Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

HÖPHO - Höhlenfototour 2000 Feuertalsystem


Beim HÖPHO 2000 bei den Spötzls bei Wasserburg wurde vereinbart, daß es wieder eine Höhlenfototour wie im letzten Jahr geben sollte. Sie war einfach doch zu erfolgreich gewesen. Ich gebe ja gerne Posten und Aufgaben gerne weiter an andere, denn ich halte das, langfristig, für die erfolgreichste Weise, um Ideen am Leben zu erhalten. Es gab aber keinen, der da gleich etwas parat gehabt hätte, so daß ich mich ein zweites Mal zur Organisation bereit erklärt hatte. Ich hatte die Hochleckenhöhle eigentlich im Sinne, denn es waren 25 Jahre, daß wir, das waren bald 30 Personen aus dem Gebiet zwischen Wien und München gewesen, die 1975 versucht hatten, zu dieser Höhle zu kommen, um dort nicht nur den "Stierwascherschacht" erstmals zu begehen. Es wurde nichts daraus. Auch im Jahre 2000 nicht. Dann bekam ich plötzlich aus Wien einen rettenden Hinweis, ein paar Emails weiter, dann von Harry Zeitlhofer die rettende Zusage. Am 22. Juli 2000 sollte es mit ihm ins Feuertalsystem im westlichen Toten Gebirge gehen.

Ein paar Emails und Telefonanrufe, dann stand unsere 2000er HÖFO-Tour. Vom 21.-23. Juli 2000 fand sie statt. Am Höhleneingang waren wir zu elft, rundherum sind noch weit mehr Menschen dadurch bewegt worden. Leider ist ein Unfall passiert, aber wir hatten alle "Glück im Pech". Die damals im Internet stehenden Texte sind ein bißchen weiter unten wiedergegeben.

Ein paar Bilder von unserer Tour. Die Originale waren auf dem nächsten HÖPHO zu sehen...

 


 

Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Aktuell


Der unten stehende Text war das, was im Internet vor unserer Tour zu sehen gewesen war. Immerhin 11 Personen waren dann tatsächlich bei der Kerntruppe dabei, als wir am Samstag mittag tatsächlich vor dem Eingang zur Altarkögerleishöhle gestanden sind, um dort einzusteigen. Tatsächlich wurden noch einige Personen mehr dadurch bewegt. Drei davon, aus Nürnberg, Gisela und Wilfried Lorenz und Thomas-Michael Schneider, trafen wir am späten Nachmittag auf der Ischler Hütte, die hatten meine Informationen halb verstanden, halb mißverstanden, so daß sie auf der Ebenseer Hochkogelhütte gelandet waren, sich gewundert hatten, daß von uns keiner da gewesen war, uns gesucht hatten, und dann am Ende nur einen winzigen Teil des Geschehens mitbekommen hatten, das sich da bei unserer Höhlenfototour abgespielt hat. Sie sahen nur die Landungen eines Rettungshubschraubers, wohl das Kommen und Gehen von ein paar Personen und dann den Abflug Richtung Tal.

Was ist geschehen? Ich möchte hier keinen kompletten Bericht schreiben, nur ein paar Stichworte. Stefan Vegh hatte aus Salzburg einen Bekannten mitgebracht, Wolfgang. Er ist Fotograph, berg- und klettersteigerfahren, aber noch nie vorher in einer Höhle gewesen. Bei den ersten kurzen Schachtabstiegen konnte er ohne Probleme seine Abseilausrüstung bedienen, fuhr ab, kletterte mit uns in die Tiefe. Es ging hinab durch Felsröhren, durch kleine Räume, Hallen, dann ein Eisabstieg, alles ohne Probleme. Dann ging es seitlich wieder hinauf durch ovale Gänge, alles keine mühsames Geschlufe, sondern relativ einfaches Gelände. Überall Tritte, wo es nötig war, Seile, wo man sich gut einhalten konnte. Wir machten bei den ersten Eisvorkommen erste Fotos. Alle zusammen. Es machte richtig Spaß. Wir hatten alles dabei, Fotographen, Blitzer, Modelle, Blitze, Zeit, Lust. So macht es richtig Spaß. So war es schließlich auch ausgeschrieben. Menschen, die Interesse und Lust an Höhlenfotographie haben, sollen zusammenkommen, um gute Bilder zu machen. Die Blitze blitzten, die Modelle standen, die Fotographen auch - Achtung, Fertig, Blitz!!!

Harry sagte, die nächste Stelle, wo wir fotographieren sollten, wäre der "Schwammerlschacht". Ich war gespannt, wie es dort aussehen würde. Die Höhle öffnete sich vor uns. Und dann plötzlich etwas, was, auch ich, eigentlich nicht erwartet hatte. Plötzlich sah ich da vor mir, zwischen den Beinen von Stefan Vegh durch, etwas ??Gelbliches nach unten rutschen, Schleifgeräusche am Fels, dann wieder nichts mehr, dann wieder Schleifen, dann war es still. War da ein Schleifsack jemandem vor mir entglitten? Hinuntergefallen? Ich stieg den letzten Meter hinauf in eine kleine Kammer. Vor mir war ein kleiner Raum, von oben kam viel Licht herunter. Eine Leiter führte hinauf zu denen anderen, die vor mir waren. Stefan stand da, Günther war noch hinter mir. Was war eigentlich passiert? Es dauerte Sekunden, eh uns klar wurde, was da los war.

