Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Speläologisches vom Hohen Göll


Hoher Göll - Bayerische Seite


Wer von Salzburg auf der Feste südwärts schaut, der sieht ihn sofort, den zerfurchten Kamm des Göllmassivs mit dem 2.522 m Gipfel, rechts vom Salzachtal liegend. Er ist eine Art "Vorposten vor der Kette der Kalkhochalpen" (SHB, S. 351).

Vermutlich waren einheimische Jäger die ersten, die auf dem Gipfel standen, nachweislich war ein Slowene, Valentin Stanic, am 4. September 1800 auf dem Gipfel des Bergkamms, über den die deutsch-österreichisches Grenze verläuft.

Der Gebirgskörper des Hohen Göll hat eine Grundfläche von ca. 25 km". Zwei größere Störungen, die West-Ost verlaufen, trennen den Göll von der Umgebung ab. In ihnen haben sich das Bluntautal im Süden und das Weißenbachtal im Norden gebildet. Die steilen Riffkalkmauern des Kuchler Kammes wirken einfach abweisend. Nach Westen zu ins Berchtesgadener Land hinein gibt es weichere Sockelgesteine, so daß dort nicht gleich der harte Eindruck des unvermittelt aus der Tallandschaft aufsteigenden Hochgebirges" entsteht.

Zwei Schutzhütten gibt es. Im Norden ist das das Purtschellerhaus, von dem aus man auf dem "Salzburger Steig" über die Schuster-Route und den Kamin, die mehrere ausgesetzte Stellen haben, in ca. 2,5 Stunden zum Gipfel des Gölls gelangt. Südwestlich des Gölls liegen Schneibsteinhaus bzw. Carl-von-Stahl-Haus. Auch von dort aus läßt sich der Göllgipfel erreichen, wenn man über das Jägerkreuz und das Hohe Brett (2.340 m) und den Großen Archenkopf (2.391 m) einem Pfad folgt, wobei man immerhin mit 4,5 Stunden Zeit rechnen darf.


Speläologisch gesehen war der Göll lange Zeit ziemlich wenig nur beachtet worden. Die Ausnahme war die Quellhöhle des Schwarzbaches, die auf 580 m Seehöhe liegt und immer schon bekannt war. In ihr treten beinahe die gesamten Wässer des Gebiets wieder zu Tage. Die Schüttungsschwankungen sind gewaltig. Im Winter können es in kleinen Nebenaustritten gerade mal 30 l/s sein, aber bei Hochwasser, da konnten es schon mal 17 m³/s, gemessen von einem Schreibpegel am 8. September 1978, sein.
1798 wurde der Wasserfall für die Öffentlichkeit "entdeckt": Der Fürst Schwarzenberg und Herr von Mayer, Pfleger zu Golling, fanden den Zustieg sehr beschwerlich und nur mit "Steigeisen" durchzuführen. Deshalb unternahm man umfangreiche Wegbauten und erbaute dafür extra eine Brücke über die Salzach. 1954 erfolgte erstmals ein Versuch, das Wasser der Quelle auszupumpen, den Mitglieder des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg unternahmen. Anfangs sank zwar der Wasserspiegel schnell ab, aber dann ging gar nichts mehr weiter. 1962 begannen erste Tauchversuche, wobei die "Trümmerhalle" erreicht wurde. 1973 unternahm Jochen Hasenmayer einen Vorstoß im Alleingang. 1994/95 fanden weitere Tauchvorstöße durch Meyberg-Rinne statt. 2001 findet das nächste Unternehmen statt, diesmal vom SAT-Team und Mitgliedern des Münchner Höhlenvereins. Dabei wird die Höhle exakt bis in 60 m Tiefe vermessen, eine fotographische Aufarbeitung findet statt und Niphargen werden im Wasser dokumentiert. Es geht groß weiter. "Die geräumige Fortsetzung und hohe Schüttung lassen noch bedeutende Entdeckungen und möglicherweise auch eine deutlich größere Tauchtiefe erwarten. Das größte Problem ist nach wie vor das Beherrschen der Kälte..." (Dittrich, Meszaros 235).

1960 beginnt auf der österreichischen Seite die Forschung, nachdem bei einer Tour in die Torrener Bärenhöhle der Blick auf die andere Talseite gelenkt wurde, begleitet von der klassichen Worten von Gustave Abel: "Seht's da oben das Riesenportal? Da war noch nie wer oben!" Auf den 22. Mai läßt sich die erste Tour dorthin datieren, wobei die Teilnehmer Walter Klappacher, Bruno Reichegger und Gerhard Völkl waren. Die Entdeckungsgeschichte, niedergeschrieben von Gerhard Völkl, ist in der "festschrift" nachzulesen. Das Riesenportal wurde zur "Sakristei", in der man eine Forscherhütte errichtete, die 2015 wieder erneuert wurde. Ganz in der Nähe befindet sich im steilen Gelände der Eingang zur Gruberhornhöhle. In mehreren Expeditionen wurde in den Folgejahren immer weiter in die Tiefe vorgestoßen, wobei man technisch mit Hilfe der Stahlseilleitern an alle Grenzen stieß (...der Transport der vielen, in mühevoller gemeinsamer Freizeitarbeit hergestellten Drahtseilleitern und der damals noch schwergewichtigen, endlosen Seilknäuel samt den dazu passenden Ergänzungen erforderte höchste Leistungsbereitschaft und das Zusammenwirken in einer gut eingespielten und durch die Begeisterung für die Eroberung der Unterwelt geeinten Gruppe...Meiberger/Klappacher 418). Immerhin war 1965 war sie mit 710 m Tiefe zur tiefsten Höhle Österreichs geworden. 1969 begann die Zusammenarbeit mit polnischen Höhlenforschern, die eine Variante der erst wenige Jahre zuvor in Frankreich und den USA entwickelten Einseiltechnik mitbrachten. Sie setzte sich schnell wegen ihrer Überlegenheit durch (siehe Berghold-Markom, Klappacher 418). 

