Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

 

Das Grafenloch bei Oberaudorf
Inntal, Bayern


Juli 2021


In der Luegsteinwand bei Oberaudorf im Inntal, aus "saiger stehendem Rätkalk" (Klaus Cramer) bestehend, liegt der schon von weitem zu sehende Eingang in das sog. "Grafenloch" in 640 m Seehöhe. Es ist heute gut auf einem markierten und breit ausgetretenen Weg leicht zu erreichen. Nur die letzten Meter erscheinen manchem, trotz Drahtseilsicherung und Alutreppenaufstieg, noch zu riskant und wagt sich lieber nicht hinauf in die lohnende Höhle. Als ich im Juli 2021 wieder einmal dort war, passierte mir genau dieses. Während des kurzen Zeitraums, wo ich mich dort aufhielt und hauptsächlich photographierte, kamen 4 Familien und Paare vorbei, schauten sich kurz um und waren auch schon wieder draußen. Nur eine junge Osteuropäerin und wohl der kleine Bruder warteten am Beginn der Querung und warteten bis ihre Eltern wieder zurückkamen.

Die frühesten Spuren des Menschen, die man noch archäologisch bei einer Grabung im Eingangsbereich 1967/68 sichern konnte, stammen aus der Urnenfelderzeit (ca. 1250-750 v. Chr.). In einer etwa 1 m mächtigen Schicht fand man auch Reste aus dem Mittelalter und späteren Zeiten, als sich die Menschen in Kriegszeiten immer wieder dorthin zurückgezogen hatten, z.B. im Spanisch-österreichischen Erbfolgekrieg 1704 und 1743. 

Markant ist vor allem die massive Stützmauer aus mittelgroßen Quadern am Eingang, die 1 m stark ist. Keramik-Funde sprechen dafür, daß bereits vom 11.  bis zum 13. Jahrhundert burgmäßig gesiedelt wurde, und man später auf die leichter erreichbare Auerburg unten im Tal umsiedelte. Zwischen beiden Burgen gibt es aber eine Sichtverbindung. 

Vom ca. 12 m breiten und bis 10 m hohen Eingangsportal erstreckt sich der Raum 20 m tief in den Fels, wobei der viel begangene Boden um 5 m ansteigt. Nach oben gibt es eine domartige Deckenbildung bis ca. 12 m Höhe. Eingangsnah wachsen Farne und andere Höhlenpflanzen. Am Boden findet sich an einer Stelle viel Kot von Tieren, die sich offenbar in einer bestimmten Deckenzone oberhalb immer wieder aufhalten. An menschlichen Spuren waren im Juli 2021 nur ein zurückgelassenes rotes Grablicht, eine Holzbank und eine verlorene Corona-Atemschutzmaske zu vermerken.

Vergessen werden soll nicht der Hinweis auf die Sage von dieser Höhle, die z.B. in den "Inntaler Sagen" nachzulesen ist - vom bösen Grafen, der beim Zustieg zur Höhle vom Blitz erschlagen worden sein soll!

   
"Tier"scheiße
"Menschen"maske
Das Nachbarloch
Das Grafenloch aus der Ferne

Frühere Bilder:

 


 

Literatur:

Bauer, Fritz Unser Oberaudorf
Cramer, Klaus Höhlen und Karsterscheinungen, in: Geologische Karte von Bayern 1:25 000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 8338 Bayrischzell, München 1985
Gruber, Eva Die Höhle in der Felsrippe o. J.
Hofmann, Peter Wege im Inntal, Norderstedt 2005
Hoifmann, Peter Anthropospeläologie am Beispiel des Inntales, in: Verein für Höhlenkunde in München, Münchner Höhlengeschichte II, München 2004, S. 313-344
Künzel, Karolin 50 sagenhafte Naturdenkmale in Bayern, Steffen Verlag, Berlin 2019
Meyer, Werner Burgen in Oberbayern,  Frankfurt/Main 1986
Städtische Galerie Rosenheim, hrsg. von Auf ins Inntal! Spitzweg, Schleich d.Ä. und Malerfreunde auf Reisen.., Rosenheim 2015
Walter, Christian Steinerne Zeugen des Mittelalters,  Norderstedt 2014
Weithmann, Michael W. Inventar der Burgen Oberbayerns, Bezirk Oberbayern, Fachberatung Heimatpflege, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage 1995

Links:

http://www.unterwelten.com/grafenloch.html

https://www.auf-den-berg.de/wandern/bayern/wanderung-vom-luegsteinsee-zum-grafenloch/

https://www.outdooractive.com/de/route/themenweg/oberaudorf/hoehlenwanderweg-zum-grafenloch/6125424/

http://burgenseite.de/html/luegstein.html

Speläologisches im Inntal


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