tapeten- und Antepedienmaler in Muri
1769/70 Reise nach Paris, Arbeit im Atelier des Landschafts- und Tiermalers Philippe Jacques Loutherbourg
1771 Rückkehr in die Schweiz (Muri, Bern, Solothurn)
1773-1779 Malen von rund 200 Alpenlandschaften im Auftrag des Verlegers Abraham Wagner
1780 Malen im Rheinland (Schlösser, Gutshöfe, Parkanlagen)
1781/82 Reise nach Frankreich, dann nach Heidelberg
1783 Tod in Heidelberg "in dürftigen Verhältnissen

"..die erhabene Natur zum Massstab seiner Darstellung nehmen" (Aargauer Kunsthaus)

"Wolfs Vorliebe für Höhlen war gewiss begründet in seinem geologischen Interesse, in seinem Drang, die Erde auch von innen her kennenzulernen, und aus dem Innern, aus dem dunklen Bauch quasi des Berges heraus, den Blick auf die im Licht liegende Landschaft, auf die Haut der Erde, zu richten." (Aargauer Kunsthaus)

Der alte Meister
 
Die Antwort der modernen
Künstler
  Die Antwort eines Kindes
im Aargauer Kunsthaus
2001
Richard Longs Arbeit in
der Pinakothek

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Eines der eindrucksvollsten Gemälde von ihm zeigt einen Raum in der Bärenhöhle bei Welschenrohr. Diesen Ort habe ich selber mal aufgesucht, um zu sehen, wie das "Original" denn ausschaut. Raffiniert war er schon, der Höhlen-Wolf!

Ein kleines Verzeichnis von Werken Wolfs:

1777 Das Innere der Bärenhöhle bei Welschenrohr Öl
  Höhle auf dem Rigi im Kanton Schwyz  
  Höhle am Wasserberg im Kt. Schwyz  
  Felsenhöhle und Wasserfall  
  Die Drachenhöhle bei Stans mit Reisegesellschaft  
  Höhlenausblick  
  Bärenhöhle bei Welschenrohr mit Maler  
  Beatushöhle / mehrere Male  
  Bärenloch  
  Kristallhöhle am Zinkenstock  

 

Literatur:

Aargauer Kunsthaus "in Nebel aufgelöste Wasser des Stromes" - Hommage à Caspar Wolf, 2. Auflage, 1991
Bernasconi-Schwartz, C. und R., u.a. La grotte dans l'art suisse du XVII au XX siècle, Musée des beaux-arts, La Chaux-de-Fonds 10 aout - 21 septembre 1997
Röder, Sabine Höhlenfaszination in der Kunst um 1800, Ein Beitrag zur Ikonographie von Klassizismus und Romantik in Deutschland
Boerlin-Brodbeck, Y. Caspar Wolf (1735-1783). Landschaft im Vorfeld der Romantik. Kunstmuseum Basel. Katalog zur Ausstellung. 15. Juni-14. September 1980
Raeber, W. Caspar Wolf: 1735-1783. Sein Leben und sein Werk. Verlag Sauerländer Aarau, Frankfurt am Main, Salzburg. Prestel-Verlag München, 1979

Links:

http://www.juraspeleo.com/divers/peintres/wolf/index.htm

 

hugo suter, 1990 (Rückseite der Eintrittskarte in die Ausstellung "la grotte dans l'art suisse du XVII au XX siècle)

 


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