Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Mineralientage 2001 in München vom 28.-29. Oktober

- ein Besuch mit kritischen Augen


"Was ist jetzt eigentlich draußen in der Natur noch da?" In diese Frage verkleidet war die Sorge eines Österreichers, den ich beim Verlassen der Ausstellung kund tun hörte, angesichts dieses Riesenangebots an "Mineralien" auf dieser inzwischen gewaltig gewordenen Ausstellung. Jetzt findet sie auf dem neuen Messegelände in Riem statt und beansprucht immerhin schon 3 Ausstellungshallen. Für 2001 hatte sich die Ausstellungsleitung ein besonders für Höhlenforscher und -schützer kritisches Motto gewählt: "Höhlengeheimnisse". Geworben wurde überall mit einem Poster, das einen Riesenkalzitstern zeigte.

Weiter unten ist meine Stellungnahme bei der Ausstellungsleitung zu lesen und ihre Antwort darauf. Der deutsche Verband der Höhlenforscher hatte es abgelehnt, sich an der Schau zu beteiligen, was ich gut nachvollziehen kann.

Sollte ich selber hingehen und mir anschauen, was es da alles gab? Unterstützte ich nicht mit meinem Eintrittsgeld von 19 DM eine Sache, die ich zutiefst innerlich ablehne - das angestrengte In-die-Öffentlichkeit-Zerren von etwas, was eigentlich zutiefst verborgen in der Erde ist und auch nicht in helle Tageslicht gehört, will man, daß es noch ein paar mehr "Lebenstage" hat? Höhlen als Magnet für eine reine Verkaufsveranstaltung, die im Grunde ein übles Verhökern der Fels gewordenen Schönheiten der Erde ist, noch ein bißchen schärfer als "Höhlengeheimnis" angeheizt?

Nun, ich bin am Sonntagmorgen hingegangen und habe mich umgesehen. Vor vielen Jahren war ich schon einmal dort gewesen. Es muß das erste Mal gewesen sein, wo es diese Ausstellung gegeben hat. Der Schock, den ich mir dort geholt habe, hielt 20 Jahre. Prachtexemplare von Kalzitschönheiten von Orten, die zu nennen ich mich komplett scheue, in der Öffentlichkeit wiederzugeben. Preise, die mir den Atem stocken ließen. Kein Wunder, daß da die Erde überall nur so geplündert wird.

Der Ausstellungsbesuch hat mich nicht gereut. In die "Höhle des Löwen" gehen. Über Besuchermangel hatte die Ausstellung nicht zu leiden. Die S-Bahn karrte Waggon um Waggon an neuen Besuchern hinaus zu den Hallen, die sich massiv mit ihnen füllten. Die "Höhlengeheimnisse"-Schau war ziemlich klein, aber bestens besucht. Ein Gang war mit Gemälden und Fotos von den Marteaus gefüllt, ein Kabinett präsentierte Höhleninhalte vom Erzberg in der Steiermark, heute verwahrt im Johanneum in Graz. Das wohl einmal die "Lechuguilla" des vorangegangenen Jahrhunderts. Original und Wiedergabe in Lehr- und Schulbüchern, seltsam naiv, fern und fremd wirkende "Schaukästen", und die Originalsteine, das war alleine schon den Besuch der Ausstellung wert.

Dann gab es noch eine Raritätenschau mit Stalaktiten und Stalagmiten aus unterschiedlichsten Mineralien, die einfach "atemberaubend" war. Leider waren dann an so manchem Stand die "anderen Exemplare" zum Kauf "freigeben". Das hier war nur das Appetithäppchen für den Mineraliengourmet.

In einer Art Projektionskino liefen fast pausenlos die vertonten 3-D-Diaschauen von Daniel Chailloux und Guy Ventoulliac, die ständig randvoll mit Besuchern waren. Ich kannte die beiden schon von SPELEMEDIA, dem Vorprogramm des UIS-Kongresses in La-Chaux-de-Fonds. Ich war damals Mitglied der Jury des Festivals, und schon damals waren mir die beiden, ehrlich gesagt, nicht besonders geheuer. Ihre Bilder sind mir zu "perfekt". Für mich fehlt ihnen der "Funke". Aber sie kommen an, die Leute gehen hin, setzen sich die 3-D-Brillen auf die Nase und sind erstaunt, über das, was ihnen da naselang vorgeführt wird. "Die schönste Höhle der Welt", einfach ins Hirn geliefert durch ein paar KODAK-Karusselprojektoren und durch Musik von der Kassette. Mir war das viel zu "krachert", falls das jemand versteht. Speleo-Micky-Maus und Disneyland. Aber das "verkauft" sich halt heute.

Der Stand der "Arbeitsgruppe Höhle" zeigte ein kleines bißchen die wissenschaftliche Seite der Höhlenforschung und war im Vergleich dazu, eher spartanisch, aber gut. Bilder von Tropfsteinen in der Wüste, Querschnitte von Tropfsteinen, die auf Sinterchronologie Bezug nahmen, an der Wand daneben Fotos von einer Stelle in einer sauerländischen Höhle, die deren langsame Degradation dokumentierte, in einem Schaukasten ein Tropfstein im Profil, ein bißchen Literatur, und zwei kompetente Betreuer - Karl-Heinz Pielsticker und Stefan Niggemann. Hier war man als "Höhlenforscher" gleich "zuhause", hatte kompetente Gesprächspartner, und traf auch schnell andere "Höfos".

