Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Appelshöhle bei Steinbach, Frankenalb A 29



Als "Extraktivismus" hat der deutsche Philosoph Harald Welzer die Art von Ökonomie bezeichnet, die heute für ihn dominiert. "Extrakivismus: ein ungewohntes Wort, das aber ganz und gar nichts Abstraktes bezeichnet. Ihr Auto, Ihr Haus, Ihre Waschmaschine, Ihr iPhone,  Ihre Kleidung, Ihre Möbel - alles besteht aus Material, das auf irgendeine Weise aus dem Boden, aus den Wäldern, aus dem Meer geholt wurde - sei es in Form von Öl, Seltenen Erden, Sand, Metall, Wasser, Holz, Baumwolle, Mineralien, was auch immer." (Welzer, 18ff.) Mineralien.... Heute läuft es zunehmend auf Raubbau an der Zukunft künftiger Generationen hinaus, weil die Vorräte der Erde einfach endlich sind, auch wenn das manche Ökonomen nicht gerne so sehen. 

Der heutige Zustand der Appelhöhle ist ein Ergebnis einer solchen Heuschreckenökonomie, wobei soviel als halt geht herausgeholt wird und der "Rest" als scheinbar wertlose Hülle zurückbleibt. Nur nebenbei sei erwähnt, daß es anderen Höhlen auf der Welt nicht anders gegangen ist, z.B. der Zoolithenhöhle und der Ludwigshöhle in der Fränkischen Schweiz, wobei da durchaus gleich in Fuhrladungen gerechnet wurde. Hier ging es auch um kleinere Mengen, z.B. den Höhlenlehm, den ein Amberger Drogeriebesitzer um 1933 als Heilmittel verklopfte - als Umschlag bei Gicht, Rheuma und Atemwegserkrankungen.

 

Wenn man einen Stich von der Höhle aus dem Jahre 1890 neben ein zeitgenössisches Photo vom Höhleninnenraum, dann bekommt man ein wenig den Eindruck vom krassen Unterschied des Früher und Heute. 

 

Fährt man von Königstein in Richtung Eschenfelden, so liegt 600 m östlich von Steinbach ziemlich am Waldrand der Eingang in die altbekannte Höhle.

Angeblich wurde sie bereits in der Kirchenchronik von Neukirchen am 5. November 1618 erwähnt, jedenfalls hieß es so seit einer Veröffentlichung von J.G. Stark im Jahre 1893. Gründliche Recherchen von F. Leja und R. Illmann erbrachten nun ein anderes Bild: Nicht die Appelhöhle war gemeint, sondern die Zoolithenhöhle bei Gailenreuth. 

Angeblich sei sie mit einer großen Felsplatte verschlossen gewesen sein, als sie 1886/87 "wieder"entdeckt wurde. Der Schneidermeister Appel-Steinbach soll diese Person gewesen sein. Er war es dann auch, der sie zugänglich machte und mit einem Verschluß mittels Seitenmauerung und Gewölbedach versah. Ein kleiner Wirtschaftsbetrieb wurde eingerichtet und eine Kegelbahn unterhalb am Hang geschaffen. Um 1918 verfielen dann diese Bauten wieder. 1930 begann man noch einmal mit einem Schauhöhlenbetrieb, wozu man über der Höhle ein kleines Haus errichtete. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dieser wieder eingestellt und die Höhle verschlossen. 

In den letzten Jahren begann die FHKF mit einem Forschungsprogramm, in dem die Höhle unterschiedlichste Aspekte untersucht worden. Unter anderem wurde eine Fortsetzung gefunden, so daß die Gesamtganglänge heute ca. 300 m beträgt bei einem Gesamthöhenunterschied von gut 15 m und einer Maximalbreite von 12 m. Im Kern handelt es sich um ein großes Kluftsystem von S/SSW-N/NNOlicher Ausrichtung. Vom Typ her ist sie lt. dem Huberkataster ein "wenig verstürztes Laughöhlensystem". Es gibt einige schon reichlich zerstörte Tropfsteinfiguren, reichlich Lehm und gelegentlich viel Wasser in der Höhle. Dann bildet sich am Grunde des Hauptraums ein richtiger See, auf dem man mittels eines Boots herumfahren kann. Umgekehrt zieht sich das Wasser in Trockenzeiten fast vollkommen zurück und ist nur noch in einem kleinen betonierten Becken vorhanden. Dort hinein ragt der Ansaugstutzen einer Wasserleitung, die das wertvolle Naß hinauf zur Hütte bringt, die damit ihre Wasserversorgung hat.

Der Eingangsschacht, der heute mit Eisenleitern versehen ist, an denen man in die Tiefe klettern kann, war lange Zeit ziemlich wieder verfüllt und es wurde große Anstrengungen unternommen, die Einbringungen wieder nach draußen zu schaffen. Dabei wurde kaum Wert auf die Dinge gelegt, die in ihnen enthalten waren. An einer Stelle im Schacht ist noch ein versinterter Knochen an der Wand zu sehen. Der Rest ist heute ausgeräumt. Immerhin haben die Archäologen Knochen vom Höhlenbären, vom Wolf und weiteren Tierarten gefunden. Auch Menschenknochen wurden viele aufgesammelt, wobei die Schädel und Skelettteile sowohl von Erwachsenen und Kindern stammen. Insgesamt sind 24 Individuen ausgemacht worden. Auch die Reste einer Feuerstelle aus der Hallstattzeit wurden gefundent. Wo die Funde verblieben sind, das weiß keiner mehr: "Verbl. unbekannt".

Die FHKF plant eine Gesamtveröffentlichung des derzeitigen Wissensstandes über die Höhle und sie wird wohl bald in gedruckter Form erscheinen. 

 


 

     
     

 

 


Literatur:

Harder, Martin et al. (FHKF) Die Geheimnisse der Appelshöhle, Nürnberg 2020
Huber, Fritz Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Illmann, Renate Eine Befahrung der Zoolithenhöhle vor 400 Jahren, Der Fränkische Höhlenspiegel 62-2018, 47-49
Leja, Ferdinand Forschungsarbeiten in der Appelshöhle (A29) bei Steinbach/Opf. abgeschlossen, Der Fränkische Höhlenspiegel, Heft 59, 2013, S. 14ff.
Leja, Ferdinand, Schneider, Thomas, Preu, Dieter Zum aktuellen Stand der Forschungen in der Appelshöhle, Der Fränkische Höhlenspiegel 57, 2010, 59-65
Stark, J. G. Die Steinbachhöhle in der Oberpfalz, Das Bayerland, 1893
Welzer, Harald Selbst  Denken - Eine Anleitung zum Widerstand, S. Fischer, 2. Auflage, Frankfurt a.M. 2013

Links:

https://www.fhkf.de/hoehlen/appelshoehle/

https://www.umweltatlas.bayern.de/mapapps/resources/reports/geotope/generateBericht.pdf?additionallayerfieldvalue=371H009

Landschaft und Höhlen um Königstein, Fränkische Alb


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