Franz Lindenmayr / Mensch und Höhl

Die Maximiliansgrotte bei Krottensee, Fränkische Alb, D


Höhlen in der Umgebung von Krottensee

Der Zinnbergschacht


Die in einem Waldstück, hoch oberhalb des Pegnitztales, noch immer auf Oberpfälzer Boden (das wird derzeit, 2002, heftig diskutiert) liegende Höhle hat eine reiche antropospeläologische Geschichte. Bekannt war das Loch schon immer. Die erste überlieferte Befahrung passierte immerhin schon Ende des 16. Jahrhunderts....

Während der Sommerferien 2002 bin ich da mal wieder vorbeigekommenen. Am 20. August. Schönes Wetter, blauer Himmel. Keine Selbstverständlichkeit mehr heute. Am nächsten Tag schon schüttete, was es ging, vom Himmel, wieder. Während andere, nicht weit von hier, um alles, was sie haben oder hatten, bangten, fuhr ich hier einfach mit meinem Passat herum, schaute mir dies und das an, strebten etwa 50 Kinder auf ihren Mountainbikes und mindestens genauso viele Helfer den Berg auf einer ungeteerten Straße erst bergan und dann wieder hinab. Ein paar Mütter und Väter hatten schon einen Grill bereitgestellt, hatten Haufen von Semmeln geschmiert, belegt und bereitgehalten. Hatten sich angemeldet und waren, hoffnungslos, zu spät gekommen. Die Führerin wußte schon um solche Ereignisse. Sie sind ihr nicht zum ersten Male passiert. Sie passieren dauernd so, nach dem ziemlich gleichen Muster, dauernd.

Es wäre ja mal ganz spannend, so eine Kinderführung durch eine Höhle mitzumachen und all das aufzuzeichnen, was da passiert. Ich war in der Führung vor der Kinderführung, aber auch das war schon ziemlich zuhörenswert. Allein schon das Warten vor dem Höhleneingang. Da waren mehrere verschiedene Familien oder halt Opa und Oma mit Enkelkindern vor dem verschlossenen Tor. Was passiert? Da war das junge Paar, Anfang 30 mit zwei Kindern. Die Tochter wollte den wurzeldurchsetzten Hang links vom Eingang hoch. Der Vater: "Nein, du bist nicht richtig ausgerüstet. Du fällst runter. Komm her." Die brave, "wohlerzogene" Tochter kam in ihren Sandalen wieder vom Hang runter. 1 Minute später. 3 Kinder rennen den genau gleichen Hang wieder hoch. Nein, ich hätte schreiben müssen, selben. Turnschuhe, Hände an die Wurzeln, sie hanteln sich hoch, Meter um Meter, kein Problem, sie jubeln und "jodeln, kindermäßig". Das vom Vater zurückgehaltene Mädchen ist wohl verwirrt, der Vater auch, er geht 3 Meter rechts und erlaubt seiner gehorsamen Tochter dort etwa 1,50m in die Höhe zu "klimmen", begleitet aber auch von seinen zur "Vorsicht" aufrufenden Rufen. Währenddessen verbreitet sich eine dritte Kindergruppe, offenbar begleitet von den Großeltern. Da tobt sich der Kletterdrang der "Kleinen" voll aus. Es geht über Felsen hoch und einer blickt auch direkt hinein in ein mit kleinen Steinen verlegtes Felsloch. "Da gehts ja weiter" ruft er. Vielleicht unser Höhlenforschernachwuchs! Jedenfalls läßt so eine Beobachtung noch Hoffnung auf eine Zukunft. Da gibt es noch immer neugierige Kinder, die sich was trauen! Der Bub kam von seinem Abenteuer auch tatsächlich noch sicher wieder runter. Ein paar Griffe räumte er erst noch vom Laub frei, die erschienen ihm aber dann doch nicht verläßlich, assistiert von den Großeltern fand er die Tritte und Griffe, die ihn sicher wieder runter brachten in unser normale Welt. Die "Angstfamilie" outete sich indirekt auch wieder. Alle 4 waren wurden in Anoraks gekleidet, ehe sie sich den "Gefahren der Unterwelt" aussetzten, an vorderster Stelle, "you might catch a cold".

Der alte Plan der Höhle

- heute als Blatt Papier an der Wand im

Höhlenführerhaus zu sehen

Ein Höhlenfoto im Höhlenführerhaus

- wer schaut da heute wirklich noch drauf?

