Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Estergebirge


Das Estergebirge vom Müntherhaus in Murnau aus / Eine Schlauchbootfahrt in der Rastgrabenhöhle / im Bild Klaus Eberhardt


Angerloch


Jeder, der von München Richtung Garmisch-Partenkirchen fährt und ein passables Wetter hat, der sieht das Estergebirge, auch Krottenkopfgebiet genannt, in seiner ganzen Mächtigkeit. Eine abweisende Steilflanke von bis zu 1300 m Höhe zieht sich von Eschenlohe bis nach Partenkirchen. Die höchsten Gipfel reihen sich aneinander. Der kantige Felsklotz der Hohen Kiste mit seinen 1922 m Seehöhe, der Bischoff (2033 m), der Hohe Fricken (1940 m), schließlich der Wank (1780 m). Der höchste Berg, der Krottenkopf (2086 m) ist ein wenig nach Osten versetzt.

Der Wank an der Südseite ist seit langem durch eine Seilbahn erschlossen. Das Projekt, die Hohe Kiste mit einer ebensolchen Aufstiegshilfe zu erschließen, scheiterte glücklicherweise 1974. So ist das Estergebirge noch immer relativ ruhig geblieben, was seine Gründe hat. Zur einzigen Schutzhütte, der Weilheimer Hütte sind es immerhin 4 Stunden Fußmarsch!

Höhlenkundlich handelt es sich hier um eines der größten zusammenhängenden Karstgebiete der Bayrischen Alpen, in dem inzwischen schon einige Geheimnisse gelüftet sind, aber dessen wahres Potential noch kaum berührt ist.

Jedes neues Großhochwasser, wie zuletzt im Sommer 2005, zeigt, daß riesige Wassermassen durch die natürlichen unterirdischen Kanäle im Innern des Estergebirges geleitet werden. Sie sammeln sich auf dem Plateau und an den Bergflanken und treten konzentriet in wenigen Öffnungen wieder zu Tage. Das geschieht mit einer Macht und Gewalt, die alle Spuren unseres menschlichen Wirkens ganz einfach wegwischt. Wege, die der Mensch zum Beispiel dort angelegt hat, sind mit einem Schlag weg. Sie sind zwar schon wieder repariert, aber das nächste Hochwasser, das kommt, das macht genau das Gleiche, wischt einfach unser Wirken beiseite..... Dann ist es gleich wieder vorbei mit der Befahrbarkeit. Ist es da nicht auch so wie bei den Ameisen? Wenn wir Riese spielen, dann versuchen die kleinen Viecherl das gleich wieder hinzubekommen. Wenn die Natur mit uns Ameise spielt (New Orleans), dann versuchen wir gleich wieder unser kleines Reich wieder "in Ordnung" zu bekommen.


Während einer Forschungstour in den 60er Jahren vor der Weilheimer Hütter, Blick Richtung Hohe Kiste, im Bild Schuch, Steckenbiller, Triller

Norbert Schuch wird
von Georg Ronge
bei der Abnahme
der Tauchflaschen
nach einer Fricken-
höhlentour geholfen
1967

Eine schöne Wanderung führt von einem großen Parkplatz in der Nähe des Walchensees hinauf zum Gipfel des Simetsbergs. Erst folgt man einer breiten Forststraße, wobei man am nicht zu übersehenden Eingang der Vorderfallbachhöhle vorbeikommt. Ein Bächlein kommt oberhalb in einer Felswand unvermittelt aus einer Höhle. Ein paar Meter Hochklettern und schon steht man in dem gleich niedrigen Gang, aus dem das glasklare Wasser herausströmt.

 
Vor der Simetsbergalm - Blick auf Walchensee

Blicke vom Aufstieg zum Osterfeuerkopf bei Eschenlohe Richtung Estergebirge Juli 2009

 

 

Literatur:

Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. München, Schriftleitung Peter Hofmann Das Estergebirge - Eine Karstlandschaft in den Bayerischen Voralpen, München 1997
Reiner, H. Dr, Beilner, Thomas Hochwasser im Estergebirge, DER SCHLAZ 106 107, 2005, S. 26ff.
Baumann, Franziska Von der Sonne verwöhnt - Das obere Isartal rund um Wallgau und Krün, BERGSTEIGER Oktober 2002, S. 24ff.
Triller, Dolfi Latschenkluft und Rehbockschacht/Estergebirge, DER SCHLAZ 27-1979, S.37ff
Orth, Hans-Peter Anmerkungen zur Hydrogeologie des Estergebirges, DER SCHLAZ 74-1994, S. 93ff.
Klotz, S. Neues vom Michifeld, DER SCHLAZ 77-1995, S. 20f.
Kaiser, Andreas P. Unterwegs in Werdenfels, Band 1 Geoabenteuer, Garmisch-Partenkirchen 2010

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