Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Aven de la Salamandre

Gard, F


Der Eingang in den Aven de la Salamandre in der Umgebung von Mejannes-le-Clap oberhalb der Cezeschlucht war wohl immer schon bekannt. Ein tiefes weites Loch klafft da im Boden und sicherlich hätte so mancher gerne gewußt, was es da unten zu holen gegeben hätte.

Im Frühjahr 1965 machte sich eine Gruppe von Höhlenforschern aus Uzès und Nimes (Jean-Marie Miollan, Roger Vejus, Jack Bercand, Henri Bunis, Jean-Pierre Bourdillon, Jean-Louis Coste, Alain Suavet, Louis Lafaye, Robert Hugues, Maurice Repka, Claude du Marteray, Jacques Robert, Guy Nourissat, Marcel Watier).erstmals daran, den Schacht zu erkunden, der schon Robert de Joly bekannt gewesen war. Nach 47 Metern Abstieg wurde eine riesige Halle erreicht, 120 x 120 m weit, die mit kolossalen Säulen gefüllt war. Es dauerte 8 Tage, bis sie erforscht gewesen war, wobei man gleich Reporter von O.R.T.F dabei hatte. Aus dieser Zeit stammt der heute auch im Internet verfügbare Film. Der Name der Höhle stammt von den Tieren, die sie am Fuß des Schachtes entdeckten: lebenden Salamandern.

2009 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, ob die Höhle als Schauhöhle erschließbar sei, 2011 begannen die ersten Bauarbeiten im dem als Natura 2000 ausgewiesenen Gebiet, weshalb besonderen Wert auf den Schutz der Natur sowohl in der Höhle als auch außerhalb gelegt werden mußte. 2 Stollen wurden in den Berg getrieben, die so angelegt wurden, daß auch Gehbehinderten ein Zugang möglich sein sollte. Die Wahl des Architekten fiel auf Jean-Francois Daures, der als Spezialist für "construciton végétale" gilt. Als Baumaterial für die Schauhöhlengebäude verwendete man viel Holz aus der Umgebung. Als Besucher hat man erst einmal einen Fußmarsch von etwa einem halben Kilometer zurückzulegen, aufgelockert durch einen Bio-Lehrpfad, ehe man die ein wenig an Südseehütten erinnende Anlage erreicht, die eingebettet in die Garrigues der Cezeschlucht liegt. 

Für die Beleuchtung der Höhle hat man gleich mit LED-Lampen gesorgt, die nun für eine maximale Ausleuchtung sorgen. Es ist sicherlich nach jedenmanns Geschmack, wenn man ganze Farborgien erlebt, von Lila bis Grasgrün, aber mir gefällts. Ohne sie bekäme man nicht mit, wie riesig der Raum ist und wie vielfältig der Sinterschmuck. 

Man dreht schon gewaltig an der Tourismusschraube und bietet ein maximales Angebot: es gibt auch Speläotouren, wo man für 50 Euro sich 50 m im Schacht in die Halle abseilen kann. Und man bläst manchmal eine Montgolfiere auf und ermöglicht es den Besuchern darin bis unter die Decke der Halle zu schweben. Daß es auch Konzerte gibt, das ist auch anderswo so. Entsprechend ist das Angebot auch über der Erde reichhaltig: Am Eingang hat man die bekannte Holzwand aufgestellt, in die man seinen Kopf stecken kann, um zur Füllung für den aufgemalten Höhlenforscher zu werden. Für die Kleinen offeriert man Goldsuchexkursionen, wo sie in vorher schon vorbereiteten Säckachen kleinen glitzernde Steinchen "finden". Geht's noch?

2022 war ich anläßlich des ICPM an der Ardèche dort, weil ich wegen Knieproblemen nicht in wilde Höhlen eingsteigen konnte. Auf dem neu gebauten Schotterweg war das kein Hindernis. Da ich schon früh da war, gab es nur wenig Besucher, aber gegen Mittag zu füllte sich der "Laden". In einer kleinen überschaubaren Gruppe wurden wir hineingeführt. Zuerst ein Stollen und dann das Steinparadies. Erst durch die phantastische Beleuchtung sieht man, was sich hier für eine Schatztruhe befindet. Gleichzeitig erschienen aus der Decke 4 kleine Lichtlein, die allmählich herunterkamen - eine kleine Gruppe von Speläovertikaltouristen, die, nachdem sie unten aufkamen, ihr Zeug packten und durch den Tunnel nach draußen strebten.

Zweimal war es mir vergönnt, in den Naturschacht abzusteigen, am 6. Juni 1985 und am 18. April 1990. Da drangen aus der Tiefe auf einmal Flötentöne herauf, direkt magisch war das. Unten löste sich das Rätsel, denn da war eine kleine Gruppe junger Schweizer Höhlenforscher, die nicht das übliche Rein-Raus-Verfahren gewählt hatten, sondern lieber sich gemütlich für einige Zeit gerichtet hatten und bei einem dampfenden Teekessel saßen. 


Literatur:

Société Cévenole de Spéléologie et de Préhistoire (1982): Les cavités majeures du plateau de Méjannes-le-Clap tome 1 Secteur Ouest, Les Mages
Spéléo Magazine 74, La spéléologie d'exploration Grand Format,

Links 

https://www.caveseekers.com/caves/Aven_de_la_Salamandre/cave.html

https://www.grottedelasalamandre.com/en/


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