Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
2025 UIS pre-congress trip nach Peruacu, Minas Gerais, Brasilien
Der
Nationalpark und Weltnaturerbe von Peruacu
"Das Publikum will unterhalten werden, Spaß haben beim ..., die Schönheit... bewundern, aber eher wie auf einer Safari, einer geführten Wanderung durch die Wildnis, bewacht von kundigen ..(Großwildjägern).., die zur Not treffsicher eingreifen können." Zorn, Krise des Absoluten 549
Alle, die an der wunderbaren Vortour zum UIS-Kongress in Belo Horizonte teilgenommen haben, bekamen im voraus die ausführliche Mitteilung "IMPORTANT INFORMATION ABOUT VOUR VISIT TO PERUACU". In ihr stand ziemlich alles, was als wichtig erschien:
Die Tour begann am 13. Juli in Monte Claros im Bundesstaat Minas Gerais. Von dort ging es im Bus ca. 200 km nordwärts bis zum Nationalpark in der Nähe von Januaria, das am zweitmächtigsten Strom Brasiliens liegt, dem San Francisco River. Bis zum 19. Juli dauerte sie. Dann ging es mit dem Flugzeug zurück nach Belo Horizonte, wo der 19te International Congress of Speleology anstand.
Zur Ausrüstung sollten gehören: Lange Hosen, Wanderstiefel, langärmlige Hemden, ein Leichtrucksack mit 15 bis 20 Litern Inhalt, Taschenlampen mit Ersatzbatterien, Insektenschutzmittel (Icardin oder KBR 3023), ein Helm, Schlangenschutzvorrichtung (die bekam jeder Teilnehmer von den Organisatoren gestellt, denn wer hat so etwas schon bei uns), Mütze oder Hut, Sonnenschutzmittel, Medikamente, Spezialnahrung. Was nicht verlangt wurde, das ein Schlaz und keine SRT. War auch nicht notwendig.
Das Programm :
T1
– 13. Juli – Beginn um 7 Uhr am Treffpunkt – Amsterdam Hotel Montes
Claros und Transfer nach Peruaçu (190 Kilometer). Technischer Vortrag und
Besuch der Rezar-Höhle
T2 – 14. Juli: Langer Wanderweg und Besuch von Höhlen: Caboclos / Brejal
/ Carlúcio
T3 – 15. Juli Sehr langer Weg und Besuch der Höhlen Boquete, Abrigo Monte
Sião, Arco Andre, Anfiteatro (optional), Cascudo, Troncos, Desenhos
T4 – 16.07. Einfacher Wanderweg und Besuch der Höhlen Indios Bonita,
Buraco dos Macacos und Fluss São Francisco/Sonnenuntergang (Innenstadt von
Itacarambi)
T5 - 17. Juli: Langer Wanderweg und Besuch der Höhlen Janelão und Bichos
T6 – 18. Juli Easy Trail São Francisco River Beach – Unterkunft in Januária
T7
– 19. Juli: Transfer und Schließung in Montes Claros um 13.00 Uhr
Während wir im Bus nach Peruacu saßen, passierte etwas Außergewöhnliches. Begeisterter Jubel brach aus, als bekannt wurde, daß die Entscheidung, daß aus Peruacu ein Ort geworden war, der in der UNESCO-Lister des Weltnaturerbes stand, endgültig positiv gefallen war. Ein Ziel, auf das hin viele lange gearbeitet hatten, war erreicht worden. Es ist zu hoffen, daß die positiven Aspekte einmal die negativen aufwiegen werden. So etwas bringt große Aufmerksamkeit mit sich, zieht vermutlich große Investoren an, bringt wohl den Tourismus in der Gegend in Schwung, sorgt für Arbeitsplätze - man sehe sich nur das Beispiel Mulu auf Borneo an, verändert aber damit auch den gesamten Charakter einer Region, keineswegs immer zu deren Vorteil.
Wir hatten noch das Glück, die alten Zustände kennenzulernen. Unsere Unterkunft Pousada Recanto das Pedras war ein echtes Schmuckstück. Aber auch hier bereitet man sich schon auf Größeres vor. Der Betonmischer war schon da und man war mit der Vergrößerung der Unterkünfte beschäftigt. Noch lief alles sehr persönlich und übersichtlich ab. Man konnte sich eines der verschiedenen Biere noch aus der Kühltruhe holen und einfach einen Strich auf eine Liste machen. Das oft köstliche Essen wurde in großen Töpfen im Speiseraum vor der Küche kredenzt, wobei man sich soviel man halt wollte holen konnte. Der offene Speisesaal hatte ein großes Holzdach, unter dem in kleinen Gruppen gut sitzen konnte - manchmal bis nach Mitternacht. Wer großen Komfort haben wollte, der sollte wo anders hingehen, aber wer es lieber einfach und sauber wollte, der war hier bestens aufgehoben.
