Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Haberkirche

 


Wo geht der zeitgemäße Höhlenforscher heute hin, wenn er eine "neue" Höhle entdecken will. Die Geschichte, die sich im April/Mai 1999 abgespielt hat, ist fast ein bißchen unglaublich, aber ist so wirklich passiert.

Willi Adelung aus Kempten ging nämlich Mitte April surfen im Internet, fand unter dem Stichwort "Kulthöhlen" in der Suchmaschine FIREBALL den Hinweis auf die Höhle im Teufelsfelsen bei Bad Griesbach in Niederbayern, und keine 10 Tage darauf haben wir sie schon erkundet, photographiert und schon steht hier im Internet etwas mehr darüber.

Höhlenforschen in Niederbayern? Das muß dem Kenner der Szene wirklich abstrus erscheinen. Weit und breit kein Kalk oder ein anderes höhlenhaltiges Gestein. Und dann stand da unter http://www.bayerntours.com/landkreis-passau/griesbach/index.htm
einfach etwas von einem "Anziehungspunkt für Menschen zu allen Zeiten", wobei der "Teufelsfelsen" schon in der Altsteinzeit "als Wohn- und Kulthöhle" gedient hätte. Und dann der Knaller: "Die Abbildungen im Innern werden als einzige bekannte Felsmalerei in Deutschland bezeichnet. Die ältere Malerei stellt eine Habergeiß dar, die Tiere und Menschen im Umfeld sind wohl erst nachfolgend entstanden. Am südlichen Eingang ist der Stein für die Darstellung eines trächtigen Rindes reliefartig bearbeitet."

Da die Höhle noch im Katastergebiet des Vereins für Höhlenkunde in München liegt, nämlich in die Region 1291 "Schwäb.- Bayer. Hochebene zwischen Isar und Inn", und da bislang nur die Höhlen im Mangfallgebiet aufgeführt sind, nördlich davon in Niederbayern überhaupt noch nichts, war ich schon gespannt auf das Ergebnis unserer "Forschungsreise". Sie war erfolgreich.

Am einfachsten findet man die Haberkirche, wenn man von der Ortsmitte Griesbachs sich östlich wendet und Richtung Waldlehrpfad fährt. Auf dem bewaldeten Hügel im Osten liegt ein Parkplatz mit einem Kinderspielplatz. Von hier sind es noch etwa 10 Minuten Fußweg, immer abwärts, zuletzt nach einer Spitzkehre biegt man dann auf einen Waldweg und kommt zu einer Hinweistafel. Dort erfährt man alles über die Geologie, die Höhlenfunde und die "Malereien. Von einer irgendwie gearteten Höhle ist allerdings nichts zu sehen. Nur einige große Nagelfluhbrocken liegen herum. Ein paar Schritte weiter sieht man sie dann endlich, die "Haberkirche". Nach dem ersten Anblick war sofort klar, daß die Überlegung, ob man nicht eine Taschenlampe besser mitgenommen hätte, völlig überflüssig gewesen war.

Zwei große Felsplatten liegen da aufeinander, eine davon schräg angelehnt, und der kurze Durchgang dazwischen bildet unsere "Höhle. Die Länge ist höchstens 5 m, ein richtiger kleiner Weg führt mittendurch. Wo waren jetzt die Malereien? Einen größeren schwarzen Fleck stellte ich an der linken Deckenseite fest, sollte das die gesuchte Stelle sein? Man setzt sich am besten auf den Waldboden und konzentriert sich. Der große schwarze Fleck hat vielleicht eine bestimmte Form, aber einfach ist nicht zu bestimmen, was da an der Wand ist. Ist es nicht nur eine natürliche Verfärbung der Wandpartie? Hat da wirklich ein Mensch "gemalt"? Eine "Habergeiß", ich habe keine gesehen.

Um diesen zentralen Fleck gibt es tatsächlich einige Formen, die bei einigem Wohlwollen als eine Art von Strichmännchen auszumachen sind, einige davon mit schwarzer Farbe, vielleicht Ruß, eingefärbt sind. Ins Auge springend sind die aber auch nicht.

Dann sollte es ja auch noch das "trächtige Rind" in Eingangsnähe geben. Ehrlich wir haben zu dritt gesucht, was das Zeug hielt, gefunden hat keiner etwas von uns. Einfach nichts.

Auf der Hinweistafel war etwas gestanden, daß es in den Felsen rundherum Nischen gäbe, wo die Menschen wohl früher Steinmehl entnommen hätten, das wohl für Heilzwecke Verwendung gefunden hätte. Auch so etwas habe ich nicht finden können. Es gibt zwar einige Vertiefungen, aber die scheinen mir alle durch Auswitterung entstanden zu sein, kein "kultischer" Zusammenhang läßt sich da für mich nachvollziehen.

Ein kleines Mädchen, das uns zur Überdeckungshöhle geführt hatte, erzählte uns, daß sie mit ihrer Mutter früher schon hierher zum Spielen gekommen sei und die Mutter ihr die Bilder auch schon gezeigt hätte. Auch während wir dort waren, kamen noch andere hierher und schauten sich die "Felsmalereien" an. Es scheint ein recht bekannter und beliebter Ort für Ausflüge zu sein, allein speläologisch gibt er wirklich nicht viel her, allenfalls unter dem Motto "Mensch und Höhle".

Ein paar Bilder...

Eingang von Süden  
Die Habergeiß ?  
  Anthropomorphe Figur?
Da drunter liegt sie...
Foto Willi Adelung
 
Schwarze Figuren auf dem Fels
Foto Willi Adelung
 

 

HABERGEISS: "Ein tiergestaltiges Dämonenwesen der alpinen Volksüberlieferung, das dreibeinig und gefiedert vorgestellt wird.
Es soll in der Nacht sein Unwesen treiben und Wanderer mit grellem Meckern erschrecken, wobei es sich der Tradition nach besonders jenen Menschen zeigt, die "gottlos fluchen". Auch erschreckt sie Kinder, die Tiere quälen und faule Mägde. Beschrieben wird sie als eine mit grauen oder weißen Federn bedeckte Ziege mit nur drei Beinen oder als dämonischer Ziegenbock, der zwei Hinterbeine, aber nur ein Vorderbein hat." (aus Biedermann, Hans, Dämonen, Geister, dunkle Götter, Gondrom-Verlag, Bindlach 1993, S. 99)

Text des Schildes vor der Haberkirche, Foto Willi Adelung

Literatur:

Züchner, Christian Die "Habererkirche", Gem. Reutern, Ldkr. Passau (Niederbayern), ARCHÄOLOGISCHES KORRESPONDENZBLATT 6-1976, S. 1991ff. (Sehr guter Bericht über das gesamte Objekt und die Ausgrabungen mit Plänen, Photos, Zeichnungen)
Mittler, Dietrich Verwittert oder verschandelt - Experten fordern größere Anstrengungen, um die wenigen echten Felsbilder vor dem Verfall zu schützen, Süddeutsche Zeitung 27.01.2005, Nr. 21, Seite 45

Links:

http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/bayern/waltinger/diehaberkirche.html

http://www.lochstein.de/bayalpen.htm


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