Gleich daneben warb die Höhle von Alistrati in Griechenland um Besucher. Das war es dann schon wieder.

Höhlenmineralien waren nicht häufig auf den Ständen zu kaufen. Die Ausnahme bildete ein Stand aus Thailand, wo es ein ganzes Bündel von Stalaktiten gab (ein Schild "verkauft" lag gleich dabei). Natürlich hätte man auch Bärenschädel und Zähne kriegen können, Aragonit und Kalzit aus Höhlen, aber das war glücklicherweise nur selten der Fall. Es waren aber halt auch viel attraktivere Mineralien da, auf die sich das Publikum wohl eher stürzt.

Einen Blick verdienten auch die vielen "Minihöhlen" in einigen Mineraliengruppen von oft phantastischer Schönheit. Der Formenschatz aus den "großen" Höhlen mit ihren Stalaktiten, Säulen usw. wiederholte sich da eine Stufe kleiner noch einmal. Das hatte so richtigen Fraktalcharakter.

Ich war nicht allein als "Höhlenforscher" unterwegs und traf auf einige bekannte Gesichter aus der "Szene". Sogar aus Wien war Charly Mais angereist. So weit geht inzwischen offenbar schon der "Ruf" einer solchen Veranstaltung.

Hoffentlich wählt sich die Ausstellungsleitung nächstes Jahr ein anderes Motto und läßt die Höhlen erst einmal für einige Jahre in Ruhe.


Text von AKTUELL von "Mensch und Höhle" / Oktober 2001

Wer sich selber einmal darüber informieren möchte, was und wie dieses Thema dort offeriert wird, der sollte mal hier klicken (der konnte hier mal klicken - 2005): http://mineralientage.de/mineralien/index.htm. Wohl jedem, der schon einmal eine ausgeplünderte Höhle erlebt hat, wird nicht wohl dabei sein, daß mitten in der Höhle des Löwen, dort, wo es direkt um Geld gegen Steine geht, so etwas präsentiert wird. Kein Wort über den Kernsatz des Höhlenschutzes: "Take nothing but pictures..".

Ich habe direkt ein Email an die Verwaltung dieser Veranstaltung geschickt und die folgende Antwort bekommen:

Datum: 05.09.01 00:08:03 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit<BR>
From: info@mineralientage.de (mineralientage.de)<BR>
To: Lindenmayr@aol.com<BR>
CC: dechenhoehle@t-online.de (Dechenhöhle, Dr.Niggemann)<BR>

was für einen Eindruck erweckt denn unsere Vorankündigung? Steht sie<BR>
irgendwie Ihrem Motto entgegen?<BR>
Da finden sich garantiert keine Hinweise zur Animation von Raubgräbertum<BR>
etc., das kennen und beachten wir nämlich seit Gründung der Mineralienmesse<BR>
vor 38 Jahren!<BR>
Und bitte nehmen Sie es uns nicht übel, aber der VDHK war herzlich<BR>
eingeladen, genau Ihren Vorschlag durchzuführen.<BR>
Seine Satzung verpflichtet ihn ja sogar zu dieser Art Öffentlichkeitsarbeit.<BR>
Leider hat der Verband aber seine Teilnahme verweigert, das hat uns sehr<BR>
erstaunt.<BR>
<BR>
Besuchen Sie uns, Sie werden wohltuend erleichtert sein.<BR>
<BR>
Mit freundlichem Dank für Ihren Hinweis<BR>
Ihr<BR>

Dipl.-Ing. Joh. Keilmann<BR>
Geschäftsführer<BR>
<BR>
MINERALIENTAGE MÜNCHEN<BR>
FACHMESSE GMBH<BR>

Sollte und kann man noch mehr tun? Sollte sich der "Verband" nicht doch noch mit einem Beitrag beteiligen, der den Höhlenschutzgedanken massiv herausstellt. Krasse Beispiele gibt es genug, um das verheerende Vorgehen von "Mineraliensammlern" zu zeigen, siehe z.B. Sardinien, Steinernes Meer oder Silberloch. >> http://www.lochstein.de/schutz/silberloch/silberloch.htm

Es sollten sich noch mehr "Höhlenforscher" und "Höhlenschützer" direkt an die Ausstellungsleitung wenden, und ihnen ihre Meinung sagen!

Man sollte mindestens den Titel ändern! "Geheimnisse" ist ein extremes Reizwort. Wer möchte sich nicht aufmachen, um sie zu "lüften"? Das Spiel mit der "Jungfräulichkeit", mit der "Exklusivität", das man dann für den Preis einer Eintrittskarte "gewinnen" kann!

Vielleicht sollte man die ganze Veranstaltung besser: "Die Verarmung der Innenräume" oder ".... Geld gegen ... Schönheit" nennen! An die Stelle der ..... (Punkte) könnte man dann zum Beispiel "schmutziges", "unversteuertes", "unverdientes", "sauer verdientes", "wunderbare", "überwältigende", "göttliche", "terrific" und sonst noch tausend Ausdrücke setzen.

Wem das auch noch etwas ausmacht, daß man unsere kleine Erde nicht so einfach verhökert für ein Erbsengericht, der kann sich ja einmal bei mir, aber auch vor allem bei den Organisatoren dieser komischen Ausstellung, mal melden. Die alten "Erfolgsrezepte" waren nie welche, und wir müssen uns alle immer wieder überlegen, wie es gerade im Augenblick um den "pact between the dead, the living and the unborn" steht .

 


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