An der Straße, ungeteert, stand ein kleines Häuschen, in dem Kunsthandwerk und regionale Produkte angeboten wurden, das den Menschen der Umgebung zu einem kleinen Zusatzeinkommen verholfen werden sollte.
Folgte man der einzigen Straße weiter, kam man an den Ruinen eines
einstigen Bauernhofes vorbei, der längst aufgegeben worden ist, damit nun
die Natur wieder Vorrang vor landwirtschaftlichen Interessen bekommt.
Seitwärts geht es zum Gebäude der Nationalparkverwaltung, dem Ort, wo
künftig das Herz der Zukunft der Region schlagen soll. Dort kann man
Informationen über den Park bekommen, Führer anheuern, ein Museum besuchen
und in einem Vortragsraum Präsentationen beiwohnen.
Hier beginnt auch der Weg zur Rezarhöhle, einem
Schmuckstück des Nationalparks. Man muß allerdings sich schon etwas
anstrengen, denn es geht rund 500 Stufen aufwärts, um zu der in der Höhe
gelegenen Riesenhöhle mit dazu passendem Portal zu gelangen. Davor sind
dann auch die, wie bei all den anderen großen Höhlen der Umgebung,
Malereien. Viele abstrakte Zeichen, stilisierte Menschen, Symbole – das
die Menschen damit wirklich wollten, wer weiß das heute wirklich? Ich
glaube niemand. Der Weg ist sehr gut ausgebaut, oft auf Holzstegen geführt,
links und rechts mit Trassenbändern gesichert. Man kann nur hoffen, daß
sich alle Besucher daran halten.
Ein Riesentunnel nimmt einen auf. Man steigt immer mehr bergan bis ein
Scheitel erreicht ist. Dann geht es horizontal weiter bis zu einem steilen
Wandanstieg, wo man wieder umkehrt. Riesige Sinterfiguren stehen herum,
heruntergefallene Felsplatten liegen wie Skulpturen im Gang. Dann heißt es
wieder umzukehren und hinabzusteigen ins Tal und zurückzukehren ins
Nationalparkzentrum.
Die Brejalhöhle liegt in einem Bezirk des Parks,
der für die normalen Besucher gesperrt ist. Ausnahmsweise durften wir
dorthin und erlebten ein weiteren Höhlenwunder. Hier versickert der
Peruacu, nachdem sich allmählich die Bäche zu einem Fluß auf der Hochfläche
vereinigt haben und verschwindet im Untergrund in einem riesigen Tunnel. Man
betritt die Höhle durch den Wiederaustritt des Wassers und bewegt sich in
Richtung der Versickerungsstelle. An einer Stelle muß man den Bach queren
und es bleibt einem nichts anderes übrig, als die Schuhe auszuziehen und
barfuß durchs Wasser zu waten oder halt später mit gewässerten Schuhen
nur noch herumzulaufen. Kommt kam in die Nähe des zweiten Eingangs, dann
sieht man immer mehr Vogelfedern am Boden. Sie stammen von den Vögeln, die
bis hierher vordringen.
Beim Weg zur Höhle fielen uns die vielen alten Bäume auf, die abgestorben
schienen. Tatsächlich verschwinden sie langsam, nachdem sich das Klima in
den letzten Jahren so dramatisch geändert hat. Gab es noch vor wenigen
Jahren 6 Monate Regenzeit, ist diese Periode nun auf 3 Monate geschrumpft.
Die Folgen sind katastrophal. Der Mangel an Wasser führt zu einer
vollkommenen Veränderung der Natur mit entsprechenden Folgen.
Das absolute Highlight der Gegend ist die Janelaohöhle. Die Gruta do
Janelao ist auf eine Länge von 5434 m vermessen, wobei 3,5 km in einem
riesigen Tunnel liegen. Der Gesamthöhenunterschied beträgt 176 m, die
Maximalhöhe des Ganges beträgt 105 m, wobei die Breite dann noch 60 m beträgt.
Immer wieder erwähnt wird, daß dort der möglicherweise längste bekannte
Stalaktit der Welt sei, das 28 m lange "Bein der Tänzerin".
"Janelao" bedeutet "Großes Fenster", womit die riesigen Öffnungen in der Höhlendecke gemeint sind, durch die im vorderen Teil der Höhle Licht von oben in die Höhle kommt. Heute ist der Zugang auf einem 4,8 km langen Führungsweg möglich, für den man 4 Stunden Zeit ansetzen sollte. Er beginnt am Parkplatz mit Führerhaus, das auch ein kleines Museum beherbergt. Gleich beim Höhleneingang ist seitlich eine der zahlreichen Bildergalerien mit prachtvollen Zeichnungen über einen Holzsteg erschlossen.