Einer von uns war abgestürzt! Wolfgang lag 10 Meter unter uns in einem brunnenähnlichen Schacht und sein Licht leuchtete zu uns herauf. Keiner von uns war in der Lage dort hinunter zu kommen. Im Plan heißt es "10 m-Schacht". Anders übersetzt: Da ist jemand aus dem Fenster im 2. Stock gefallen. Senkrechte, an einem Stück überhängende Wände trennten uns von ihm.

"Wolfgang, wie geht es Dir?" Es ging schon. Gott, Gott, Gottseidank. An den Handgelenken spüre er Schmerzen und am Becken. Ansonsten sei er in Ordnung. Glück, Riesenglück, im Pech. Wenn der Sturz anders verlaufen wäre, dann hätte da von unten gar kein Laut mehr kommen können oder der Schrei einer vom Schmerz gepeinigten Kreatur. So, glücklicherweise, relativ wenig. "Fortune" braucht der Mensch auch, nicht nur Können. Und der "Didi", war rechtzeitig zur Stelle, hat sich als Erster zu ihm abgeseilt, hat ihn in "Kameradenbergungsmanier" hochgebracht. Zur kleinen Plattform, wo er sitzen hat können

Wir haben den Wolfgang wieder an die Erdoberfläche gebracht. Ein Hubschrauber hat ihn aus der Latschenwildnis unter dem Schönberg gehievt und ins Spital in Bad Ischl gebracht. Wir alle haben großes Glück gehabt. Am Abend hat die "Quetschn", von Harald Zeitlhofer gespielt, besonders wohl in meinen Ohren geklungen. Was können wir alle aus einem solchen Vorfall lernen? Gibt es da etwas zu lernen? Am Abend zuvor hatte ich auf der Ischler Hütte meinen drei anderen "Höhlenkumpanen", dem Martin aus Wien, dem Günther 1 (Forstmeier), dem Günther 2 (Flurer), die Frage gestellt, was ihnen zum Thema "Angst und Höhle" einfallen würde, denn ich arbeite gerade an einem Vortrag zu diesem Thema. Keiner von uns hatte auch nur im geringsten geahnt, daß ganz plötzlich der harte Ernstfall bald schon eintreten würde. Halten wir uns alle für "unverletztlich"? Passiert das alles nur "Anfängern"? Nein!

Die nächsten Informationen stammen aus dem Krankenhaus. Stefan Vegh hatte sie mir übermittelt. Ein Wirbel war gebrochen, beide Hände waren in Gips, der aber bald wieder entfernt werden konnte, und dann die Prellungen. Ergebnis: ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt. Inzwischen ist Wolfgang längst wieder zuhause.

Ein glückliches Ende für alle Beteiligten.

 


Seit mehr als 20 Jahren gibt es das HÖPHO, die deutschen Höhlenfotographen und -filmertreffen. Seit 1 Jahr treffen wir uns einmal im Jahr, um gemeinsam in einer Höhle zu fotographieren. Das Ergebnis vom letzten Jahr war so gut, daß es fast nicht mehr zu übertreffen ist. Aber wir werden in einer anderen Höhle weitermachen und auch dort versuchen Höhlenfotos zu machen, die das überbietet, was man normalerweise nur machen kann. Eingeladen sind natürlich alle, die auch im letzten Jahr schon mitgemacht haben, aber auch natürlich neue Leute. Bitte keine Höhlentouristen, die auch nur mal eine ihnen unbekannte Höhle anschauen wollen. Und bitte auch keine Höfos, die ausschließlich nur zu eigenen Erbauung und zum eigenen Nutzen ohne Beitrag für alle dabei sein wollen.

Der seit einigen Jahren bestehende gute Kontakt zum Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich hat dazu geführt, daß wir vom 21.-23. Juli 2000 aller Voraussicht nach das Feuertalsystem im Toten Gebirge einmal besuchen können, um dort, hoffentlich, auch mit österreichischen Höhlenfotographen und "-modellen" einmal zu arbeiten. Wer Interesse hat, soll sich bei mir melden >>

Es sind genügend Personen zusammen, die mitkommen wollen, so daß tatsächlich aus unserer Höhlenfototour etwas wird. Treffpunkt wird Freitag abend auf der ISCHLER HÜTTE sein! Von hier aus ist der beste Zugang über die Altarkögerlhöhle ins Feuertalsystem für unser Fotoprojekt. Es gibt einen eingangsnahen Eisteil, der scheint aber auch ohne Steigeisen begehbar zu sein. Es gibt ein paar kurze Schächte bis 15 m Tiefe, so daß man die SRT-Ausrüstung nicht daheimlassen sollte. Wenn es klappt, dann können wir die Materialseilbahn zur Hütte benutzen. Bitte rührt Euch. Von München her gibt es jetzt einen Treffpunkt: 10 Uhr Autobahnausfahrt Bad Aibling - Parkplatz 200 m links von der Autobahn Richtung Ort.

Wir wollen es so planen, daß um 17 Uhr an der Materialseilbahn zur Ischler Hütte ein Gepäcktransport möglich ist. Wenn es klappt, dann ist der zweistündige Aufstieg wesentlich leichter zu machen. Bitte kommt pünktlich dorthin, wenn Ihr mitmachen wollt. Es sind 10 Übernachtungsplätze auf der Hütte reserviert.

Wer mal sehen will, was beim letzten Male so herausgekommen ist, der kann ja mal unter http://www.lochstein.de/hoehlen/A/sb/tennen/eiskogel/eiskogel2.htm nachschauen.


Literatur:
Vegh, Stephan, Unfall in der Altarkögerleishöhle, ATLANTIS 3-4 / 2000, S. 36ff.

 

 


Links:

http://www.lochstein.de/ver/hp/hoepho.htm


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