Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlenerlebnisse auf der
DOCUMENTA
2002


Die DOCUMENTA gilt als eine der führenden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst weltweit. Manche behaupten gar, sie sei "die" Ausstellung überhaupt.

Seit vielen Jahren schon gehe ich auf Kunstausstellungen und schau mir an, was auf ihnen zum Thema "HÖHLE und KUNST" zu finden ist. Sowohl die Ausstellungen 1992 als auch 1997 boten einiges Anschauungsmaterial dazu, die ich damals ins Internet gestellt hatte. Diesmal gibt es etwas ganz Besonderes.

Gemäß dem Motto, daß jeder Mensch ein Künstler sei, haben wir Anne Pincus, Brigitte Reichel und ich, ein ganz eigenes Kunstwerk unabsichtlich geschaffen: "Ali Babas Räuberhöhle auf dem Kassler Hauptbahnhof". Bislang findet man dieses "Kunstwerk" noch nicht im offiziellen Katalog der Veranstaltung, denn da wurde das tatsächliche Geschehen ja noch nicht einbezogen. Wo käme man auch hin, wenn die Besucher einer Ausstellung beim Besuchen derselben selber "Kunstwerke" schaffen würden? Die brächten ja das ganze Programm durcheinander! Denn was ließe sich denn noch ordnen, abheften, drucken, verwerten, wenn all das, was da passiert während so einer DOCUMENTA auch dazu gehören würde? Z.B. ein Diebstahl! Das sei noch nie passiert, wurde uns auf der Polizeistation erzählt.

Trotzdem:

Ali Babas Räuberhöhle auf dem Kassler Hauptbahnhof

Ein spontanes "Kunstwerk", entstanden am 18. August 2002, Teil der DOCUMENTA 2002

Das Blöde ist, daß daß die sogenannte "Kunst" leider vollkommener Ernst ist. Die Schlüssel sind nicht mehr da, die die heimischen Türen aufsperren, der Rasierapparat ist nicht mehr da, der den alltäglich nachwachsenden Stoppelbart absäbelt, der Führerschein ist weg und nur gegen 75 € wieder erteilt wird. Wer versichert uns gegen "unsere Kriminellen"?

Höchst aufschlußreich war die Reaktion der Angestellten der Deutschen Bahn AG auf unsere Aufgeregtheit. Es gäbe keine Haftung der Bahn für Sachen, die in Schließfächern eingestellt seinen. Für den EURO, den wir eingeworfen haben, gibt es nichts, wenn man bestohlen würde. Man könne das bei den Schließfächern schließlich lesen. Könnte ich dann nicht genauso gut, meine Sachen irgendwohin stellen? Jemand nimmt sie mit oder auch nicht. Die Verwalterin der Schließfächer sei gerade nicht da, keiner könne ansonsten ran. Was wäre, wenn da jemand einen Sprengsatz ins Fach gestellt hätte? Eine Atombombe vielleicht? Keiner da, die "Verantwortlichen" im Urlaub oder auf Auszeit?

Immerhin konnten wir noch eine "Anzeige" im Bahnhof beim Bundesgrenzschutz abgeben. Wir wurden zwar informiert darüber, daß wir diese Anzeige auch woanders hätten aufgeben können, dann hätten wir unseren ICE nicht versäumen müssen, hätten unsere reservierten Sitzplätze einnehmen können und hätten nicht im Speisewagenabteil fahren müssen, um nicht auf dem Boden zu sitzen. Aber wir wollten halt so viel tun, wie für uns möglich war. Haben die Umgebung des Bahnhofs abgesucht, ob wir nicht irgendwo unsere Sachen wiederfinden konnten, Sachen, die für jeden "Dieb" im Grunde wertlos waren, gebrauchte Hosen, Hemden, Nachthemden, Adressbücher, bezahlte Rechnungen, Bluthochdrucktabletten, Zahnbürsten...

Ali Babas Schatzhöhle 2002? In einem Bahnschließfach? SESAMÖFFNEDICH. Das magische Wort, das ein Schließfach öffnet und wieder schließt, ohne daß man einen Schlüssel hat?

Trotzdem, alles, was wir da erlebt haben, ist nichts im Vergleich zu dem, was dort gezeigt wurde. Am Eindrucksvollsten hier


Ein Blick zurück ins Jahr 1992

Links:

DOCUMENTA

Deutsche Bahn

 


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