Es geht auf einem mit vielen vielen Steinplatten gepflasterten Weg mal abwärts,
dann wieder aufwärts und wieder runter. Kleine Brücken ersparen das
Durchwaten des je nach Wasserstands mehr oder weniger tiefen Baches. Ja, es
gilt sogar die Regel: "Kein Kontakt mit dem Janelao!", weil man
das Flußwasser möglichst frei von menschlichen Kontaktspuren halten will
(z.B. Sonnencreme). Wo keine Brücke ist, da gibt es Steinreihen im Wasser,
die ein trockenes Hinüberkommen erlauben.
Man durchquert mehrere riesige Schachtdolinen auf deren Grund kleine Wäldchen
aus Bäumen wachsen können, isolierte einzigartige Biotope. Eine trägt den
Namen Claraboia do Coracao, das "Herztageslicht".
Dann hört das Tageslicht auch einmal auf und für die Touristen heißt
es umzudrehen. Die Höhle führt aber noch kilometerweit riesentunnelartig
weiter, vorbei an monumentalen Tropfsteingebilden, über Sandlandschaften am
Boden bis zum Ausgang der Höhle in einen Canyon.
Was mir nicht so gut gefallen hat, war, daß ich mir oft wie ein kleines Kind behandelt vorgekommen bin. Vielleicht kommt es ja daher, daß da ein Nationalpark geschaffen worden ist, wo man alles regeln will und der Zufall möglichst ausgeschaltet ist. Siehe die Ausrüstungsliste oben. Es besteht absolutes Wegegebot und Führergebot. Auf eigene Faust da loszuziehen wäre nicht im Sinne der Vorschriften. Als ich mich einmal hinsetzen wollte, wurde ich gleich vergattert, daß ich da sehr genau hinschauen sollte, wo ich das täte, denn es gäbe "Schlangen". Begleitet wurde das von der Erzählung einer unserer Führerinnen, es sei ihr einmal passiert, daß sich unter einem Stein, auf den sie sich setzen haben wollen, so ein, wohl "giftiges", Tier gewesen sei. Ein Einzelfall wird da so, unzulässig, verallgemeinert als sei das die Regel. Wir haben auf der ganzen Reise keine einzige Schlange gesehen, die waren wohl da, aber gefährlich ist uns nirgends eine geworden. Eine solche Darstellung der Natur bleibt natürlich nicht folgenlos und ist auch so etwas, was Hilmar Klute in der SZ "die ständige Befeuerung mit alarmistischen Material" genannt hat. Wie häufig sind tatsächlich die gefährlichen Begegnungen und wieviele enden tatsächlich tödlich?
Und - Was haben wir überhaupt in dieser Gegend verloren? Suchen wir da was? Früher hieß es gerne: das Paradies,Shangrila....den Himmel, die "Freiheit". Und heute buchen wir das "Erlebnis" als Pauschalreise mit geschultem Führer für 1.000 Euro, womit alles mit einem Schlag verdampft ist. Und mit dem gehäuften Auftauchen unserer Spezies verduftet aller Naturreiz und wird ersetzt durch Surrogate und Regelungen.
| Auf dem Flug nach Monte Claro - dem Ausgangspunkt der Reise im Bundesstaat Minas Gerais | ||
| Abfahrt von Monte Claro mit dem Bus | ||
| Der Aufenthaltsraum im Pousada Recanto das Pedras
https://www.instagram.com/pousadarecantoda |
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| Beim Fassen des köstlichen Essens | ||
| Nationalparkgebäude | ||
| Im Nationalparkzentrum von Peruacu - eine echte Überraschung: ein Bild vom Hirlatz! |
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| Unterwegs im Nationalpark | ||
| Gruppenaufnahme von den einheimischen Begleitern aus der Brejal Cave | ||
| Exkursionsteilnehmer im Eingang der Janelaohöhle | ||
| Ausflug zu einer "Schnapsfabrik"
- die Lagerhallen |
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| Beim Ausflug nach Januaria | ||
| Gemälde im Gemeindezentrum | ||
| Bootsausflug auf dem San Francisco River | ||
| Bei Sonnenuntergang Wassermelonen essen | ||
| Schönheiten im Abendlicht | ||
| Diner in einem Resturant in Januaria | ||
| Im Nationalparkmuseum | ||
| Typische Landschaft | ||
Bei Sonnenuntergang am Ufer des San Francisco Rivers
Literatur:
Klute, Hilmar (2025): Die Verteidigung des Menschseins, SZ Nr. 211,
13./14.09.2025, S. 41
Lindenmayr, Franz (2025): Der 19. UIS-Kongress 2025 Die Vortour, Der Schlaz
141-2025, S. 18ff.
Zorn, Daniel-Pascal (2022): Die Krise des Absoluten, Klett-Cotta, Stuttgart
Links:
Pousada Recanto das pedras https://www.instagram.com/pousadarecantodaspedrasperuacu/?hl=en
2025 UIS-Kongress Belo Horizonte
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