- ein Foto eines Menschen, der "wirklich"

etwas gesehen hat in der "Tiefe"

- ein Foto von Lou R. Goodman

Die kletternden Kinder
- und der Eine, der in das "Loch" blickt

Eingang, rechteckig,

aufgelockert durch eine "Übertüre"

Das Windloch von unten

- ziemlich viel schwarze Farbe

Der Eisberg

- der größte Tropfstein

Ein besonderes Schaustück
 
hinten Tierknochen

vorne Knochen von Menschen

Der Ausgang von innen
Der Windlocheingang von draußen
Windlocheingang 2017
Schacht am Weg
Am Weg zum Zinnberg

1596 wurde die Höhle erstmals urkundlich erwähnt, ein Jahr später wurde sie erstmals betreten, von einem Bergmann und einem Goldschmied. Kurfürst Friedrich IV, der sich in der Gegend auf einem Jagdausflug aufhielt, schickte diesen Trupp los, um den "unterirdischen Palast mit reichen Schätzen", der sich nach Sagen im "Windloch am Zinnberg", so hieß die Höhle damals, zu erforschen. Zurück kamen die beiden natürlich nicht mit Schätzen, sondern nur mit "gelbem Material", das weder dazu taugte, Gold daraus zu gewinnen noch ließ sich Schießpulver daraus machen. Es war einfacher Sinter, und wo der abgeschlagen worden ist damals, das wird noch heute den Besuchern gezeigt. Danach wurde es wieder ruhig um die Schachthöhle.
1703 wurde sie als eine Art "Abdeckgrube" für tote Soldaten nach der Schlacht von Krottensee hergenommen. Adalbert Neischl, selber Soldat, beschreibt viele Jahre später die Situation so: "In einer unserem Wege zur linken Seite liegenden kleinen Nische werden uns eine Anzahl Menschenknochen, Überreste von gefallenen Soldaten gezeigt, deren Gebeine am Grundes des Windlochs gefunden, hier als traurige Erinnerung an die für die Bayern verlustreiche Schlacht bei Krottensee 1703 aufbewahrt werden." Neischl 83

Als man 1833 auf der Suche nach der verschwundenen Friedelwirtin aus Krottensee mal wieder in den Schacht hinabstieg, fand man die Leichen. In dem damals entstandenen Bericht darüber heißt es: "Ein paar Beherzte stiegen langsam und vorsichtig ins Ungewisse. Ein Aufschrei sagte den gespannt oben Stehenden, daß sie etwas Furchtbares da unten entdeckt hatten. Ein grausiger Anblick trieb die Männer in die Flucht.. Die eingedrungen waren in die schaurige Tiefe kamen bleichen Gesichts zurück mit der Kunde, daß dort unten eine ganz Anzahl Toter liege, in zerfetzte Uniformen gekleidet, klappernde Gerippe, schaurig zu sehen." Sie wurden später mühsam geborgen und bestattet, "so wie es einem Christenmenschen geziemt". Die verschwundene Frau wurde nach 5 Tagen aus der Höhle gezogen und gerettet.

Um den Zugang zu erleichtern, schuf man 1852 einen seitlichen Zugang in die Höhle und immerhin 1878 schon begann man mit dem Schauhöhlenbetrieb.

Der "Große See" am tiefsten Punkt der Höhle stellte über viele Jahre hinweg nach seiner Entdeckung 1901 durch Peter Leissner eine echte Forschungsaufgabe dar. So fuhr 1903 Neischl schon mit einem Holzkahn darauf herum, um die Örtlichkeit zu erkunden. Am 3.- 4. Oktober 1959 gelang es dann erstmals, den See vollkommen leerzupumpen und zu erkunden, ob da dahinter weitergehen würde. Ergebnis: "Zu aller Enttäuschung zeigte sich keinerlei sichtbare Fortsetzung. Am Boden vereitelte der tiefgründige Lehmbrei jegliche Suche."

Seither hat man nicht mehr viel von Höhlenforschungen in der Höhle gehört.

Ich habe die Maximilianshöhle nicht in guter Erinnerung. Zu oft wurden in der Vergangenheit "Fotographierverbote" uns gegenüber ausgesprochen. Wir hatten das "Zeug" dabei, allein, aus was für welchen unverständlichen Gründen, wir "durften" nicht fotographieren. Irgendwann hat das dann aufgehört. Jetzt geht es auf einmal (>>> Eisriesenwelt). Vielleicht ist der "Stopsel" endlich raus.
Ein Ereignis werde ich nie vergessen. Ich war mal wieder in der "Maxi". Anfang November. Ein Zeitpunkt, wo man viele Höhlen aus "Fledermausschutzgründen" schon gar nicht mehr betreten darf. Und da hing eine "Maus" einfach mitten am, menschlich vielleicht gesehen, vollkommen ungünstigsten Punkt für ihren, angeblich "wissenschaftlich" vollkommen unanzweifelbaren, ungünstigsten Punkt: nämlich mitten unter der Stelle, wo sich alle Höhlenbesucher nach dem "Windloch" unter eine Höhlendecke bücken müssen. Sie hing wirklich da, wo alle versuchen, sich möglichst wenig anstrengen zu müssen. Die "Maus" zwang uns einfach, noch ein wenig "tiefer" zu gehen. Sie hing einfach da und rührte sich nicht, flog nicht weg, schüttelte sich nicht einmal, ignorierte uns möglicherweise als vollkommen irrelevant, vielleicht schlief sich auch einfach und träumte vom "bat paradise". Wie das wohl ausschauen mag? Menschenfrei? Für "Fledermausschützer" vielleicht. Aber es gibt vielleicht auch da, solche und solche. Es gibt da Menschenscheue und Menschensucher. Wer hat das jemals untersucht. War vielleicht gerade auch nicht das Thema "meiner" Diplomarbeit: "sustainable bat protection". Unter allen Prämissen, die die sogar "universitär geprüften Biologen" wohl annehmen müssen, tun Fledermäuse hauptsächlich das, was ihrem "Überleben" "gut tut", wenn sie nicht gerade von einer unheilbaren Krankheit befallen sind. So eine Fledermaus war wohl drauf und dran, da gerade Suizid zu begehen! Da gibt es vielleicht tatsächlich "Mäuse", die wollen eher "Unterhaltung" als "Ruhe"! Gibt es vielleicht auch im Tierreich das Motto: Kurz und intensiv, eh lang und langweilig? Wo ist die "remote control"?

