Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlentrommeln im Hohlen Fels 2005, Schwäbische Alb



Es ist schon zu einer Tradition geworden, daß um die Sommersonnwende herum im Hohlen Fels bei Schelklingen ein Trommelkonzert stattfindet. Am Samstag, den 25. Juni 2005, war es soweit.

Ich wußte gar nichts davon. Willi Adelung erzählte mir, daß im Radio eine Nachricht von einem Höhlentrommelkonzert gekommen sei. Wir fuhren hin. Ab 17 Uhr sollte es Karten dafür geben, um 19 Uhr sollte das Konzert beginnen.

Es wurde ein schönes Erlebnis daraus. Es waren tatsächlich um 5 Uhr die ersten da, die Eintrittskarten erwarben. Aus der Höhle waren bereits Töne zu vernehmen, die Musikgruppe übte schon mal ihre Stücke. Wir konnten nur den Eingangsteil mit dem kleinen Höhlenmuseum betreten, bei der Leichtmetallbrücke, die über die Grabungsstelle führt, war eine Sperre. Draußen begann sich der Himmel immer mehr zu verfinstern, es begann zu regnen, dann zu schütten, daß es nicht heftiger vom Himmel hätte kommen können. Das Höhlendach war ein willkommener Regenschutz, der das kleine Grüppchen der Wartenden sehr gute vor der Nässes schützte.

Als das Unwetter vorbei war, klarte es tatsächlich wieder auf und es zeigten sich sogar wieder hoffnungmachende blaue Himmelsareale. Immer mehr Leute kamen, viele Familien mit ihren Kindern, exotisch gekleidete Erwachsene, viele Solofrauen. Der Parkplatz war übervoll besetzt. Bestimmt 200 Leute kamen zu dem Event.

10 Minuten vor Beginn des Konzerts durften wir hinein in die Halle. Sogar ein Behinderter im Rollstuhl konnte in den ansteigenden Höhlenraum hineinfahren, da überall Rampen sind, die helfen, die Höhenunterschiede zu überwinden.

Es gab freie Platzwahl. Ein paar Profis wußten offenbar schon um die besten Plätze stürmten darauf los und breiteten sich dort aus. Einige hatten Sitzkissen dabei, Wolldecken, Anoraks, einer sogar einen Plastikgartenstuhl. Erst wurden nur die Wege kolonisiert, aber langsam trauten sich die Leute auch in das unebene Gelände dazwischen, das teilweise voller klebrigstem Höhlenlehm war. Egal. Alle fanden am Ende ihren Sitz- oder Standplatz.

Pünktlich legte die vielköpfige gemischtgeschlechtliche Musikgruppe los. Sie hatten eigentlich nur einen schmalen Randstreifen entlang der Wand als Standfläche zur Verfügung. Dort waren all die Trommeln und Schlaginstrumente auch abgestellt, die man je nach Bedarf dann verwendete. Die Musikauswahl war sehr gut. Gut 80 % der Stücke paßten einfach in diesen Höhlenraum, wirkten auf mich nicht hineingepropft, sondern entwickelten in der Höhlenakustik eine starke Wirkungsdynamik in den Zuhörern. Die übrigen Musikstücke hatten einen starken brasilianischen Einschlag, die Gruppe hat ja einen brasilianischen Gruppennamen, da habe ich mich schon gefragt, ob da die Höhle der richtige Aufführungsort war. Ein Lied war sogar zum Mitsingen da, ein indianischer Chant, der durchaus Echo im Publikum fand. Am stärkesten fand ich ein sehr einfaches Stück. Der Leiter der Gruppe, ein mittelalter Mann, spielte auf einer kleinen Handtrommel eine Melodie. Sonst war nichts zu hören. Gerade diese Schlichtheit korrespondierte sehr gut mit dem spartanischen Höhlenambiente. Auch ein Stück, bei dem Klänge, die auf einem Schlauchstück erzeugt wurden, miteingebunden waren, hatte hohe Qualität.

Nach einer Stunde war alles wieder vorbei. Eine Zugabe. Dann strebten alle wieder dem Ausgang zu. Es war noch hell draußen und, besonders stark auffallend, vergleichsweise warm. Es war so schön, die Höhle auch wieder verlassen zu können! Für die Trommelbegeisterten sollte es noch eine Fortsetzung draußen vor der Höhle auf der Wiese geben. Das war aber wetterabhängig.

Bei so einem Konzert möchte ich wiedermal dabei sein.

Im September soll es übrigens ein Gongkonzert in der Höhle geben.

 


Das Publikum
Die Akteure
 
Das Ende vom "Lied"

- Pampiger Höhlenlehm am Bergschuh

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