Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Kuhflucht bei Farchant 
und die Frickenhöhle 

Estergebirge


"Die tief eingerissene Kuhfluchtgraben in der Westflanke des Hohen Fricken ist eine der wildesten Landschaften in den Vorbergen der Nördlichen Kalkalpen. Im Bereich seiner fast 200 m hohen Abschlußwand liegen die Gangsysteme des Kuhflucht-Höhlenparks, die das Wasser für den Kuhfluchtbach spenden (Kuhflucht-Quellbezirk)". Triller, Kuhfluchtgraben 27

Östlich von Farchant hat man mehrere Möglichkeiten zur Kuhflucht zu kommen. Der etwas weitere Weg führt als "Walderlebnispfad" mit vielen Stationen besonders für Kinder bis zu dem Treffpunkt, wo der kürzere Weg von einem ausgedehnten kostenfreien Parkplatz in der Nähe mündet. Man geht weiter auf der rechten Seite auf viel benütztem Steig. Links von einem schießt das Wasser teils in klammartigen Strecken im hellgrauen, geschichteten Plattenalk mit kleinen Wasserfällen herunter. Immer wieder weisen Schilder darauf hin, daß man wegen Steinschlaggefahrt nicht stehen bleiben sollte. Große gebogene Eisenteile liegen an einer Stelle über dem Bachbett - die Reste einer einstigen Brücke, die von einem riesigen Hochwasser 1999 einfach weggerissen worden war. Wo von rechts der Schuttgraben der Regenlaine herunterzieht, kann man über eine Brücke nach links auf die andere Seite des Kuhfluchtgrabens hinüber. Ein gut ausgebauter Steig mit dicken Drahtseilen und vielen Geländestufen macht es auch Familien mit kleinen Kindern möglich noch zu zwei Aussichtsbalkonen zu gelangen, wo spektakuläre Blicke auf die wilden Wasserfälle unter einem möglich sind. 

Dann ist da ein Schild "Nur für Geübte" und ab da geht es auf schmalem Steig wirklich steil in die Höhe an der Flanke des V-förmigen Erosionsgrabens durch lichten Kiefernwald, letztlich bis hinauf zum Gipfel des Hohen Fricken und hinüber zur Weilheimer Hütte.

Unterwegs hat man den besten Blick auf die Kuhfluchtwand. In ihr haben die Höhlenforscher inzwischen 9 Höhlen gefunden und erforscht. Schon von Garmisch aus ist in der Wand die Stelle erkennbar, wo der Eingang zur Kuhfluchtquellhöhle liegt. Schon bei mittlerer Wasserführung ist ein Wasserfall zu sehen, der sich aus dem nördlichen Eingang in 1.150 m Seehöhe ergießt. Bei Starkregenfällen spritzt aus immer mehr Löchern in der Wand das Wasser heraus.

Schon immer haben sich die Menschen gefragt, wo denn das Wasser herkommt und ihre Antworten spiegeln die frühere Unsicherheit: es sei vielleicht ein Abfluß des Walchensees oder das Barmsees, der südlich von Krün liegt. Für die Karsthydrologen ist das kein Geheimnis nach 3 Markierungsversuchen in den Jahren 1967m 1973 und 1978. Das Wasser kommt vom Krottenkopfplateau, das etwa 5 km entfernt ist. 

Wenn es ganz extrem kommt, dann fließt sogar aus dem Eingang der Frickenhöhle, die am obersten Rand der Wand ziemlich versteckt liegt, wieder ein Bach. Das war auch der Grund, warum sie 1901 von Zöppritz und Gefährten erstmals begangen wurde - so geht zumindest die geläufige Entdeckungsgeschichte. Auf einer alten Karte aus dem Jahre 1891 findet man schon den Eintrag "Kuhflucht-Höhle", aber keinerlei weitere Bemerkungen. Sie ist mit über 3 km Länge die bedeutendste Höhle des Estergebirges.

 

   
1. November 2020 - ein kleiner Ausflug bevor der nächster Corona-Lockdown greift
     
"Hiding under a stone.." Nils Lofgren

In der Frickenhöhle 1967

 


Literatur:

Hofmann, Peter, Schriftleitung, Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. Das Estergebirge - Eine Karstlandschaft in den Bayerischen Voralpen, München 1997
Hübner, Peter Tauchen in der Kuhfluchtquellhöhle - Was machen die Taucher in der Felswand? DER SCHLAZ 87-1999, 14-21k
Keim, Getrud Neues zur Frickenhöhle und der Kuhfluchtquellhöhle, in: Münchner Höhlengeschichte II, München 2004
Orth, Hans-Peter Das Estergebirge - Ein bevorzugtes Arbeitsgebiet der Münchner Höhlenforscher, Münchner Höhlengeschichte, München 1982
Orth, Hans-Peter Die Entdeckung der Frickenhöhle, aufgelesen von, Der Schlaz 44-1984, S. 3-4
Orth, Hans-Peter Anmerkungen zur Hydrogeologie des Estergebirges, DER SCHLAZ 74-1994, S. 93ff.
Triller, Adolf Karstkundliche Wanderung in den Kuhfluchtgraben, DER SCHLAZ 82-1996, S. 27
Verein für Höhlenkunde in München Vor zehn Jahren: Februar 1964 - Kuhfluchtwand, Der Schlaz 11-1974, S. 30
Wolf, Andreas Die Quellhöhlen des Hohen Fricken, in: Hofmann, Das Estergebirge 156f.

Links:

https://www.farchant.de/erleben/kuhfluchtwasserfaelle-walderlebnispfad

https://www.auf-den-berg.de/wandern/bayern/die-kuhflucht-wasserfalle-in-farchant/

https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/bergwacht-rettet-mann-hoehle-3464599.html

https://www.hrvd.de/frickenhoehle/

Estergebirge

 


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