Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Weißen Labertal


Bei Dietfurt, das mit dem Attribut der 7-Täler-Stadt für sich wirbt, mündet die Weiße Laber in die Altmühl. Es ist ein idyllischer Ort mit mehreren Kirchen, einem Franziskanerkloster, einer attraktiven Hauptstraße mit vielen renovierten Häusern und einer üppigen Natur außenherum.

Brunnengrotte am Weg

Im Nordwesten der Kleinstadt liegt der Kreuzberg. Er ist auf gepflegten Wanderwegen und einem Kreuzweg leicht zu erklimmen. In ihm soll es nach einer alten Sage, von der Kugler in seinem Buch gerichtet, eine Höhle namens "Fenster" geben, in dem man das Wasser habe brodeln sehen. Wenn dieses Fenster aufspringe, dann würden sich die Wassermassen daraus ergießen und ganz Dietfurt würde untergehen. Um das zu verhindern, habe man damals einmal im Jahr ein Hochamt lesen lassen. Diese alte Geschichte klingt ziemlich unglaubwürdig, und doch. Es ist von hier nicht weit bis nach Mühlbach und dort ist so etwas tatsächlich mal passiert. Plötzlich brachen da riesige Wassermassen aus dem Berg und verwüsteten den darunterliegenden Ort. Heute haben die Höhlenforscher eine riesige Höhle dahinter entdeckt. Ob es so etwas noch einmal gibt?

Wer den Hang hinaufsteigt kommt an einer schon mehr als 100 Jahre alten Lourdesgrotte vorbei, die vom 1894 vom Pfarrer und dem Mesner dort errichtet worden sind. Der Besucher wird ermutigt, bei inneren Sorgen sich vertrauensvoll an Maria zu wenden. Sie werde einen schon beistehen und es richten. Viele Dankestaferl hängen dort und bestätigen die heilsame Wirkung - eine Frühform der Psychotherapie, die noch sehr kostengünstig war.

Am Ende des Kreuzwegs steht ein großes Kreuz und ein kleiner Holzpavillion. Dort oben ist ein großes Stück Trockenrassen, wo viele selten gewordene Pflanzen- und Tierarten noch vorkommen. Eine didaktisch gut gestaltete Schautafel klärt den Besucher über die Zusammenhänge auf. Es ist nicht ganz einfach. Wenn man nämlich unter Natur einfach den Bereich der Welt versteht, aus dem sich der Mensch heraushält, dann paßt das nicht, was hier passiert. Natürlicherweise wäre hier Wald, aber der wurde vor vielen Jahrhunderten dort schon gerodet und Tiere wie Kühe und Schafe zum Grasen hierher geschickt. Das hat verhindert, daß neue Büsche und Bäume hergewachsen sind und eine Rasenvegetation entstanden und geblieben ist. Würde man nun nichts mehr machen, dann würde alles wieder zuwachsen und die rar gewordenen Standorte würden wieder verschwinden. So müssen jetzt bewußt die Schafe hierher geführt werden, damit alles beim derzeitigen, von bestimmten Menschen für erhaltenswürdig gehaltenen Zustand bleibt.

 

36 km sind es von der Mündung in die Altmühl bis zur Quelle der Weißen Laber. Es ist ein beschaulicher Weg, den zurückzulegen sich für Leute lohnt, die nicht unbedingt Dramatik der Natur suchen. Besonders der unterste Abschnitt zwischen Underbürg und dem Potaschenhäusl ist lohnend, weil dort keine Straße im Talgrund verläuft, sondern nur links und rechts des stark mäandrierenden Baches nur kleine Wirtschaftsweg verlaufen.

In Unterbürg liegt gleich neben der Straße eine starke Karstquelle, der reichlich klares Wasser entströmt. Oberhalb hat jemand in seinen Garten gleich eine Lourdesnische hineingebaut. Die findet man vielen Örtlichkeiten. An zwei Stellen ist Sandstein aufgeschlossen. Dort sieht man kleine Verwitterungshöhlen und vom Menschen geschaffene Felskeller. Genutzt werden die heute für das Abstellen von Gerümpel.

 

Dann kommt der Ort Holnstein. Da wirds schon wieder geschäftiger, was man allein schon an den vielen Lks merkt, die durchs Land brummen. Warum dieser Name? Gibts da vielleicht eine Höhle? Ja, und die ist schon von der Straße her auszumachen. Unterhalb des Tuffberges, auf dem die Dorfkirche steht, sind mehrere Höhlenöffnungen zu sehen. Einige kleinere sind heute in einer Garten einbezogen, der auch eine Mariennische hat. Und das ist ein richtig großes ebenerdiges Portal neben einem landwirtschaftlichen Nutzgebäude. Wieder liegt Gerümpel herum, ein altes Waschbecken zum Beispiel. Um bis ans Ende zu kommen, muß man schon eine Lampe dabei haben. Hinten wird es richtig finster. Es lohnt sich, sich da umzuschauen. Man bekommt richtige Tropfsteine zu Gesicht, schwer beschädigt zwar, aber was anderes kann man hier ja nicht erwarten. An einigen Stellen sind auch die versteinerten Zweige zu sehen, aus denen der Tuff besteht. Ganz am Ende lag zurückgelassenes Grabwerkzeug und langer Strick, vermutlich von Kindern, die hier gegraben haben. Erstaunlich ist die Höhe der spaltenartigen Höhle. Das ist kein kleines Mickerloch! Ein bißchen Pflege bräuchts halt.

 
Besuch der Höhle im Oktober 2016 anläßlich des 25. Treffens 
von Höhle-Religion-Psyche

Zurück über die Hochfläche..

 

Eine Doline
Lochsteine in Oberbürg

Im Weißen Laabertal nach Höhlen gesucht - und ab und zu auch was gefunden!

Höhleneingang vor der Grabungsaktion
 
Hungerbrunnen
 
 
  Kleine Höhle in einer Steinbruchwand
Eingang in eine kleine Höhle am
Plateaurand
  Eine erst jüngst zerstörte Brunnenstube
- im Grunde vollkommen überflüssige
Zerstörung eines Kulturdenkmals!
Karstquelle
   

Flußaufwärts werden die Schichten des Sandsteins erreicht. Bei Simbach wurden vom Menschen Hohlräume in das Gestein gehauen. Warum? Keiner weiß es wirklich.


Literatur:

Hager, Rudolf Höhlensagen, Historische Sagen aus den Naturpark Altmühltal, Band 1, Eichstätt 1983
Kugler, K. Altmühlalp - Ingolstadt 1868
Scharf, Walter Zweiradexcursion 5: Tour durch die Oberpfalz, Höhlengruppe Frankenkarst, Heft 6/Jg. 1996, S. 21ff.

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