Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Der Stiefelschacht
Oberbayern


Höhlen und Schächte, ihr vertikales Vergleichsstück, werden häufig nicht nur einmal "entdeckt". Immer wieder ist zu beobachten, daß eine Erdöffnung und das Gelände dahinter, schon vor einem einmal jemandem bekannt gewesen war und daß sich Spuren dieser früheren Begehungen finden lassen.

Der Stiefelschacht ist so ein Objekt. "Richtige" Höhlenforscher werden sich dafür nicht interessieren. An einen 6 m tiefen Eingangsschacht schließt sich eine Kammer an, deren Größe mit 4x2 m angegeben wird. Der Eingang liegt in einem unspektakulären Bergzug zwischen Breitenköpfl und Saurüsselkopf südlich von Lenggries in 1341 m Seehöhe. Erreichbar ist er, nördlich aufsteigend, von der Ortschaft Glashütte aus am Anfang des Imbhäuselgrabens. Er ist auf der Geologischen Karte 1:25 000 Blatt Lenggries eingetragen.

Gerhard Manninge und Franz Grausam befuhren den Schacht 1982 bis zum Grund und fanden dort 2 Panzerfäuste aus dem 2. Weltkrieg, waren also auch schon nicht die "Ersten". Spezialisten der Münchner Sprengstoff-Kommission entschärften sie später. Elke und Adolf Triller vermaßen erstmals das Karstobjekt im Juni 2000. Josef Wasensteiner hatte in den 1980er Jahren ein Elchgeweih im Schacht gefunden und es dann zu Hause aufbewahrt. 2012 und 2013 bargen Forscher zahlreiche Knochen verschiedenster Tiere aus dem Schacht, Hasen, Rehe, Rothirschen, Schafe, Gemsen, Rinder sowie Teile eines Elchbullen und dreier weiterer junger Elche. 2018 bis 2020 wurden weitere Grabungen unternommen und die Funde einer genauen Analyse unterzogen, wobei erstaunliche Entdeckungen gemacht wurden. Im linken Schulterblatt des Elchs wurde ein von einem Projektil verursachtes Loch gefunden und auf den Knochen zahlreiche Schnittspuren entdeckt. Die Datierung ergab, daß die Funde zurückreichen bis in die La-Tène-Zeit (ca. 450 BCE). Deshalb wird vermutet, daß das Tier gejagt worden ist, sein Fleisch von den Knochen getrennt worden ist, und die unbrauchbaren Tierüberreste im Schacht "entsorgt" worden sind.

Daß sich in der Gegend öfters Menschen aufgehalten haben, das haben Studien gezeigt, die die früheren Transportwege untersucht haben. Über den Sattel oberhalb des Imhäuselgrabens verlief ein alter Transportweg, der die Gegend um Lenggries mit Glashütte verband und damit einmal Richtung Achensee führte bzw. Richtung Kreuth, wo die Floßschiffahrt Richtung Tegernsee begann.

Die Elchknochen sollen öffentlich ausgestellt werden - im Heimatmuseum Lengries

Literatur:

Bunk, S. (1994): Die Höhlen des Tegernseer Tales und der Umgebung, S. 27-28, Jahresbericht des Werdenfelser Höhlenvereins, 1994, Garmisch-Partenkirchen

Engel, Benjamin (2025): Elchknochen sollen Platz im Heimatmuseum bekommen, Süddeutsche Zeitung Nr. 129, 6.06.2025, S. R6

Häck, (2020): Elchjagd in der späten Eisenzeit durch Höhlenfund belegt, Mitt. Verb. der deutschen Höhlen- und Karstforscher 67(1), München 

Manninger, G. (1983): Neue Höhlen im Raum Tegernsee, der Schlaz Nr. 40, München

Pasda, K. et al. (2020): Cave finds indicate elk (Alces alces) hunting during the Late Iron Age in the Bavarian Alps. E&G Quaternary Sci. J. 69: 198-200, https://doi.org/10.5194/egpsj-69-187-2020

Links:

https://egqsj.copernicus.org/articles/69/187/2020/

https://epub.ub.uni-muenchen.de/90614/

Karst und Höhlen in den Bayerischen Alpen


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