Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen und Landschaft im Weissmaingebiet und Umgebung, Unterfranken


Staffelberg / Gräfinhöhle


 Diebsloch im Kleinziegenfeldertal


Nördlich der Autobahn Bamberg-Bayreuth erstreckt sich eine ziemlich flache Landschaft, in die ein paar ansehnliche Täler eingetieft sind. Das bedeutendste davon erstreckt sich von Kleinziegenfeld bis Weißmain, das Kleinziegenfelder Tal. Es ist heute beliebt bei Wanderern und Radfahrern, aber auch viele Motorradfans sind auszumachen, die dort ihre Erholung suchen. Favorit unter den Ausgangspunkten für Exkursionen ist die Weihermühle, wo mehrere Randwanderwege ihrer Ausgangspunkt haben.

Neben ansehnlichen Kalkfelsen gibt es auch ein paar Höhlen.... Die 50.000er Karte "Naturpark Fränkische Schweiz -Veldensteiner Forst" zählt viele namentlich auf: Gumpferloch, Wolfsteinhöhle, Zigeunerstube, Geißkirche, Gräfinnenhöhle, Eselsloch, Pferdestallhöhle, und hat auch ein paar Höhlenzeichen ohne Bezeichnung.

in Vorbereitung

Bei der Weihermühle
 
 
 
 
 
Bei der Wallersberger Kapelle
 
Ein kleiner Lochstein!
 
 
 

 


Gräfinnenhöhle

Von Weissmain kommend fährt man Richtung Niesten und vorbei am Wanderparkplatz Richtung Eselsloch. Kurz vor Görau geht es dann auf einem markierten Fußpfad nach rechts. Ein Holzwegweiser zeigt einem, wo es hingeht. Man steigt ab in ein Tälchen und sieht dann gleich rechts oben in einer Felswand den Eingang. Ein ausgetretener Pfad zeigt, daß die kleine Höhle gerne aufgesucht wird. In anderen Teilen Bayerns wäre so ein Löchlein auch schon vergittert, aber hier ist es dankenswerterweise offen. Über eine kleine Felsschwelle kommt man gleich in das Endräumchen, auf dessen Boden im Juli 2012 ein Haufen Stroh lagt. Hier hatte sich wohl vor kurzem jemand es sich gemütlich gemacht.

Das Eselsloch liegt am Weg zur Burg Niesten in der Nähe von Weißmain. Man kann ein gutes Stück den Berg hinan fahren, dann lädt ein Wanderparkplatz zum Aussteigen ein. Auf einem breiten geschotterten Weglein geht es ansteigend Richtung Ruine. Links vom Weg ist nicht zu übersehen und auch noch mit einem Namensschild heute versehen, das Eselsloch. Ein kammerartiger Raum öffnet sich da vor einem, ohne weitere Geheimnisse. Zwei große Felsblöcke liegen am Boden und zeigen, daß es hier auch zu urplötzlichen Veränderungen kommen kann. Selten, denn ansonsten wäre ja der Boden übersät von Blöcken, was er ja nicht ist.

Folgt man dem Weg weiter, dann kommt man zum ehemaligen Burggelände. Einstmals stand hier eine als "uneinnehmbar" gegolten habende Burg, aber auch hier kündet alles von der Vergänglichkeit allen menschlichen Trachtens. Eine Schafherde fühlt sich da wohl, frißt und säuft und liegt herum. Und einige strecken auch hier ihren Kopf durch den Zaun, um das Gras jenseits davon zu erhaschen: "The grass is always greener on the other side of the fence."

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Auf dem Weg Richtung Coburg - Erfurt sieht man rechts von der Autobahn einen Felsmuggel mit "flacher Spitze". "Flat-topped hill" heißt der entsprechende englische Ausdruck, aber wie sagt man das gut in unserer Sprache? Ein "kleiner Tafelberg", das schien mir die beste Übersetzung. So etwas stellt der Staffelberg dar. Man kann natürlich von allen Seiten hinan, aber der Favorit ist der kürzeste und am wenigsten Höhenunterschied überwindende Weg von Romansthal (Hat man den bei der Rechtsschreibreform um 1900 herum vergessen. Seither schreibt man doch alle diese Ortsnamen ohne "h"!) her. Ein großer Parkplatz und viele Hinweisschilder dort zeigen, daß es sich hier um ein beliebtes Ausflugsgebiet handelt. 539 m hoch ist die höchste Erhebung, wobei man von dort einen Mehr-Sterne-Blick vom ehemaligen Kalksteinriff  in die Umgebung hat.