Die Polen machten und machen seither weiter mit ihren Forschungen in dem außergewöhnlichen kammartigen Bergmassiv des Hohen Gölls. In den vergangenen 50 Jahren ist der "Nachweis eines gewaltigen, etwa W-E ziehenden, in mehrere Etagen gegliederten Riesnhöhlensystems, das bisher vom Kleinen Göll bis unter die Hochscharte in Teilstücken verfolgt werden konnte" (Klappacher, 1996, S. 326) gelungen. Die Tektonik ist von zentraler Bedeutung für die Höhlenbildung dort, was sowohl die Größe der Räume, als auch die vorwiegend vertikale Erstreckung vieler Systeme betrifft.

Die längsten Systeme sind zur Zeit (lt. VÖH-Liste, Stand Januar 2021):

Hochscharten-Höhlensystem 1336/153 14 668 m

Grutred-Höhlensystem 1336/121 7 015 

Gruberhornhöhle 1336/29 6 700

Die tiefsten Systeme..

Hochscharten-Höhlensystem Hoher Göll Salzburg 1336/153 1 394 m

JubiläumsschachtHoher GöllSalzburg1336/70 1 173 m

Schartenschacht Hoher Göll Salzburg1336/223 972 m

 

     Göll vom Schloß Hellbrunn aus
     

 

Der Schwarzbachfall...

 

Im Bluntaltal und beim Aufstieg ins Hagengebirge > Hoher Göll
Beim Aufstieg zur Angeralm
Vom Peterskopf Richtung Göll
> Gruberhorn
Gipfelkreuz Hoher Göll
Vom Gipfel Richtung Osten - Göllkamm
Von Golling > Göll

 

 


 

Literatur:

Cammerer, Anseln Andreas Caspar Naturwunder, Orts- und Länder-Merkwürdigkeiten des Königreiches Bayern für Vaterlandsfreunde, sowie für kunst- und naturliebende Reisende, Kempten 1832
Dittrich, A., Meszaros, S. Die Gollinger-Wasserfall-Höhle, DER SCHLAZ 99, 2003, S. 23ff.
Dittrich, A., Meszaros, S. Die Gollinger-Wasserfall-Höhle, Münchner Höhlengeschichte II, München 2004, 234-236
Dryanski, Milosch Neues von der Sakristei-Hütte, Atlantis 1-2 2016, S. 12-15
Golicz, Mateuz, Gorzelanczyk Die polnische Forschergruppe am Hohen Göll, in: festschrift landesverein für höhlenkunde salzburg, Salzburg 2011
Golicz, Mateuz Die polnische Göll-Expedition 2015, Atlantis 1-2 2016, S. 6-11
Golicz, Mateusz Bericht der Forschungen am Göll 2016, Atlantis 3-4 2016, 23-24
Göttner-Abendroth, Heide Berggöttinnen der Alpen - Matriarchale Landschaftsmythologie in vier Alpenländern, E-Book, Bozen 2016
Gümbel, C.W. von Geognostische Beschreibung des bayerischen Alpengebirges und seines Vorlandes, hrsg. v. k. bayerischen Staatsministerium der Finanzen, Gotha 1861
Klappacher, Walter Verbandsexpedition 1965 in die Gruberhornhöhle (Salzburg), Die Höhle, 16, 4, Wien, 94-96
Klappacher, Walter, Völkl, Gerhard Hoher Göll, in: Spötl, C., Plan, L., E. Christian (Hrsg.), Höhlen und Karst in Österreich. - Linz 2016 (Oberösterreichisches Landesmuseum): 531-540
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg,
Gesamtredaktion Walter Klappacher und Harald Knapczyk
Salzburger Höhlenbuch, Band 3, Salzburg 1979
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg Salzburger Höhlenbuch, Band 6, Salzburg 1996
Meidinger, G. Göll 2003, DER SCHLAZ 100-2003, S. 10ff.
Meidinger, G. Göll 2003, DER SCHLAZ 100 - 2003, S. 10ff
Meyberg, M, Rinne, B. Höhlentauchen mit Mischgas am Beispiel des Gollinger Wasserfalls,  Das Jahresheft 1995 - Ausgabe zum VDHK-Jahrestreffen 1996 in Blaubeuren, Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten, Grabenstetten 1996, S. 36ff.
Völkl, Gerhard 50 Jahre Gruberhornhöhle, festschrift, landesverein für höhlenkunde in salzburg, Salzburg 2011, S.108-119

 

Links:

Harald Huemer: Der Gollinger Wasserfall. In: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft – Abt. VII 3 Wasserhaushalt (Hrsg.): Mitteilungen des Hydrographischen Zentralbüros. Quellbeobachtung im Hydrographischen Dienst in Österreich. Heft 70. Wien 2005, S. 38–41

https://www.hoehenrausch.de/berge/hoher-goell/

https://www.berchtesgaden.de/berge-gipfel/hoher-goell

Landschaft und Höhlen im Land Salzburg


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