Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Das Windloch bei Vorra

Bekannt war der Eingang in das "Windloch" mit der Katasterbezeichnung A 5 den Menschen, die im Gebiet des Mittleren Pegnitztales in der Hersbrucker Schweiz leben, schon immer. Da tat sich mitten in der Erdoberfläche ein tiefes Loch auf, dessen Tiefe unbestimmt blieb. Man konnte allenfalls Steine hinunter werfen und am zurückkommenden Klang abschätzen, wie tief der Abgrund wohl war.
Wer als erster hinabstieg, das ist unbekannt. Ende des 19. Jahrhunderts wagten wohl die Ersten den Abstieg. Dazu wurden sie am Seil in die Tiefe gelassen und von anderen wieder in die Höhe gezogen. Aus dem Jahr 1908 stammt der älteste Bericht darüber Dabei war am Schachtgrund die stark verweste Leiche eines Mannes gefunden worden. Am Ende stellte sich anhand der Bestimmung einer Taschenuhr mit Monogramm heraus, daß es sich um den Sohn des Pfarrers Rüdel handelte, der schon seit drei Jahren abgängig gewesen war.
2004 stürzte Walter Gerner beim Abseilen 20 m ab und konnte von der Bergwacht nur noch tot geborgen werden.
Die Eingangsumgebung ist heute abgezäunt, daß niemand unabsichtlich in den Eingangsschacht stürzen kann. Eine schräge Rampe führt zu einem überhängenden Steilabbruch, der in die großräumige Halle mündet. Der Abstieg erfolgt meist von der sog. "Galerie" aus, wo man das Seil befestigen kann und etwa 20 m tiefer auf einem Schuttkegel landet. Von hier kann man in der großen Halle herumwandern, den Wandsinter bewundern und in kürzere Seitenteile hineinsichbewegen. An einer Stelle kommt ein Seil von oben, mittels dessen man in einen weiteren Seitenast erreichen kann.
Es wurde ja immer vermutet, daß die Höhle irgendwo eine bedeutende Fortsetzung haben müßte, aber alle Versuche sie zu finden, sind bislang fehlgeschlagen. Zwischen 2000 und 2002 wurde die Höhle gründlichst vermessen und ein präziser Höhlenplan erstellt. Nun wird die Gesamtganglänge mit 230 m angegeben und eine Gesamttiefe von -40m ermittelt.
Früher war der Eigentümer des Grundstücks der Bund Naturschutz, Ortsgruppe Hersbruck. 2005 bekam es die Naturhistorische Gesellschaft in Nürnberg geschenkt, die sich seither um das Objekt kümmert. In den vergangenen Jahren fanden regelmäßig Aktionen statt, in denen der in die Höhle beworfene Müll und große Mengen von Holz wieder herausgeholt wurden.
Im Sommer ist der Zugang in die Höhle für Menschen, die Schächte überwinden können, möglich, heute meist mittels der SRT-Technik, in der Winterzeit ist er aus Fledermausschutzgründen nicht erlaubt. Wieviele "Mäuse" hier überwintern, das läßt sich nie exakt ermitteln, es ist aber auch nicht wirklich notwendig, das zu wissen.
Früher war ja vieles auch besser als heute. Manches ist immer noch auf Tal- bis Absturzfahrt, manches scheint sich, zumindest momentan, zu stabilisieren. Jedenfalls zählte man beispielsweise 1980 nur noch 8 Exemplare, 2007 346 Tiere. Heute?
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Literatur:
Anonymus (1908): Ohne Titel. Nürnberger Anzeiger, 30.8.1908, Nürnberg
Huber, Fritz (1967): Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Osswald, Gerhard (2007): Das Windloch bei Großmeinfeld (A0005), Natur und Mensch - Jahresmitteilungen der naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg e.V., 2007, S. 89ff.
Links:
https://www.fhkf.de/hoehlen/windloch-bei-grossmeinfeld/
https://www.alltrails.com/de/route/germany/bavaria/windloch-hohle-und-schlangenfichte-ab-vorra
https://www.zobodat.at/pdf/Natur-und-Mensch_2007_0089-0096.pdf
Höhlen im Hirschbachtal und Umgebung
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