Geht man an die lange Hangkante, dann fällt heute jedem ein Boden in der Gipfelfläche auf, das nach unten offen ist. Da wird heute keiner mehr einfach so hineinfallen, denn man hat ein massives Holzgeländer rundherum gebaut. Man kann natürlich leicht darüberklettern und dann hineinfallen, aber wenn möchte man denn da noch verantwortlich machen, außer dem der das getan hat. Unser teilweise verrücktes Justizwesen sucht ja immer einen "Schuldigen". Und wenn die "Natur" da halt im Laufe von Jahrzehntausenden oder weniger einfach ein Loch ins Felsendach geschaffen hat, dann hat "gefälligst" der größte Teil der Menschheit vor so einer "Gefahrenstelle" geschützt zu werden. Sonst fällt halt einfach mal einer hinein, wenn er sich zu weit hinaus gewagt hat. Banken machen das dauernd, und Staaten auch schon, und die ganze Menschheit? Die steht mir, so scheint mir, auf dem besten Weg dazu. Hier laden einfach noch ein paar Holzbalken dazu ein, vorher ein wenig nachzudenken.
Um auf den Grund des Lochs zu kommen, dafür ist nur wenig mehr als ein wenig Spürsinn notwendig. Hinweisschilder gibt es keine, jedenfalls war das so, als wir, auf dem Weg zum Sambafestival in Coburg, im Juli 2012, dort einmal waren. Die Felsen sind schon so abgelaufen, daß aus Felsspitzen längst schon Rundungen geworden sind, der Stein spiegelt und glänzt überall dort, wo schon Zehntausende ihren Leib drüber bewegt haben. 10 m tiefer sieht man sofort das niedrige Höhlenportal. Ein Raum schließt sich an, erhellt durch das Schachtloch von oben an. Man sieht, daß es dahinter noch weitergeht. Allerdings nur noch auf allen Vieren, "hands-and-knees-crawl" heißt das in der Sprache unserer angelsächsischen Nachbarn. Dann steht man auch da an. Finster ist es und man sieht nichts mehr, weil es da halt auch nichts mehr gibt. Auch keine in irgendwelchen Dunkeltaschen verborgenen Querkelen, dem lokalen Namen für die Zwerge. Vielleicht hätten wir bei Vollmond da sein sollen oder bei den Sonnwenden. Jedenfalls hat man einen Prachtblick aus den Höhleneingängen. Ein herrlicher Ort, um sich da mal länger aufzuhalten. Für das Wohnen stellen wir andere Ansprüche. Wo ist das Wasser? Wo das Klo? Jedenfalls gibt es ein Dach, ein Naturschirm. Ein Felsernes wenigstens und nicht nur aus EUROS bestehend, gebaut hauptsächlich auf das vermutete Vertrauen, daß die Schuldner eines Tages ihre Zahlungsverpflichtungen auch noch einhalten werden, können, wollen, sollen. Aber man sollte nicht vergessen: Auch dieses Dach ist vergänglich, wie alles andere auch.

Von den Querkelen heißt es, daß sie den Bäuerinnen "die Klöße aus dem Topf nahmen. Als die Bäuerinnen das bemerkten, hätten sie angefangen die Klöße im Topf zu zählen. Das habe den Querkelen nicht gefallen, die daraufhin erklärten, die "Zeiten sind schlecht, weil die Klöße in den Topf gezählt werden." Sie daraufhin ausgewandert und hätten zum Abschied den Rat gegeben: "Eßt Steinobst und Bimellen, so wird euch das Herz nicht schwellen! Auch diese alte Volkssage enthält eine tiefe Weisheit, gerade für unsere Zeit. Wir leben ja in einem Zeitrau, wo alles immer exakter angeblich "natur"wissenschaftlich erfaßt wird. Aber die "Natur", was immer das auch ist, ist halt nicht wirklich "exakt". Selbst das berühmte "Ohmsche Gesetz", das wir alle im Physikunterricht eingetrichtert bekommen haben, stimmt nicht "wirklich", sondern halt auch nur im Rahmen der Genauigkeit, für die es formuliert wurde. Da funktioniert dieses Weltmodell, aber die "Wahrheit" über unsere irdischen Verhältnisse hat man damit auch nicht ausgedrückt!

 
 

 

Literatur:

Auer, Katja Die Querkele vom Staffelberg, Süddeutsche Zeitung Nr. 158, 12./13. Juli 2014 R17
Bayerisches Landesamt für Umwelt Hundert Meisterwerke - Die schönsten Geotope Bayerns, Augsburg 2011
Höllhuber, Dietrich, Kaul, Wolfgang Fränkische Schweiz - Ein Wanderführer für Biertrinker, Verlag Hans Carl, Nürnberg 1983
Illmann, Renate Exkursionsbericht: Höhlen um Wattendorf und in Kleinziegenfelder Tal, NHG-Mitteilungen 1/2-1979, S. 27ff.

Links:

 


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