Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Karst und Höhlen im Wellucker Wald und Umgebung, Fränkische Alb


Die Maximiliansgrotte bei Krottensee, Hersbrucker Alb

Höhlen in der Umgebung von Krottensee

Das Dollesenloch


Im "Wellucker Wald", auch Sackdillinger Forst genannt, der sich zwischen Krottensee und dem Forsthaus Sackdilling erstreckt, treten der Riffdolomit des Untergrunds an vielen Stellen an die Oberfläche und zeigt sich in Form meist im Wald verborgener Felsmassiven, -wänden und -türmen. Schaut man genauer hin, dann entdeckt man auch den Eingang zu so mancher Höhle:

Die Maximiliansgrotte ist eine Station auf dem "Karstkundlichen Lehrpfad" den man seit einigen Jahren ausgeschildert hat und einige der wichtigsten Karst- und Höhlenerscheinungen in ihm ins Bewußtsein der Öffentlichkeit heben soll. Wie oft er wohl begangen wird? Ich habe noch nie jemand gesehen, der ihn gemacht hat. Jedenfalls stehen an den verschiedenen Plätzen auch große Tafeln, auf denen auf verständlichem Niveau der Besucher über die Erscheinungen aufgeklärt und informiert wird, die er gerade sieht. Der alte aufklärerische Eifer ist da noch drinnen, allein es geht ja keiner hin und liest sich das noch durch.

1 km von der Maximaliansgrotte entfernt befindet sich in einer mächtigen Felsgruppe der Eingang in die Vogelherdgrotte in 468 m Seehöhe. Wenn der Zugang nicht markiert wäre, würde man sich schon schwer tun, die Höhle zu finden, denn nichts weist vorher aus sie hin. Sie hieß auch schon "Gunzenloch" oder "Hohler Felsen". 20 m ist die Durchgangshöhle lang, bis 5 m ist sie hoch und zwischen 5 und 16 m breit. Besonders in der Winterzeit lohnt sich ein Besuch, weil sich dann immer wieder sehr ansehnliche Eisbildungen finden. In einer Nische der SW-Wand befinden sich die traurigen Reste eines Schreins, in dem 1945 nach Kriegsende Höllerer aus Krottensee eine Marienstatue untergebracht hatte.

     
     
2020

500 Meter westlich davon, im "Geißlochberg", liegt eine kleine Schachthöhle mit diesem Namen. Als Gesamtganglänge wird 20 m angegeben bei einer Tiefe von - 7 m.

In der Nähe des Sackdillinger Forsthauses befinden sich zwei kleine Höhlen, das Kleine A 42 und das Große Bauernloch A 133.

     
     

Was hat sich hier einmal zugetragen? Ich finde es irgendwie erstaunlich, wie sehr alles dann auch wieder "weg" sein kann, was sich an einem Ort zugetragen hat. Egal was. Wer war der Mensch, die Frau, die Mann, die vor Jahrtausenden an der sog. "Türschwelle", der Engstelle nach der 18 m langen Eingangsspalte, bevor man die "Halle" betritt, ein Kind "begraben" haben? Archäologen haben dort "kindliche Skelettreste" gefunden. Warum ausgerechnet an dieser Stelle? Welcher Schmerz wurde hier ertragen, für welche Trauer Linderung gesucht? Ist die Entfernung der Knochen in ein Museum ein angemessenes Verhalten auf das, was die Menschen, die vor Jahrtausenden dort ihren "gestorbenen Nachwuchs" beerdigt hatten, gewollt hatten? Heute dauert es ja oft nur noch 15 Jahre, wo jemand in einem Erdgrab "beruhigt ruhen" kann, ehe sich die Frage der "Neuverwendung" dieser Stelle stellt. Wie hatten es da die früher.

Die "Fleischkammer", "bequem zugängliche, 30 m lange Höhle..in zwei geräumige flache Hallen aufgeteilt.." (Hermann, Jurahöhlen 27).

Die Saugartenhöhle

 


Literatur:

Franz, Leonhard Die Kleine Sackdillinger Höhle im Wellucker Wald, Bayr. Oberpfalz, in: Speläologisches Jahrbuch 5-6, 1925, 40-46
Graf, Renate und Norbert Kulthöhlen in Nordbayern, Bayerische Archäologie 1-2018, S. 14-22
Hermann, Friedrich Jurahöhlen der Oberpfalz, Verlag Fr. Pustet, Regensburg 1976
Huber, Fritz Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Lang, Stefan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Hersbrucker Schweiz und des Oberpfälzer Jura, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2002
Vollrath, Friedrich Höhlen der mittleren Frankenalb als Wohnplätze in den vorgeschichtlichen Metallzeiten, in: Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde - Die nördliche Frankenalb, hrgs. vom Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforscher, München 1966

Links:

https://www.outdooractive.com/de/protected-area/fauna-flora-habitat-gebiet/wellucker-wald-noerdlich-koenigstein/9028256/

https://www.baysf.de/de/wald-schuetzen/bayerns-wilde-waelder/naturwaldreservate/naturwaldreservat-mannsberg.html

https://www.lfu.bayern.de/natur/natura_2000_vollzugshinweise_erhaltungsziele/datenboegen_6020_6946/doc/6335_302.pdf

Landschaft und Höhlen der Hersbrucker Schweiz

 


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