Neischl ist nach seiner gründlichen Untersuchung der Höhle und der Erstellung des Höhlenplanes zum Schluß gekommen, daß es sich bei ihr um den Typus der "Zerklüftungshöhle" handelt. Sie sei durch Corrosion des auf Spalten und zahllosen Rissen des zerklüfteten Dolomitgebirges eingedrungenen Sickerwassers entstanden und die Höhlenräume würden sich auf  "einen netzartig unterminirten Raum von 120 m Länge, 80 m Breite und 68 m Tiefe verteilen." (Neischl 88). Gegen diese lange Zeit hindurch für richtig gehaltene Entstehungshypothese, die heute als die "epigene Form" der Höhlentstehung bezeichnet wird (Plan, Spötl, Epigene Karsthöhlen 35ff.), wird seit einiger Zeit "hypogene Form" (Plan, Spötl, Hypogene Karsthöhlen 49ff.) gehalten. Glaser vertritt die Meinung, daß der dreidimensionale Labyrinthcharakter ebenso wie die Kleinformen und die Sedimente für "eine hypogene Höhlenentstehung" spreche (Glaser, Hypogene Höhlengenese 53), also für eine genaue Umkehrung der Verhältnisse - nicht oben oben und außen sei das Wasser gekommen sondern von innen und unten.



29. Juli 2003 Noch eine kleine Fototour durch die Höhle...


 

 

 


Altes Glasplattennegativphoto aus einem Nachlaß (vielen Dank an Herrn Werner Grethlein von den Nürnberger Altstadtfreunden für die Überlassung, das Original befindet sich jetzt im Bildarchiv der FHKF in Nürnberg Almoshof)

aus Neischl, Wanderungen im nördlichen Frakenjura, 1907
aus: Neischl, Wanderungen im nördlichen Frankenjura, 1907

 

 

 

 


Literatur:

Glaser, Stefan Hypogene Höhlengenese: Aufsteigendes Grundwasser und Erdwärme als Antrieb der Entstehung labyrinthischer Höhlen in der Nördlichen Frankenalb, in: Laichinger Höhlenfreund, 48. Jahrgang, 2013, S. 39-68
Götz, Jochen Die Maximiliansgrotte bei Krottensee, Mitt. NHG 1-1978
Graf, Renate und Norbert Kulthöhlen in Nordbayern, Bayerische Archäologie 1-2018, S. 14-22
Hermann, Friedrich Jurahöhlen der Oberpfalz, Verlag Fr. Pustet, Regensburg 1976
Huber, Fritz Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Illmann, Renate Carl Wilhelm von Gümbel: Bericht über die im Revier Bärenhof Forstamts Vilseck entdeckte größere Tropfsteinhöhle, Der Fränkische Höhlenspiegel, Heft 59, 2013, S. 22ff.
Illmann, Renate Vor 160 Jahren: Erschließung der Maximiliansgrotte, Der Fränkische Höhlenspiegel, Heft 59, 2013, S. 27ff.
Lang, Stefan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Hersbrucker Schweiz und des Oberpfälzer Jura, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2002
Leja, Ferdinand Zur Tektonik der Maximiliansgrotte A 27 (Frankenalb), Mitt. NHG, Nr. 33, Nürnberg 1989
Malter, Wilhelm Wie die Maximiliansgrotte entdeckt wurde, Die Oberpfalz 1942, nachgedruckt in GUT SCHLUF 42-1997, S. 7ff.
Neischl, Adalbert Die Höhlen der fränkischen Schweiz, Erlangen 1903
Plan, Lukas, Spötl, Christoph Hypogene Karsthöhlen, in: Höhlen und Karst in Österreich (Hrsg. v. C. Spötl, L. Plan, E. Christian), Oberösterreichisches Landesmuseum, 2016, 49-60
Plan, Lukas, Spötl, Christoph Epigene Karsthöhlen, in: Höhlen und Karst in Österreich (Hrsg. v. C. Spötl, L. Plan, E. Christian), Oberösterreichisches Landesmuseum, 2016, 49-60
Sommer, W., Leja, F. Die Erkundung des Großen Sees 1957 in der Maximiliansgrotte (A 27) durch den Speläo-Club Sulzbach, Der Fränkische Höhlenspiegel Heft 51, Dezember 2003, S. 50

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